Der CV90 hat den Ruf, ein sehr effektives Waffensystem zu sein.

apf

08/02/2021

Der BAE Systems Hägglunds CV90 Schützenpanzer wird derzeit in sieben europäischen Ländern (Niederlande, Dänemark, Estland, Finnland, Norwegen, Schweden und Schweiz) genutzt. Die königlich-niederländische Armee betreibt noch 144 CV90NLD, die jetzt alle auf einen vergleichbaren Standard MkIV hochgerüstet werden. So wird die elektronische Architektur, das Fahrwerk/Kettensystem dem MkIV angepasst, gleichzeitig wird aber auch ein komplett neuer Turm entwickelt. Dies gehört alles zu MkIV-Standard, der umfasst aber noch viele weitere Optionen.

Die Zugehörigkeit zur CV90-Familie bedeutet, dass die Anwender eng und kontinuierlich untereinander und mit dem Hersteller BAE Systems zusammenarbeiten, um die aktuellen Fähigkeiten des Fahrzeugs zu verbessern und Investitionen zu erwägen, die sicherstellen, dass die CV90 auch für zukünftige Herausforderungen geeignet sind. Es wurden bisher mehr als 1.200 Fahrzeuge ausgeliefert. Der neueste Nutzer soll in den kommenden Jahren Tschechien werden.

Die Entwicklung des CV 90 begann 1982, die Produktion 1991. Das schwedische Fahrzeug ist mit einer 40 mm Bofors-Kanone ausgestattet. Exportversionen nutzen auch die 30 mm oder 35 mm Mk 44 Bushmaster II-Maschinenkanone von Orbital ATK. Um diese Modifikation durchzuführen, muss lediglich die Waffe und die Munitionszuführung gewechselt werden. Der CV90 Mk IV wurde mit einem neuen Antrieb (1.000 PS), einem aktiven Schutzsystem und dem Augmented-Reality-System iFighting ausgestattet. Sein Gewicht hat sich von 35 auf 38 Tonnen erhöht – in der höchsten Schutzklasse – mit drei Tonnen zusätzlicher Nutzlast.

Die modularen Türme des MkIV können zudem Bewaffnungen im Kaliber 30/40-, 35/50, oder wie bei den Niederländern die gesamte Kaliberpalette umfassen. Hinzu kommen optional Pods für weitere Maschinengewehre oder Panzerabwehrraketen. So wurden 2019 erstmals Testschüsse mit der integrierten Rafael Advanced Defense Systems/EuroSpike Spike-LR (Long Range) durchgeführt. Auch die Niederländer werden die Spike LR (in der Bundeswehr als MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System) genutzt) integrieren. Das gute an dieser Pod-Lösung ist der schnelle und einfache Austausch gegen andere Raketen-Systeme. Es bleibt eine hohe Flexibilität erhalten.

CV90 MkIV iFighting. (Foto: BAE Systems)

Wir sprachen mit Dan Lindell, Director Combat Vehicles at BAE Systems Hägglunds AB.

wt: BAE Systems Hägglunds AB hat gerade zwei Aufträge aus der Schweiz und den Niederlanden zur Verbesserung des CV90 – im Rahmen eines Mid-Life-Upgrades – erhalten. Welche Verbesserungen und neuen Fähigkeiten werden diese CV90 erhalten?

Lindell: Die Upgrades unterscheiden sich zwischen den beiden Nutzern. Die Schweizer beginnen mit der zweiten Generation der CV9030 und die Niederländer mit der dritten Generation der CV90. Und die Upgrades konzentrieren sich auf unterschiedliche Aspekte und Fähigkeiten.

Bei der Schweiz handelt es sich hauptsächlich um eine MLE (Mid Life Extension), sie umfasst ein Update auf die neueste Elektronische Architektur (EA) der 4. Generation (Cybersicherheit, Kompatibilität mit KI (Künstlicher Intelligenz), NGVA-konform), eine effizientere APU, ein fortschrittliches Situational Awareness System, Active Damping und die neueste Generation des Diagnose-Informationssystems, ein neues digitales Kamerasystem usw.

Die Niederlande führen ein MLU (Mid Life Upgrade) durch, das die Elektronische Architektur der 4. Generation, Gummiketten und das MkIV-Turmdesign umfasst, das Folgendes beinhaltet: mehr verfügbare Geschosse, höhere Elevation der Waffen, POD-System für ATGM (Panzerabwehrraketen) und Maschinengewehre, ein einzigartiges und sehr leistungsfähiges EOPS (Electro, Optical & Panoramic, Sight), Soft- und Hard-kill ADS. Dies bietet eine erheblich gesteigerte Funktionalität, Fähigkeiten und Redundanz mit dem Einsatz von u.a. KI-Algorithmen zur Unterstützung und Verbesserung des Fahrzeugführers, die unsere Reise des iFighting-Konzepts fortsetzen und die Leistung des Fahrzeugsystems und die Fähigkeiten der Besatzung voll ausschöpfen, um das leistungsfähigste Kampffahrzeug zu werden.

wt: Aber zusätzliche Upgrades könnten gemacht werden. Wie würde der am besten ausgestattete CV90 Mk IV aussehen?

