Groß, Grün, Gepanzerter: der John Deere Traktor

apf

06/04/2021

Ende August twitterte die Bundeswehr: Die Geländebetreuung des #BwDLZ arbeitet u.a. auch auf den Truppenübungsplätzen der #Bundeswehr. Ein echtes Risiko sind dabei #Munitionsreste und #Blindgänger. In #Torgelow gibt es hierfür nun zwei beeindruckende Lösungen.

Die Arbeiten der Geländebetreuung der Bundeswehr-Dienstleistungszentren (BwDLZ) sind herausfordernd. Zum Beispiel dann, wenn auf Truppenübungsplätzen gearbeitet werden muss. Das oft sehr weitläufige und anspruchsvolle Gelände benötigt Pflege und Erdarbeiten. Ein echtes Risiko sind aber Munitionsreste und Blindgänger, zum Beispiel bei Mäh-, Mulch- und Fräsarbeiten. Tückische Gefahren! In Torgelow und dem zugehörigen Truppenübungsplatz Jägerbrück gibt es hierfür nun zwei beeindruckende Lösungen. Dazu hat das BwDLZ jetzt zwei gepanzerte John Deere 6250R Traktoren erhalten. Der Schutz stammt von Rheinmetall in Unterlüß.

(Foto: Bundeswehr/Marius Vu)

Auf den ersten Blick möchte man meinen: ein normaler grüner Trecker. Doch die ohnehin schon beeindruckenden Kolosse wurden noch einmal richtig aufgemotzt, die Fahrerkabine ist gepanzert. Stahl und Schusssicheres Glas wurden hier verbaut und bilden zusammen einen massiven Schutz. Die Türen sind dadurch so schwer, dass diese nur noch elektrisch unterstützt zu öffnen und zu schließen sind. Ebenso befinden sich unten an den Fahrzeugen fingerdicke Panzerstahlplatten, die das Personal im Fall der Fälle schützen sollen. Die Panzerung entspricht der sogenannten Schutzklasse VPAM 7, und bietet somit umfangreichen Beschuss- und Splitterschutz für die Insassen. Die Traktoren wiegen durch die Umrüstung rund 1 t mehr als die Serienfahrzeuge. Da der Schutz speziell auf die Bedrohung gegen Blindgänger angepasst ist, ist eine „klassische“ Zuordnung zu einer militärischen Schutzklasse, der sogenannten STANAG, nicht einfach möglich. So ist z.B. die Kabine von unten nicht gegen Blast-Minen geschützt, ist aber hier dem Level 1 vergleichbar. Die verwendeten Scheiben und die restliche Panzerung entsprechen aber einem höheren Level 2, so dass die Sicherheit des Bedieners gewährleistet ist.

Der Schutz von unten. (Foto: Bundeswehr/Marius Vu)

Darüber hinaus bietet Rheinmetall zwei Schutzvarianten an, die Basisversion nach VPAM 7 und eine nachqualifizierte mit einem Upgrade auf den Schutz gegen 8,8 cm Sprenggranaten. Da hier ein reiner Kabinenschutz gefordert ist, um das Leben des Bedieners zu schützen, ist hingegen die Funktion des Traktors ist nicht explizit geschützt, da aufgrund der Verwendung Splitter nur von unten oder der Seite zu erwarten sind, ist das Dach nicht gepanzert. Zudem mussten nach Vorgaben der Zentrale Militärkraftfahrtstelle (ZMK) zwei Notausstiege vorhanden sein, einer ist das Dach, der zweite wird über das rechte Fenster realisiert. Die geschützten Fenster sind 6 cm dick und für eine ganzjährige freie Sicht nach außen beheizt. Hersteller der Glasblöcke ist die GuS glass + safety GmbH & Co. KG aus Lübbecke.

So bieten sie Schutz vor Blindgängern, nicht explodierter Munition, die sich noch im Boden des Truppenübungsplatzes in der Drögeheide befinden könnte. Selbstverständlich werden jene durch die Geländebetreuung befahrenen Teile des Truppenübungsplatzes vor den durchzuführenden Arbeiten von den Feuerwerkern geräumt und freigegeben. Dennoch bleibt stets ein Restrisiko. „Hundertprozentig sicher ist nur, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt“, konstatiert Hauptmann Carsten Rupp, der Kommandant des Truppenübungsplatzes und fährt fort, „wir alle wissen um die Gefahren und was auf diesen Plätzen passieren kann!“

Die geschützte Traktoren mulchen, mähen, fräsen und arbeiten auf dem Truppenübungsplatz, nur jetzt eben mit einem adäquaten Schutz für das Personal.

