wt-Live: Flutkatastrophe in Westdeutschland – „Bewaffnete Hausmeister“ in Ahrweiler gefordert

22/07/2021

Die in der vergangenen Woche über das Ahrtal und den Norden von Rheinland-Pfalz hereingebrochene Flutkatastrophe mit bislang mehr als 140 Toten und mehreren hundert Verletzten fordert die Bundeswehr heraus. Ganz schwer getroffen ist die Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Hier bietet sich ein Bild der Zerstörung. Zahlreiche Hilfsorganisationen, die Bundeswehr und Helfer:innen aus allen Lebensbereichen stehen mit unermesslichen Hilfeleistungen im tagelangen Einsatz. Die Bundeswehr ist mit zahlreichen Soldat:innen und schwerem Gerät vor Ort.

wt sprach heute Morgen mit dem Einsatzleiter, Hauptmann Carsten Buchholz, der mit seinen Kräften vom Spezialpionierregiment 164 (SpezPiRgt 164) aus Husum (Schleswig-Holstein) nach langer Marschfahrt von mehr als zwölf Stunden unweit des Süßwarenherstellers Haribo Quartier bezog. Von hier sind es nur wenige Kilometer in das von der Flut betroffene Gebiet. Hauptmann Buchholz lenkt von hier das Einsatzgeschehen mit großer Professionalität und mit den Erkenntnissen aus früheren Einsätzen. Das dem Logistikkommando der Bundeswehr (LogKdoBw) als Dienststelle der Streitkräftebasis (SKB) unterstellte Regiment ist mit Kräften seit April 2016 mit vielen Soldat:innen an der UN-Mission MINUSMA zur Stabilisierung des westafrikanischen Staates Mali beteiligt. Das Regiment stellt die stationäre Unterbringung von Kräften im Einsatz sicher. Hierbei erkunden, planen, bauen und betreiben die Kräfte Feldlager für die Unterbringung und Versorgung von Einsatzkräften, wenn die entsprechende Infrastruktur nicht vorhanden ist oder nicht in ausreichender Qualität zur Verfügung steht. In Ahrweiler stehen Hauptmann Buchholz hierzu 68 Kräfte mit IVECO-Transport-Lkw, Berge- und Kranfahrzeugen, DREHTAINER-Spezialcontainern, Beleuchtungsanlagen und weiterem pioniertechnischen Gerät zur Verfügung. Hauptmann Buchholz beschreibt den ad-hoc-Einsatz in Ahrweiler als eine der bislang größten Herausforderungen für seine Truppe. Aus Husum bringt die Truppe Gerät mit, das sich über viele Jahren bewährt hat.

Hauptmann Carsten Buchholz im „Kommandostand“

In Ahrweiler und anderswo entlang des Ahrtals ist die Zivil-Militärische Zusammenarbeit gefragt. Die Kräfte des Husumer SpezPiRgt 164 bringen hierfür die menschliche, technische und materielle Expertise mit, denn nur so gelingt das, was man sich schon vor dem Abmarsch ins Krisengebiet vor Augen führte. Hierbei kommt es auf eine gute und verlässliche Ausstattung an – von der persönlichen Schutzausstattung bis zu leistungsfähigen Lkw und Spezialcontainern für die Feldlagerversorgung. Denn jetzt zeige sich, dass manche Investitionen in pioniertechnisches Gerät der vergangenen Jahrzehnte durchgreifen konnten. Manche Spezialcontainer befänden sich, so Hauptmann Buchholz, bereits seit 21 Jahren oder mehr im bewährten Einsatz. Für Hauptmann Buchholz gilt: „Wenn wir das Material erhalten, was wir benötigen, dann können wir alles bewältigen.“ Gemeint sind hier auch die Kräfte der 8. Kompanie (Pipelinekompanie). Sie bringen entscheidendes Spezialwissen mit nach Ahrweiler. Diese Kräfte bauen und betreiben Feldtanklager und Pipelineanlagen und unterstützen so die Kräfte bei ihrer Hilfeleistung bei Naturkatastrophen wie die im Ahrtal. Dies erfolgt im Rahmen der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit. In anderen Bereichen gebe es jedoch weiterhin dringenden Handlungsbedarf, um, wie am Beispiel der Einsatzkleidung dargestellt, den gewünscht hohen Grad an Modernität und Verfügbarkeit im harten Einsatz gewährleisten zu können. Darauf kommt es an, wenn neue und plötzliche Einsatzlagen die Truppe fordern.

Stefan Nitschke / Ahrweiler

Die nach Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) entsandten Kräfte des Husumer SpezPiRgt 164 sind hoch spezialisiert auf die Planung, Errichtung und den Betrieb von Feldlagern, Feldtanklagern und Pipelines. (Alle Fotos: Stefan Nitschke)

Stefan Nitschke

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