Lindell: Ja, es gibt natürlich mehr Optionen für den Kunden. Es wäre aber vermessen, wenn ich sagen würde, wie eine optimale CV90 MkIV Konfiguration in Zukunft ausgerüstet sein wird. Wenn man sich zehn Jahre zurückerinnert, waren alle für Aufstandseinsätze ausgerüstet, und jetzt ist es die Territorialverteidigung, die für die meisten Armeen im Vordergrund steht. Was ich weiß, ist, dass die Plattform in der Lage sein muss, sich im Laufe der Zeit durch flexible Lösungen und Wachstumspotenziale anzupassen, und das ist beim CV90 MkIV gegeben.

Es gibt viele interessante Entwicklungen, die einen Unterschied machen könnten:

Wir könnten eine kombinierte Waffenunterstützung anbieten. Eine weitere Möglichkeit ist die Adaptiv-Tarnung oder der Battle View 360, der einer der kommenden Bausteine zum weiteren Ausbau der iFighting-Technologie ist.

iFighting wird implementiert, um die Leistung von Fahrzeug und Besatzung zu optimieren, indem Daten genutzt werden, um schnellere Entscheidungen im Kampf zu ermöglichen und die kognitive Belastung zu reduzieren. Basierend auf einer von BAE Systems integrierten Technologie führt iFighting die Daten aus verschiedenen Systemen innerhalb des Fahrzeugs zusammen, um die wichtigsten Informationen zu filtern und zu priorisieren. Dies ermöglicht der Besatzung, schnellere und effektivere Entscheidungen zu treffen, um die Gesamtleistung auf dem Gefechtsfeld zu verbessern.

CV90 MkIV iFighting bei einer Fahrt mit extremer Steigung. (Foto: BAE Systems)

wt: Der Schützenpanzer PUMA im deutschen Heer ist immer noch nicht einsatzbereit, auch wenn er für diesen Sommer erwartet wird. Laut Heeresleitung wäre der CV90 ein möglicher „Ersatzkandidat“. Wie schnell könnte eine CV90-Auslieferung beginnen, nachdem ein Vertrag unterzeichnet wäre?

Lindell: Die Lieferung eines „Standard“-Schützenpanzers, der die bestehenden Basislinie nutzt, würde etwa 18 Monate nach Vertragsabschluss dauern.

wt: Und hätten Sie noch eine zusätzliche Produktionskapazität, wenn der tschechische Auftrag für den CV90 eintrifft?

Lindell: Ja, unsere Produktionskapazität ist flexibel und skalierbar, wir wären in der Lage, diese Fahrzeuge parallel zu unseren übrigen Verpflichtungen zu produzieren. Unsere Art, industrielle Zusammenarbeit zu betreiben, hat einen bewährten Technologie- und Produktionstransfer ins Land, was die Produktionskapazität ebenfalls erhöht.

wt: Wo sehen Sie die größten Unterschiede und Vorteile der CV90 im Vergleich zum PUMA?

Lindell: Die Vielseitigkeit des CV90 ist vielleicht der größte Unterschied. Der CV90 hat 15 einsatzfähige Varianten im täglichen Einsatz in sieben Armeen. Außerdem hat der CV90 den Ruf, ein sehr effektives, robustes Kampffahrzeug mit einer sehr hohen Verfügbarkeit zu sein.

Das Design des CV90 MkIV wurde von allen Anwendern beeinflusst, die Plattform ist schrittweise gereift, ohne die Kinderkrankheiten, die bei allen Blank Sheet Designs (Neuentwicklungen) üblich sind. Eine Plattform zu entwerfen und zu prototypisieren ist eine relativ einfache Aufgabe, aber sie zum Laufen zu bringen, erfordert einen enormen Aufwand!

wt: Als Optionen haben Sie das aktive Schutzsystem und die Panzerabwehrlenkraketen erwähnt. Welche Systeme wurden bisher in die CV90 integriert und wären damit einsatzbereit?

Lindell: Bei den Panzerabwehrlenkwaffen haben wir die Spike (Long Range) integriert, das gleiche System, das auch der WIESEL, der Schützenpanzer MARDER oder der Schützenpanzer PUMA in Deutschland erhalten werden. Die APS, die integriert wird, ist die Iron Fist.

Das Gummikettensystem von Soucy International und BAE Systems Hägglunds auf einem CV90 Schützenpanzer. Dieses ist auch Teil der niederländischen Produktverbesserungen. (Foto: BAE Systems)

Vorstellung des CV90 MkIV im Video.
Weiteres video zur Vorstellung des CV90 MkIV.

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