AFCEA: Führung, Aufklärung, breitbandige Kommunikation sowie taktische Softwareprodukte aus einer Hand

apf

15/09/2021

Interview mit Daniel Lay, Head of Busienss Development DND-Digital.

wt: Mit Ende 2020 wurde das DND Portfolio um „DND-Digital“ erweitert. Welche Lösungen sollen durch diesen Bereich in Zukunft angeboten werden?

Lay: Im Verständnis, dass die Handlungsfähigkeit militärischer Kräfte zunehmend von digitalen Fähigkeiten bedingt ist, hat DND das eigene Leistungsportfolio 2020 um die Business Unit „DND-Digital“ ergänzt. Neben den klassischen Disziplinen von DND liegt der Schwerpunkt von DND-Digital in den Fähigkeitskategorien Führung und Aufklärung. Breitbandige Kommunikationsmittel sowie taktische Softwareprodukte definieren das neue Portfolio.

Ganz im Sinne der digitalen Konvergenz entwickelt und fertigt DND-Digital in Deutschland. Verbunden mit Partnerunternehmen im In- und Ausland beabsichtigt DND-Digital, sich als technologischer Pionier für die vernetzte, taktische Gefechtsführung unter Einbindung unbemannter Plattformen auf dem deutschen und europäischen Markt zu etablieren. Gleichzeitig gewährleistet DND-Digital die Zuverlässigkeit und Professionalität, für die DND weltweit bekannt ist und seit Jahrzehnten geschätzt wird.

Daniel Lay, Head of Business Development DND-Digital . (Alle Bilder: DND)

wt: Woher kommt der digitale Fähigkeitszuwachs bei DND? Sind es nur Anpassungen der Produkte des DND Mutterkonzerns Rafael Advanced Defence Systems, oder welche Kompetenz wird in Deutschland abrufbar sein?

Lay: Angesichts der sich verschärfenden sicherheitspolitischen Lage sowie der engen Grenzen der Gestaltungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten eigener Streitkräfte bedarf es einer Steigerung des Einsatzwertes durch Innovation und neue Lösungsansätze. Insbesondere sind Verfügbarkeit und zeitliche Bereitstellung von Informationen entscheidend für das Gewinnen der Führungsüberlegenheit über die gegnerischen Kräfte. DND hat diesen Impuls aufgenommen. Im Gegensatz zu etablierten Kommunikationsmitteln bietet DND-Digital mit dem BNET Software Defined Radio eine marktverfügbare, kostengünstige und zukunftsfähige Lösung für eine signifikante Fähigkeitssteigerung in der Domäne Führung an. Die dafür notwendige Technologie wurde von Rafael Advanced Defence Systems entwickelt und der Tochter DND mit allen Rechten überlassen. Das beinhaltet auch die Modifikation und Anpassung an deutsche Anforderungen sowie die lokale Produktion in Deutschland.

wt: Im Bereich Funkgeräte ist es vor allem die BNET-Familie. Was zeichnet diese besonders aus, oder macht sie besser als die Konkurrenz?

Lay: Die softwarebasierten Funkgeräte der BNET-Reihe von DND ermöglichen Datenraten von bis zu 100 MBit pro Sekunde. Je Gerät können so bis zu sechs Videos in HD-Qualität zeitgleich übertragen werden. Hinsichtlich der realisierbaren Datenübertagungsraten sind BNET Funkgeräte dadurch mit zivil genutzten Standards wie 4G vergleichbar und versorgen die Truppe im Big Data Battlespace sprichwörtlich mit der notwendigen Breitbandkommunikation.

Durch die patentierte Multi-Channel-Reception Technologie können BNET Funkgeräte parallel Frequenzen im Bandspektrum von VHF über UHF bis hinein in das S-Band empfangen und senden. Durch diese Fähigkeit erweist sich das BNET als besonders geeignet für Contested Environments. Durch eine in den Geräten integrierte Analyse werden gestörte Frequenzen gefiltert und in der Folge können die BNET Funkgeräte die Kommunikation ausschließlich auf freien Frequenzen sicherstellen. In einem Test der WTD 81 wurde den BNET Funkgeräten eine überragende Leistung attestiert.