(Foto: RABO)

Die Idee für das Produkt entstand bei Rheinmetall aus Eigenbedarf, denn im Bereich Erprobung in Unterlüß fallen auch immer wieder Blindgänger an. So startete 2015 dieses Projekt. Als Partner wurde die REBO Landmaschinen GmbH gewonnen. Diese stellt auch den John Deere Traktor und tritt gegenüber der Bundeswehr als Vertragspartner auf. Rebo ist auch für die Anbauten zuständig, zum Beispiel Fräsen, Mäher, etc. Aufgrund des zusätzlichen Gewichtes durch den Schutz, reduziert sich die Nutzlast. Jedoch ist es weiterhin möglich mit allen üblichen Geräten zu arbeiten, so ist auch z.B. eine ca. 4,5 Tonnen schwere Forstfräse mit Ausgleichgewicht von 2 Tonnen als Nutzlast möglich. Komplettiert wird die Ausstattung durch die oben erwähnten beheizbaren Scheiben, damit sie nicht beschlagen, einen Forstschutz, Forstbereifung, Astabweiser sowie eine Rückfahreinrichtung der Firma Ritter. Neuerdings ist es auch möglich ohne technische Änderungen am Schutz statt Forstbereifung ein Raupenfahrwerk zu montieren. Der Bodendruck wird somit erheblich verringert und die Geländegängigkeit weiter erhöht.

Blick in die Kabine (Foto: Rheinmetall)

Durch den platzoptimierten Kabinenumbau in Verbindung mit Drehsitz und ebenem Kabinenboden ist eine ergonomische Arbeitsweise und freie Sicht in jeder Position möglich. Ritter Rückfahreinrichtungen sind für den professionellen Einsatz in der Forst- und Landwirtschaft entwickelt worden. Die innovativen Umbauten werden an die individuellen Bedürfnisse des Kunden angepasst. Dabei wird der Sitz um bis zu 220 Grad gedreht und die Lenkung und Bedienung über einen Joystick oder ein zweites Lenkrad sichergestellt. Es besteht die Möglichkeit, das Lenkverhalten (Joystick) auf jeden Fahrer speziell einzustellen. Neben sämtlichen Fahrfunktionen können weitere zusätzliche Funktionen (z.B. Rückeschild, Heckhydraulik) der Maschine über den Joystick gesteuert werden. Eine Ergänzung der Rückfahreinrichtung mit „zweiten“ Fußpedalen (z.B. Kupplung, Bremse) ist möglich. Ein Display (Zubehör/ je nach Schleppertyp) versorgt den Fahrer im Heckbereich mit zusätzlichen Informationen. Der Fahrer hat in jeder Drehposition immer alle Funktionen ergonomisch vom Fahrersitz griffbereit und kann somit auch in den Drehbereichen uneingeschränkt fahren. Durch einen integrierten NOT-AUS Schalter, kann auch in schwierigen Situationen, die Maschine, sofort gestoppt werden. Selbst das Innovative „Auto Trac“ (vollautomatische Spurführung) und „iTech Pro“ (automatisierte Funktionsabläufe) kann individuell am Traktor genutzt werden, um den Fahrer deutlich zu entlasten. Auch eine komplette Steuerung der Maschine über Funk ist möglich.

Blick in die Kabine. (Foto: Rheinmetall)

Angeboten wird die John Deere R-Serie mit einer kleinen, mittleren und großen Maschine. In Torgelow kommen die John Deere 6250R Traktoren mit einem bärenstarken 6,8 Liter 6-Zylindermotor, 300 PS Maximalleistung Fahrzeug zum Einsatz. Als kleinere Varianten gibt es den 6230R und den 6155R. Letzterer wird gerade für den Truppenübungsplatz in Stetten am kalten Markt aufgebaut. Daher werden die Torgelower-Fahrzeuge wohl nicht die letzten beiden Fahrzeuge bleiben, denn auch andere Truppenübungsplätze müssen gepflegt werden und sind mit Blindgängern und Munitionsresten belastet. Rheinmetall sieht einen Bedarf von ca. 10 und mehr Fahrzeugen pro Jahr bei der Bundeswehr und anderen Nutzern, von denen ebenfalls schon Anfragen vorliegen. Die Fahrzeuge fünf (Stetten) und sechs (für Münster, 6230R) werden gerade gefertigt. Nummer vier wurde für die Nachqualifizierung auf die 8,8 cm Sprenggranate angesprengt.

Heckansicht. (Foto: Rheinmetall)
Eine kleineres Modell vor den Ansprenggungstests. (Foto: Rheinmetall)

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