„Dominanz von Landstreitkräften im Full Spectrum Warfare”

apf

19/01/2022

Interview mit Daniel Lay, Head of Business Development DND-Digital.

wt: Kürzlich hat das Heer auf einem FKH-Symposium noch einmal klargestellt, dass die Digitalisierung und Vernetzung, und damit die Führungsfähigkeit, die oberste Priorisierung hat. Neben Funkgeräten werden auch Battle-Management-Systeme und vieles andere benötigt. Was kann DND Digital aus seinem Portfolio hier anbieten?

Lay: Es ist richtig und überfällig, dass der Führungsfähigkeit diese Priorität eingeräumt wird. Durch konsequente Modernisierung und die Nutzung neuester Technologien im Bereich der Führungsfähigkeit könnte die Bundeswehr eine digitale Überlegenheit für Auseinandersetzungen mit Peer-Adversaries aufbauen, die mit herkömmlichen Wirkmitteln wohl nicht erreichbar zu sein scheint.

DND-Digital bietet Lösungen zur Bereitstellung breitbandiger Kommunikation mit intelligenten Softwaresystemen wie zum Beispiel Sensor-to-Decider- bzw. automatisierten Sensor- und Wirkungsverbünden an.

Damit leistet DND-Digital einen Beitrag für die Dominanz von Landstreitkräften im Full Spectrum Warfare oder, noch plakativer, in genau jenem Big Data Battlespace, zu dem sich das Gefechtsfeld mit Blick auf aktuelle Konflikte derzeit rasant hin entwickelt.

Im Bereich der taktischen Kommunikation bieten wir mit der BNET-SDR Plattform marktverfügbare und global erprobte Breitband-Netzwerkplattformen, die größtmögliche Interoperabilität erlauben und mit extrem hohen Datenraten und einer ganz neuen MANET-Dimension eine starke Basis für die taktische Kollaboration in Echtzeit darstellen.

Als Lösung für die taktische Kollaboration bietet DND-Digital mit dem Fire Weaver Sensor-to-Decider- Verbund ein marktverfügbares Feuerleitsystem, das Sensoren, Effektoren und Gefechtsstände plattformübergreifend und in Echtzeit intelligent miteinander in Verbindung setzt.

Daniel Lay, Head of Business Development DND-Digital . (Alle Fotos: DND Digital)

wt: Wo sehen Sie für Ihre Lösungen und Services ganz konkret Projekte im Heer und der Bundeswehr.

Lay: Resiliente Breitbandkommunikation und Sensor-/Effektorvernetzung sind in allen Domänen der Schlüssel zur Umsetzung von taktischen Aktivitäten, weshalb wir derzeit auch den Fokus auf das Vergabeverfahren zum Führungsfunk richten.

Die Bundeswehr hat im Rahmen des laufenden Vergabeverfahrens für den Führungsfunk die Möglichkeit, eine neue Generation von Funkgeräten einzuführen, die in der Lage sind, nicht nur bruchfreie und interoperable Kommunikation zu gewährleisten, sondern sprichwörtlich die Informationsüberlegenheit deutscher Streitkräfte im Full Spectrum Warfare sicherzustellen. Die BNET SDR eignen sich aufgrund ihrer einzigartigen Technologie ideal für die Erreichung dieses Ziels.

Sowohl die BNET SDR als auch der Fire Weaver Sensor- und Wirkungsverbund werden seit Beginn des Projekts „Erzeugung eines gläsernen Gefechtsfelds (ErzUntGlas)“ erfolgreich in diesem Bundeswehr-Projekt eingesetzt und stellen dort den Kern der technologischen Basis.

Darüber hinaus unterstützt DND-Digital die Bundeswehr bei der Konzeption des Taktischen Datenmanagementsystems im Projekt Informationsraum Bataillon, um die Kommunikation für Landbasierte Operationen so zu gestalten, dass Informationen echtzeitnah in einem resilienten Netzwerk unter allen Nutzern ausgetauscht werden können.

Aber auch neben der Digitalisierung im Heer gibt es eine ganze Fülle an Vorhaben, denen wir mit unseren Lösungen Fortschritte ermöglichen wollen, und zwar in allen Domänen.

So ist DND-Digital im Projekt FCAS an der Studie für den taktischen Datenlink des Remote Carriers beteiligt und erstellt zudem gemeinsam mit dem Kommando Territoriale Aufgaben und dem Planungsamt der Bundeswehr die Architektur für die Digitalisierung der Truppenübungsplätze, auch eine große Aufgabe.

BNET-Familie und der Aufbau eines mordernen, resilienten Netzwerks.

wt: Sie wollen für das Projekt D-LBO-Führungsfunkgeräten ihre angepasste Software Defined Radios (SDR) der BNET-Serie anbieten. Wo sehen Sie hier die Vorteile ihrer Lösung gegenüber der Konkurrenz.

Lay: Die BNET SDR basieren auf der einzigartigen Multi-Channel-Reception Technologie, die große Vorteile in mindestens drei Bereichen mit sich bringt. So schaffen die BNET SDR extrem hohe Datenraten von bis zu 100Mbit/s, womit sie je Gerät bis zu sechs Videos in HD-Qualität übertragen können. Mit dieser Technologie können BNET SDR gleichzeitig Video-, Sprach- und Daten in einem vorgegebenen Frequenzspektrum empfangen und senden und nicht nur individuell auf einzelnen Frequenzen.

