Die neue Offizierausbildung im Heer

apf

07/04/2021

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, hat im August 2018 entschieden, die Ausbildung zum Offizier des Truppendienstes in der größten Teilstreitkraft der Bundeswehr neu zu gestalten. Ab dem 1. Juli 2020 wird der Werdegang der Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter deutlich stärker auf die jeweiligen Truppengattungen des Heeres zugeschnitten sein. Die Autorin, Major Susanne Rehwagen, Pressestabsoffizier im Ausbildungskommando (AusbKdo) stellt die Neuordnung der Offizierausbildung vor.

Die bisher in großen Teilen zentrale Ausbildung der Offiziere des Heeres wird ab Sommer 2020 neugestaltet. (Foto: Volker Schubert)

Neuordnung der Offizierausbildung

Dabei wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass die Ausbildung des Führungsnachwuchses der Heeresuniformträger heute in hohem Maße zentralisiert ist und wenig Gelegenheit zur Sozialisierung und Bindung an die Truppe sowie der Prägung durch die Truppengattungen bietet. Die bisher in großen Teilen zentrale Ausbildung der Offiziere des Heeres wird deshalb ab Sommer 2020 neugestaltet. Vor diesem Hintergrund ist die gesamte Führungsnachwuchsausbildung für Heeresuniformträger zukünftig zu dezentralisieren, zu entfrachten und, wo sinnvoll und zweckmäßig, in die Truppe zurückzuführen.

So können sich die Offizieranwärter bereits am Anfang ihres militärischen Werdeganges mit ihrer Truppengattung identifizieren und dort frühzeitig ihre militärische Heimat finden. Zudem werden sie künftig mit Rekruten der Mannschaftslaufbahn ihre Grundausbildung und Spezialgrundausbildung gemeinsam absolvieren. Das soll zusätzlich den Zusammenhalt fördern.

Diese Neugestaltung der Ausbildung der Offiziere des Truppendienstes im Heer ist eines der Handlungsfelder der „Agenda Ausbildung“.

Bereits Ende des Jahres 2017 begann im Heer die Untersuchung, wie die Ausbildung der Offiziere des Truppendienstes neugestaltet werden kann. Weg vom zentralen Ausbildungsbeginn in den Offizieranwärterbataillonen mit geringer Truppengattungsprägung hin zu mehr Praxisnähe in der Truppe war die Vorgabe. Das in der Leipziger General-Olbricht-Kaserne stationierte AusbKdo wurde mit der Federführung der Erarbeitung beauftragt. Mehrere Workshops und Koordinierungsbesprechungen wurden mit den fachlich zuständigen Stellen durchgeführt und am 25. Februar 2019 entschied der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, abschließend über die Neugestaltung.

Die wesentlichen Unterschiede sind nun:

  • Keine Zentralisierung der Heeresuniformträger in den Offizieranwärterbataillonen 1 und 2 in Munster und Hammelburg. Stattdessen findet die Grundausbildung in den Grundausbildungskompanien und die Spezialgrundausbildung in den Verbänden des Feldheeres der jeweiligen Truppengattung statt. Diese Ausbildungsabschnitte werden gemeinsam mit Rekruten der Mannschaftslaufbahn absolviert. Dadurch soll der Truppenalltag vor Ort von Beginn an praxisnah erlebt und eine Prägung innerhalb der Truppengattung erreicht werden.
  • Vor dem Studium wird nun an der Ausbildungseinrichtung der Truppengattung ein Fahnenjunkerlehrgang mit einer Dauer von bis zu 15 Wochen durchgeführt. Dieser beinhaltet auch die Laufbahnprüfung.
  • Die bisherigen Offizierlehrgänge an der Offizierschule des Heeres (OSH), Teil 1 vor dem Studium und Teil 2 nach dem Studium, finden nicht mehr statt. Stattdessen wird es einen für alle Heeresuniformträger gemeinsamen Offizierlehrgang mit Unterrichtsfächern wie Taktik, Militärgeschichte u.a. nach dem Studium geben.

