Spotlight Deutsche Marine

03/03/2021

Hochenergie-Lasersystem wird auf Fregatte erprobt

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) aus MBDA Deutschland und Rheinmetall Waffe Munition unlängst mit der Erstellung, Integration und Unterstützung bei der Erprobung eines Laserwaffendemonstrators im maritimen Umfeld beauftragt. Die Aufteilung der Arbeitsanteile in der ARGE erfolgt etwa zu gleichen Teilen. MBDA Deutschland ist für das Tracking, die Bedienkonsole und Anbindung des Laserwaffendemonstrators an das Führungssystem zuständig. Im Verantwortungsbereich Rheinmetalls liegen die Laserwaffenstation, das Strahlführungssystem sowie Kühlung und Integration des Laserwaffendemonstrators in den Projektcontainer des Laserquellendemonstrators.

Der Demonstrator soll bis Ende 2021 erstellt, getestet und integriert werden. Die Erprobung wird auf der Fregatte Klasse F124 SACHSEN (F 216) soll im darauffolgenden Jahr erfolgen.

Der Vertrag wird als ein wichtiger Schritt hin zu einem einsatzfähigen Hochenergie-Lasersystem wahrgenommen. Doris Laarmann, Head of Business Development Laser bei MBDA Deutschland, betonte, mit dem Demonstrator wichtige Themen wie das Zusammenspiel von Sensorik, Führungs-/Waffeneinsatzsystem und dem Effektor sowie Rules of Engagement an Bord der Fregatte getestet werden. Der jetzt unterzeichnete Vertrag ist die konsequente Fortführung der erfolgreich getesteten Laserwaffenfunktionsmuster der letzten Jahre und verbindet die gewonnenen Erfahrungen zu einem der anspruchsvollsten Projekte im Bereich der Laserwaffenentwicklungen in Europa, so Alexander Graf, Leiter Programmbereich Strahlenwaffen, und Dr. Markus Jung, Leiter Entwicklung Strahlenwaffen der Rheinmetall Waffe Munition GmbH.

Ein Laserwaffendemonstrator soll erstmals auf einer deutschen Fregatte unter einsatznahen Bedingungen untersucht werden. (Foto: MBDA Deutschland/Rheinmetall Defence)

Deutsche Marine erhält digitalen Klassenraum für neuen Mehrzweckhubschrauber NH90 NTH Sea Lion

Die Deutsche Marine setzt bei der Ausbildung ihrer Besatzungen des neuen Marinehubschraubers NH90 NTH Sea Lion erneut auf die Simulationsexpertise Rheinmetalls. Im

Dezember 2020 erhielt das Unternehmen über die europäische NH90-

Beschaffungs- und Managementorganisation NAHEMA den Auftrag, eine Asterion-Klassenraumlösung an das Marinefliegergeschwader 5 (MFG 5) in Nordholz zu liefern. Die Bereitstellung der Anlage soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Der digitale Asterion-Klassenraum dient der Ausbildung des Wartungspersonals des neuen Marinetransporthubschraubers NH90 NTH Sea Lion. Hierzu umfasst die Anlage u.a. ein Softpanel-Cockpit mit Darstellung der Instrumente über Touchscreens sowie einen für die

Marinehubschrauberausbildung erforderlichen Missionskonsole-Trainer, Asterion Software, Desktop Hardware sowie Tablets. Asterion ist ein modernes, integriertes ganzheitliches Trainingskonzept für alle Trainingsphasen. Es simuliert das Verhalten sämtlicher Systeme des Hubschraubers originalgetreu wie z.B. hydraulische, elektrische oder taktische Systeme.

Die in Kürze stattfindende Auslieferung des digitalen Asterion-Klassenraumes an die Marine stellt einen weiteren Vertriebserfolg bei der Bundeswehr dar. Die Asterion-Simulationssoftware wurde in ähnlicher Form bereits in das Funktionale Cockpit des Maintenance Training Rigs NH90 NTH integriert. Diese Anlage wird ebenfalls beim MFG 5 in Nordholz für die Ausbildung des Wartungspersonals eingesetzt. Auch das Deutsche Heer nutzt Asterion-Simulationstechnologie bei seinen Ground-Crew-Trainingssystemen am Internationalen Hubschrauber-Ausbildungszentrum in Faßberg. Hier wird das Wartungs- und Instandsetzungspersonal der Heeresflieger auf drei originalgetreuen Cockpitnachbauten von Rheinmetall hinsichtlich der Bedien- und Wartungsprozeduren für die Heeresvariante des

NH90 geschult.

Bei der NAHEMA ist die Asterion-Simulation gelistet und damit für alle NH90-Nutzernationen beschaffbar. Weitere NH90-Nutzernationen haben bereits großes Interesse an dem Konzept bekundet.