Mit Datenraten von bis zu 100 MBit/s versorgen BNET SDR die Truppe mit Breitband im Big Data Battlespace.

Hinzu kommt, dass aktuelle Funknetze nur wenige Teilnehmer aufnehmen können. Daher sind mehrere Funkkreise erforderlich, um sämtliche Teilnehmer einer Kommunikationsbeziehung miteinander zu verbinden. Das führt zu Zweit- und Drittausstattung an Funkgeräten sowie manueller Aufbereitung von Daten, die von einem Funkkreis in einen anderen übertagen werden müssen. Dieses Vorgehen ist kostenintensiv und erfordert ein Mehr an Personal für Pflege, Administration und Ausbildung. Zudem werden das Tempo der Datenübertragung gemindert, Risiken durch Bottlenecks geschaffen und damit im Ergebnis die eigene Führungsfähigkeit erheblich geschwächt.

BNET Funkgeräte hingegen substituieren mehrere Funkgeräte und können bis über die Bataillonsebene hinaus die Teilnehmer in nur einem Funknetz (MANET) abdecken. Damit wird der Aufwand an Administration sowie Personal deutlich gesenkt und es ist nur in Funkgerät pro Plattform ausreichend anstelle der Multifunkgerätausstattung heutiger Fahrzeugplattformen.

wt: In welchem Bereich kann das Feuerleitungsnetzwerk Fire-Weaver der Bundeswehr neue Fähigkeiten verleihen?

Lay: Mit dem System FIRE WEAVER bieten wir eine marktverfügbare Lösung für einen Sensor- und Wirkungsverbund an, die bereits durch koalierte Streitkräfte für die Koordinierung von Joint Operations eingesetzt wird. Dieses einzigartige System visualisiert die Zielinformationen in den Ziel- und Beobachtungsvorrichtungen vernetzter Waffensysteme und steigert neben der Verkürzung von Wirkketten auf den Sekundenbereich damit auch die Situational Awareness der beteiligten Truppe ganz erheblich.

FIRE WEAVER ermöglicht schnelle Wirkketten von Aufklärung über Wirkung bis zum Battle Damage Assessment.

Die intelligenten, prädiktiven Verfahren zur Bekämpfung mobiler oder zeitkritischer Ziele und die Koordinierung eigener Kräfte zeigen den besonderen Mehrwert des FIRE WEAVER auf. Als Sensor-to-Decider System ermöglicht FIRE WEAVER bislang unerreichte Leistungen hinsichtlich Präzision und operativem Tempo. FIRE WEAVER unterstützt die Truppe, Informations- und Wirkungsüberlegenheit zu erreichen und gleichzeitig den unbeabsichtigten Beschuss eigener Kräfte und Unbeteiligter zu vermeiden.

Die Verteilung und Auslösung der Effektoren kann dabei jederzeit durch die Feuerleitung gesteuert und geführt werden. Damit behält der man-in-the-loop die Kontrolle. FIRE WEAVER ist damit vor allem auch ein System zur Erhöhung der Sicherheit für die eigene Truppe und Unbeteiligte. Die Algorithmen von FIRE WEAVER berücksichtigen für die Feuerleitung.

Anhand einstellbarer Parameter versorgt Fire Weaver die Teilnehmer eines Kräfteverbunds automatisiert nur mit den jeweils relevanten Informationen, identifiziert mögliche Feuerstreifen sowie Feuerverbotszonen und errechnet Sicherheitsabstände zu eigenen Kräften in Echtzeit. Indem die Parameter individuell an die jeweiligen Rules of Engagement angepasst werden können, ist in Verbindung mit weiteren Sicherungssystemen gewährleistet, dass die Bekämpfung von Zielen zu jedem Zeitpunkt innerhalb vorgegebener Regeln stattfindet und Entscheidungen über einen Waffeneinsatz nicht ohne den man-in-the-loop getroffen werden können.