An folgenden Rahmenbedingungen und Faktoren wurde festgehalten:

  • Die Ausbildung vor dem Studium dauert unverändert 15 Monate.
  • Die Sprachausbildung wird vor dem Studium absolviert.
  • Die Ausbildung zum Teileinheitsführer der Truppengattung erfolgt nach dem Studium an der jeweiligen Ausbildungseinrichtung.

Für das AusbKdo bestand die wesentliche Herausforderung darin, die einzelnen Ausbildungsmodule in einen strukturierten Ablauf zu bringen, die sich an die Spezialgrundausbildung anschließen. Dabei waren folgende Faktoren bzw. Konstanten zu berücksichtigen:

  • Fahnenjunkerlehrgang,
  • Führungspraktikum in der Truppe zwingend erst nach dem Fahnenjunkerlehrgang,
  • Grundpraktikum bei technischen Studiengängen als universitäre Teilnahmevoraussetzung,
  • Personelle und infrastrukturelle Kapazitäten bei Ausbildungsabschnitten, bspw. beim Sprachenlehrgang,
  • Aufeinander abgestimmte Dauer und Inhalte der einzelnen Ausbildungsmodule.

Aufgrund der zuvor skizzierten Faktoren und Konstanten in Verbindung mit der jeweiligen Stärke eines Offizieranwärterjahrganges werden die Ausbildungsmonate 7 bis 15 truppengattungsgeschlossen in einer der drei Säulen durchlaufen.

Der neue Ablaufplan der Ausbildung zum Offizier des Truppendienstes ab Sommer 2020. (Alle weiteren Grafiken: Bundeswehr/AusbKdo)

Offizierausbildung am Beispiel der Pioniertruppe

Am Beispiel der zukünftigen Offiziere des Truppendienstes der Pioniertruppe mit Ausbildungsbeginn im Juli 2020 kann sich der Ablauf wie folgt darstellen, das Panzerpionierbataillon 701 in Gera ist hierbei lediglich beispielhaft ausgewählt; die Offizieranwärter der Pioniertruppe werden auch in anderen Pionierverbänden des Feldheeres ausgebildet. Nach dem Abschluss der Ausbildung für die Offiziere des Truppendienstes werden die Soldatinnen und Soldaten auf einem Dienstposten in ihrer Truppengattung eingesetzt. Innerhalb der ersten zwölf Monate ihrer Stehzeit auf dem Dienstposten ist dabei das Absolvieren des Lehrgangs „Führer einer auf sich gestellten Gruppe“ vorgesehen.

Für jeden Ausbildungsabschnitt ist ein Ziel vorgegeben, was der Führungsnachwuchs können soll.

Hoher Koordinierungsaufwand

Für die Neugestaltung der Ausbildung der Offiziere des Truppendienstes war ein hoher Koordinierungsaufwand nötig. Es galt, Absprachen mit zahlreichen Beteiligten und fachlich zuständigen Stellen zu führen, um den neuen Ablauf abzustimmen und zu fixieren. Letztlich waren in dem gesamten Prozess auch die Divisionen des Feldheeres, die Streitkräftebasis (SKB) sowie die Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum (CIR) von Beginn an eingebunden. Sie sind es, die nun ab Sommer 2020 mit der Durchführung der neugestalteten Ausbildung der Offiziere des Truppendienstes ab dem Tag des Dienstantritts beauftragt sein werden. Für das Heer bietet sich damit die Gelegenheit, die neuen Offiziere ab ihrem ersten Tag für den Alltag in der Truppe durch das Vermitteln von „Bildern“ und die Prägung der künftigen Führungsnachwuchskräfte von Anfang an zu begeistern.

Die Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter erleben während ihrer Ausbildung einen aufeinander abgestimmten Mix zwischen Truppenalltag und Ausbildung in der Ausbildungseinrichtung ihrer Truppengattung. Nach der Vermittlung von Kenntnissen folgt jeweils ein Abschnitt in der Truppe, wo Erlerntes als Führer, Erzieher und Ausbilder ebenengerecht angewendet wird. Die zukünftigen Offiziere des Heeres können sich weiterhin auf eine interessante, vielfältige und facettenreiche Ausbildung freuen – jetzt mit deutlich mehr Praxisanteilen sowie der vorgesehenen Truppengattungsbindung.

apf

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