Industriekonsortium bietet Deutschland Radarsysteme zur Abwehr ballistischer Raketen an

Israel Aerospace Industries (IAI) und HENSOLDT haben eine gemeinsame Vereinbarung zur strategischen Zusammenarbeit unterzeichnet. Im Rahmen dieser Vereinbarung werden die beiden Unternehmen gemeinsam Radarsysteme zur Abwehr ballistischer Raketen herstellen und sich an Projekten zur Luftraum- und Weltraumüberwachung beteiligen. In einem ersten Schritt bietet HENSOLDT zusammen mit der IAI-Tochter ELTA ein Weitbereichsradar zum Einsatz auf den Fregatten Klasse F124 (SACHSEN-Klasse) der Deutschen Marine an. Dieses Radar arbeitet im S-Band, was eine wesentlich präzisere Erfassung von Zielen im Weltraum erlaubt als andere Lösungen.

IAI wird ihr technologisches Know-how und ihre langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Herstellung von Verteidigungssystemen gegen ballistische Langstreckenraketen einbringen, so dass bereits im Einsatz erprobte Komponenten zum Einsatz kommen. HENSOLDT wird die Kernkomponenten fertigen und die Radarsysteme komplett aufbauen. Diese Weitbereichsradare können dem deutschen Kunden ebenso wie anderen Nato-Partnern angeboten werden; der Servicesupport für die gesamte Lebenszeit des Systems kann ebenfalls von HENSOLDT übernommen werden.

Die Kooperationsvereinbarung wurde mit der ELTA-Gruppe der IAI geschlossen, die die Ultra- und Spectra-Radar-Familie entwickelt hat. Diese Radare bieten erweiterte Such- und Erkennungsfähigkeiten von ballistischen Raketen und Satelliten in größeren Reichweiten. Die Radare sind ausgereifte, einsatzerprobte Produkte, die eine flexible Gestaltung ermöglichen, um Änderungen der operativen Anforderungen bezüglich künftiger Bedrohungen zu unterstützen.

Die IAI sieht in der Zusammenarbeit mit HENSOLDT einen bedeutenden Schritt, um ihre Radaroperationen in Europa voranzubringen und ihr über Jahrzehnte in der Luftverteidigung und in Weltraummissionen gesammeltes technologisches Know-how zu nutzen, so Yoav Turgeman, IAI VP und CEO von ELTA. Er ergänzte: „Die bewährten Fähigkeiten der Radarsysteme zur ballistischen Raketenabwehr in Israel und weltweit, werden Deutschland helfen, seine operativen Ziele zu erreichen. Wir haben einen wachsenden Bedarf an fortschrittlichen Frühwarnradarsystemen festgestellt, die ein detailliertes Echtzeit-Luftbild liefern, um die Auswahl geeigneter Abwehrmaßnahmen zu erleichtern.“

Thomas Müller, CEO von HENSOLDT, sagte: „Als der deutsche Champion für militärische Sensorlösungen bringen wir in der Zusammenarbeit mit IAI unser umfangreiches technisches Know-how im Bereich der Radarsysteme ein und freuen uns, damit einen wichtigen Beitrag zum Fähigkeitsausbau der Bundeswehr zu leisten. Aufgrund unserer Fertigungskapazität in Deutschland und unserer langjährigen Zusammenarbeit mit der Bundeswehr bieten wir eine zuverlässige, reaktionsschnelle Logistikunterstützung und vielfältige Möglichkeiten zur einsatzorientierten Weiterentwicklung.“

Die in die Zusammenarbeit eingehenden Systeme Ultra und Spectra wurden so konzipiert, dass sie unabhängig voneinander als Detektionssysteme funktionieren. Sie unterstützen alle Ebenen der Luftverteidigung, angefangen von mittleren über große bis hin zu sehr großen Reichweiten. Beide Systeme sind mobil einsetzbar und bieten bis zu 500 km an Überwachungs- und Detektionsfähigkeiten gegenüber Kampfflugzeugen. Die Systeme liefern Frühwarnungen über Satelliten, ballistische Flugkörper und andere Luftziele in deutlich größeren Entfernungen.

HENSOLDT und IAI/ELTA bieten ein Weitbereichsradar zum Einsatz auf den Fregatte Klasse F124 der Deutschen Marine an. (Foto: Brian Burnell)

SMM DIGITAL – Die Zukunft der Schifffahrt ist smart

Digitalisierung ist der maritime Gamechanger. Die digitale Transformation steht deshalb

auch im Mittelpunkt der SMM DIGITAL, die vom 2. Bis 5. Februar 2021 unter dem Leitmotiv „Driving the maritime transition“ stattfindet. Das rein digitale Event spiegelt auf den hochkarätig besetzten Konferenzen die aktuellen Smart Shipping-Trends. Internationale Experten berichten dort über die Herausforderungen der maritimen Industrie und zeigen attraktive Lösungswege auf.