Mit Blick auf die streitkräftegemeinsame taktische Feuerunterstützung (STF) kann durch eine Integration von FIRE WEAVER mit dem bewährten System ADLER darüber hinaus ein umfassender Ansatz für direktes und indirektes Feuer integrations- und risikoarm umgesetzt werden und damit wesentliche Forderungen aus dem Programm Mobile taktische Informationsverarbeitung (MoTIV) auf Basis der D-LBO Architektur erfüllt werden.

Links: Sicht eines Beobachters aus Position A, der ein Ziel im Beobachtungsbereich markiert; Rechts: Sicht eines Richtschützen auf denselben Beobachtungsbereich aus anderem Winkel mit augmentierter Lage in der Waffenoptik.

wt: Welche besonderen Fähigkeiten bietet DND-Digital im Bereich Unbemannte Systeme? Welche Vision verfolgt DND-Digital im Hinblick auf zukünftige Entwicklung und Nutzung von UAS.

Lay: Wir verstehen uns als Systemhaus für Unbemannte Systeme und verfolgen die Vision von UAV-gestützten Operationen. Mit der Nano-Version unserer BNET-Funkgerätefamilie können wir neue und in Nutzung befindliche UAV in Sensor-Effektor-Ketten integrieren, indem die Sensordaten auch über die Bodenkontrollstation hinaus geteilt werden können.


Die von FIRE WEAVER verwendete Bilderkennungsalgorithmik ermöglicht zudem die Identifizierung von eigenen und feindlichen Kräften nicht nur aus flachen Winkeln, sondern auch aus der Luft-Boden-Perspektive. Somit ist FIRE WEAVER auch für UAV-basierte Operationen ideal geeignet, wie bereits in der deutschen F&T Studie „Erzeugung eines gläsernen Gefechtsfeldes (ErzUntGlas)“.

Für die Analyse der absehbar immensen Masse an Sensordaten aus den unterschiedlichsten Quellen, an deren Erzeugung UAV ganz wesentlich beteiligt sein werden, bieten wir mit ImiLite darüber hinaus das Tool für die KI-gestützte und sensorübergreifende Analyse dieser Daten auch auf taktischer Ebene. Dadurch lässt sich ein tatsächlich greifbarer Mehrwert auch für bereits genutzte UAV umsetzen.

Die ImiLite Tactical Station analysiert Multisensordaten und produziert anhand einstellbarer Parameter Actionable Intelligence für die Truppe.

wt: Werden die neuen digitalen Kompetenzen auch zu Anpassungen und Weiterentwicklungen bei den Bestandsprodukten wie den schultergestützten Waffen oder dem Reaktivschutz führen?

Lay: Selbstverständlich ergeben sich Synergien aus den Entwicklungen in beiden Sparten von DND. Auch wenn derzeit noch keine konkreten Projekte geplant sind, sehen wir hier durchaus Potential. Lassen Sie sich überraschen!  

wt: Wie sieht der Zeitplan zum Aufwuchs von DND-Digital aus? Wann ist Full Operational Capability erreicht?

Lay: Aktuell sind in der Sparte DND-Digital bereits 13 Beschäftige an den Standorten Berlin und Leipzig angestellt, vorwiegend Programmierer und Softwareentwickler. Damit haben wir unsere Anfangsbefähigung erreicht.

Unser Ziel ist es, bis zum Jahresende 2021 auf 24 Beschäftige zu kommen und im Jahr 2022 mit 40 Beschäftigten unsere mittelfristig avisierte Sollstärke zu erreichen.

wt: Wird DND-Digital sich nur auf den deutschen Kunden konzentrieren, oder haben Sie auch die Nachbarländer in Europa als Absatzmöglichkeiten im Blick?

Lay: Unser Fokus liegt klar auf Bundeswehr als wichtigstem Nutzer von Hochtechnologie in Europa und damit Deutschland bedeutender NATO-Rahmennation. Darüber hinaus haben wir auch die Niederlande und Ungarn im Blick und verfolgen Beschaffungsvorhaben auf europäischer Ebene.

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