Ghosthood entwickelt Tauch-Tarnanzug mit belgischen SOF

apf

31/05/2021

Die Idee entstand mehr aus Interesse und Hobby heraus. Gründer und Geschäftsführer Matthias Bürgin hat seinen militärischen Hintergrund in der Kommandokompanie in Nagold. Schon damals interessierte er sich für Tarnmuster und entwickelte eigene Entwürfe. Die Vorentwicklung des Urmusters von CONCAMO begann bereits 1992, mittlerweile blickt er auf eine 30-jährige Erfahrung im Tarnbereich zurück. Den ersten Schritt wagte er 2018 und präsentierte das Tarnmuster CONCAMO auf der IWA. Das Ziel war von Anfang an Produkte für professionelle Anwender zu entwickeln. 2019 kam dann die Marke Ghosthood dazu, mit der er Produkte für Spezialeinheiten entwickelt. Bereits heute werden polizeiliche und militärische Spezialeinheiten in Europa ausgestattet. Auch die Bundeswehr hat schon verschiedene Produkte beschafft und es laufen weitere Beschaffungsvorhaben. Der Fokus liegt auf den NATO-Nationen.

Heute werden Tarnmittel von der kleinen Handtarnung, Ausrüstungstarnung über (Scharfschützenanzüge) Ganzkörperanzüge, Netze, Rucksack-, Kajak- und Waffenüberwürfe bis hin zu Tarnmitteln für Fahrzeuge angeboten. Neben dem 8-Farb-Tarndruck liegt der Schwerpunkt der Produkte in der 3D-Tarnung. Intensiv wird derzeit an einer verbesserten Multispektraltarnung entwickelt. Matthias Bürgin: „Mit Ghosthood wollen wir keine Produkte kopieren, sondern neue Wege beschreiten und ein wichtiges Themengebiet ist eine funktionierende multispektrale Tarnung.“

Ghosthood bietet Tarnungen für Fahrzeuge (Netze), personen und andere Ausrüstungsgegenstände. (Alle Fotos: Ghotshood)

Fast alle Anteile werden in Deutschland entwickelt und produziert. Nur Näharbeiten sind ins europäische Ausland ausgelagert worden. „Nur so kann Qualität entwickelt, produziert und kontrolliert werden. Es gibt nicht viele Firmen, die einen 8-Infrarotfarb-Gewebetarndruck oder 3D-Tarnung in einer so hohen Qualität herstellen können. Mit Ghosthood haben wir IRR-Tarnsysteme entwickelt, die leicht, kompakt und wirkungsvoll sind. Als Tarnmuster nutzen wir unsere Eigenentwicklung CONCAMO, diese basiert auf Erkenntnissen der Wahrnehmungspsychologie“, so der Geschäftsführer. Das Prinzip beschreibt er so: „Die Formen von CONCAMO sind der Natur nachempfunden. Es besteht aus 25 Ebenen, die übereinander angeordnet sind und dadurch eine chaotische Illusion erzeugen. Das Unterbewusstsein wird dadurch überfordert und erkennt darin natürliche Formen. So wird die Information an das Bewusstsein verzögert oder nicht weitergegeben.

Als Farbvarianten werden Green Generation 2, Brown Gen2 und Beige angeboten. CONCAMO Green ist das Universaltarnmuster der Tarn-Familie. Das Tarnmuster erreicht in einer weitreichenden Vielzahl von grün-braunen Gebieten eine gute bis sehr gute Tarnwirkung. Brown Gen2 wurde speziell für den europäischen und nordamerikanischen Herbst- und Winterwald, sowie für Trockengebiete mit einem erhöhten Rotanteil in der Umgebung entwickelt. Die Kontur des Nutzers wird selbst auf einer niedrig bewachsenen, trockenen Wiese effektiv verwischt und erreicht einen Tarneffekt, den man bisher nur von Ghillie-Suits kannte, so der Hersteller. Und Beige wurde speziell für Trockengebiete mit einem erhöhten Beigeanteil in der Umgebung entwickelt. Selbst im Gebirge sowie im urbanen Umfeld bewies sich das Muster als effektiv.

Neben dem Tarnanzug gibt es auch einen Überwurf für Kajaks. So sind die Fernspäher oder Kampfschwimmer immer bestens vor Aufklärung geschützt.

Der Hoodie-Überwurf gerade einmal 440 Gramm und ist so kompakt, dass er in die Beintasche passt. Oder ein Netz in der Größe 2,8×2,8 m wiegt nur 800 Gramm. Aufgrund der Auslegung mit den CFIX Schlaufen, können zusätzliche Tarnmittel wie Blätter oder Jute eingeknotet werden. Laut Hersteller erfolgt der Infrared Radiations (IRR)-Druck in Anlehnung an die Vorgaben (Technische Lieferbedingungen, TL) der Bundeswehr. Den Erfolg sieht Bürgin in der Kombination von IRR-Tarndruck und dem CONCOMO-Tarnmuster, die bei allen Sichtverhältnissen und bei Tag und Nacht ihre Schutzwirkung entfalten. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der multifunktionalen Ausrichtung der Produkte, damit man mit nur einem Produkt viele Anwendungen abdecken kann.

Social Media Post der Firma zur Erprobung zusammen mit den belgischen Spezialkräften.

Anzug für Kampfschwimmer

Die Neuheit ist ein Tarnüberwurf/-anzug für Kampfschwimmer und Taucher, auch Project Trident genannt. Dieser wurde zusammen mit vier Kampfschwimmereinheiten in Europa entwickelt, unter anderem Belgien. Er wird über dem Neopren getragen und ist extrem luft- und wasserdurchlässig. Daher wird der Taucher nicht eingeschränkt. Das Material wurden anschließend in Flüssen, Seen und an Küsten getestet, unter anderem in der Nord- und Ostsee sowie dem Mittelmeer. Alle Einheiten bestätigten, dass das Material gut zum Tauchen ist. Das Komplettpaket besteht aus dem Rebreather Camo und Diver Camo. Die Entwicklung dauerte rund ein Jahr, seit April 2021 wird die Serienproduktion an erste Kunden ausgeliefert, so der Hersteller. Der Anzug wiegt in der Universalgröße 580 gr, der Rebreather noch einmal 200 gr.

Das Komplettpaket besteht aus dem Taucheranzug und dem Überwurf für den Rebreather.

Matthias Bürgin: „Die Ghosthood Tauchertarnung bietet Einheiten eine effektive Möglichkeit sich sehr gut zu tarnen und das unabhängig von dem Tauchanzug. Die Tarnung im Wasser wurde von den Einheiten als das Beste bezeichnet, was sie kennen, im Wasser und an Land.“

Die Fotos zeigen noch Prototypen, bei der aktuellen Version wurde die 3D-Tarnung im Kopfbereich noch verbessert und es kam eine Tauchbrillentarnung dazu.

Alle Neuheiten werden dieses Jahr erstmals bei den TeutoDefence Behördentagen im September gezeigt.

Eindrücke der Tarnwirkung, nur Taucheranzug und mit Tarnanzug.

apf

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