Komplexe Vertragsverhältnisse, enorme Dimensionen von Schiffen und zurückgelegten Strecken, besondere logistische Herausforderungen: Gerade in der Schifffahrtsbranche eröffnen digitale Technologien viele Möglichkeiten, um Automatisierung, Agilität und Rentabilität voranzutreiben. Das gilt für den gesamten Lebenszyklus – von der Planung eines Schiffes über dessen Betrieb bis zum Recycling.

Risiko Vernetzung: Der zunehmende Datenaustausch macht die Schifffahrt auch anfälliger: Ende September wurde CMA CGM Opfer eines Hackerangriffs. Die Ransomware-Attacke legte die IT-Systeme der viertgrößten Containerreederei weltweit für etwa zwei Wochen lahm. Ziel der Cyberkriminellen war es, Lösegeld zu erpressen. Die Einhaltung von Cybersecurity-Guidelines, regelmäßige Sicherheitschecks sowie die Sensibilisierung der Crew sollten daher oberste Priorität bei Schiffsbetreibern haben.

„Nur mit einer verantwortungsvollen Datendisziplin aller Besatzungsmitglieder lassen sich externe Einfallstore schließen“, sagt Dietmar Hilke, Cybersecurity-Experte beim Netzwerkspezialisten Cisco Systems.

„Schon vor der Corona-Pandemie war ‚Driving the maritime transition‘ das Leitmotiv der SMM

2020. Die aktuellen Geschehnisse haben die Digitalisierung in der Branche beschleunigt und

unsere Fokussierung auf die digitale Transformation gestärkt. Auf der SMM DIGITAL können sich die Teilnehmer über die aktuellen Entwicklungen in der maritimen Industrie informieren“, ergänzt Claus Ulrich Selbach, Geschäftsbereichsleiter Maritime und Technologiemessen bei der

Hamburg Messe und Congress GmbH.

Aye, Aye, AI: Von Autonomer Schifffahrt über Big Data bis zur Blockchain: Dass der digitale Wandel vielfältig ist, unterstreicht das hochkarätig besetzte Konferenzprogramm des Maritime Future Summit (MFS), der am 2. Februar 2021 unter dem Motto „Aye, aye A.I.“ stattfindet. So erklärt etwa Dr. Annie Beeker, Senior Lecturer an der Universität von Stellenbosch, was ihr die

voranschreitende Digitalisierung für ihre Arbeit bringt. Die Wissenschaftlerin untersuchte an Bord der SA Agulhas II, welche Auswirkungen der Wellenschlag auf die Stahlstruktur des

südafrikanischen Forschungseisbrechers hat. Das Sammeln und Analysieren von Daten hilft nicht nur bei der Suche nach dem stabilsten Rumpf – es macht die Schifffahrt auch nachhaltiger. Ein wichtiger Aspekt, denn bis 2050 will die Schifffahrt klimaneutral unterwegs sein: „Wenn wir den ständig wachsenden Katalog der in der Branche erfassten Daten besser analysieren, austauschen und nutzen, schaffen wir eine WinWin-Situation. Wir können etwa die Leistung optimieren, um den Treibstoffverbrauch zu senken – das ist für die Reeder immer noch der Löwenanteil der Betriebskosten – und so dazu beitragen, die Emissionen im Sinne der IMO-Richtlinien und den Bedürfnissen der Gesellschaft zu reduzieren. Das ist eine echte Chance“, betont Esben Poulsson, Vorsitzender des Internationalen Reederverbands ICS.

Autonome Schifffahrt: Große Chancen eröffnet auch Artificial Intelligence (AI): So rückt dank umfangreicher Datenbanken und kluger Algorithmen die Vision von unbemannten Schiffen immer näher. Wie aus „simplen” Schiffen smarte Transportplattformen werden, erläutern die Motorenexperten von Wärtsilä im Rahmen des MFS. Besonders weit fortgeschritten ist das Projekt „Mayflower Autonomous Ship“ (MAS). Im April soll das autonome Schiff zu seiner ersten großen unbemannten Überfahrt aufbrechen. MAS verfügt über eine ausgeklügelte Software, die Daten von 30 Bordsensoren und sechs Kameras verarbeitet. Befehle nimmt es von der Zentrale an Land entgegen.

„Das Besondere ist: Dieses Seeschiff kann eine lange Strecke zurücklegen. Die meisten bisherigen unbemannten Schiffe waren nur für kurze Distanzen vorgesehen – das ist ein

signifikanter Fortschritt“, meint Fredrik Soreide, Projektleiter bei ProMare. ProMare ist einer der

Partner des Projekts. Federführend ist das IT-Unternehmen IBM.

Quelle: Hamburg Messe und Congress GmbH

Die SMM ist die Weltleitmesse der maritimen Wirtschaft und findet normalerweise alle zwei Jahre auf dem Gelände der Hamburg Messe und Congress GmbH (HMC) statt – aufgrund der CoronaPandemie wird die 29. Auflage der Messe vom 2. bis 5. Februar 2021 als rein digitale Veranstaltung durchgeführt. (Foto: HMC/Michael Zapf)

Stefan Nitschke

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