Darüber hinaus ermöglichen BNET SDR sehr große und resiliente Mesh Ad-Hoc Netzwerke (MANET) mit mehreren hundert Teilnehmern. In einem Großversuch in Kooperation mit einem etablierten Partner der Bundeswehr für verlegefähige Netze bewiesen die BNET SDR jüngst ihre Leistungsfähigkeit und unterhielten ein resilientes MANET mit über 250 Teilnehmern unter Gefechtsbedingungen in realem Gelände. Auch wenn die Technologie in der Theorie noch deutlich größere Netze zulässt, war bereits dieses MANET um Faktoren größer als bisher bekannte MANET. Es handelt sich dabei also tatsächlich um eine kleine Sensation.

Mit dieser neuen Dimension der MANET-Fähigkeit lassen BNET SDR auch die bisherigen Engstellen in der Kommunikation der Vergangenheit angehören. Einzelne Führungsfunkgeräte, die als Knoten funktionieren und in der hierarchischen Struktur der aktuellen Funkkommunikation unnötige Schwachstellen darstellen, existieren damit nicht mehr.

Schließlich gehen die extremen Leistungsdaten bei Datenübertragung und MANET-Fähigkeit einher mit einer besonders ausgeprägten Resilienz gegenüber Angriffen im elektromagnetischen Spektrum. Denn mit dem integrierten Spektrumanalysator filtern die Geräte permanent das zur Verfügung stehende Frequenzspektrum und kommunizieren nur in denjenigen Frequenzbereichen, die nicht durch den Gegner gestört werden.

BNET Nano.

wt: Die Multi-Channel-Reception Technologie scheint eine Herausforderung für das Frequenzmanagement der Bundeswehr zu sein. Wie wird sichergestellt, dass diese Technologie auch genutzt werden kann?

Lay: BNET SDR sind mit ihrer einzigartigen Technologie aus zwei Gründen keine Herausforderung für das Frequenzmanagement, ganz im Gegenteil: Erstens können die Nutzer über das intuitive Netzwerk-Management-System (BNET NMS) den für ihre Einheiten und Verbände zur Verfügung stehenden Frequenzbereich festlegen und damit die Vorgaben einhalten. Zweitens wird die Multi-Channel-Reception Technologie ergänzt um eine dynamische Spektrumallokation, welche die im Frequenzband verfügbaren Frequenzen den einzelnen Entitäten je nach feindlichen EloKa-Maßnahmen und eigener Auslastung dynamisch zuteilt.

In der Realität ist die Multi-Channel-Reception Technologie damit tatsächlich eine echte Hilfe für die Umsetzung der Vorgaben des Frequenzmanagements durch die Bundeswehr. Unabhängig davon, dass die Vorgaben des Frequenzmanagements bereits im Frieden eingehalten werden müssen, sind die BNET SDR in der Lage, die Kommunikation in LV-/BV-Szenarien zu gewährleisten, in welchen die Anforderungen der Bundeswehr an ein robustes und störsicheres Kommunikationsmittel Vorrang haben.

Fire Weaver Sensor- und Wirkungsverbund ist ein System zur Automatisierung der Feuerleitung unter menschlichem Feuervorbehalt.

wt: Bei der Digitalisierung geht es auch um Geschwindigkeit, gerade im Sensor-to-Shooter Cycle. Wo kann DND Digital hier Verbesserungen bieten?

Lay: Der Fire Weaver Sensor- und Wirkungsverbund ist ein System zur Automatisierung der Feuerleitung unter menschlichem Feuervorbehalt. Das System integriert Sensoren und Effektoren ganzer Kräftedispositive und ermöglicht die taktische Kollaboration in Echtzeit. Dazu vermittelt Fire Weaver Zieldaten und -beschreibungen unter allen vernetzten Sensoren und Effektoren und augmentiert die Zielinformationen in den Waffenoptiken. Damit entfallen insbesondere lange Zielansprachen, da für jeden Beobachter und Schützen mit Blick durch die Optik sofort klar wird, wo genau sich das zu bekämpfende Ziel befindet.

Neben diesem ergonomischen Vorteil für jeden einzelnen Schützen und Beobachter im Sensor- und Wirkungsverbund unterstützen leistungsfähige Algorithmen die Feuerleitung dabei, für individuelle Ziele jeweils die idealen Wirkmittel für die Bekämpfung zu bestimmen. Mussten Entscheidungen in der Feuerleitung bisher oft intuitiv getroffen werden, unterstützt Fire Weaver den Menschen mit der Auswertung verfügbarer Daten, bspw. Zielart und -entfernung, Sicherheitsabstände und verfügbaren Wirkmitteln.

Schließlich handelt es sich bei Fire Weaver nicht um eine autonom agierende künstliche Intelligenz, sondern um ein KI-gestütztes System, dass jede Feuerentscheidung unter menschlichen Vorbehalt stellt. Damit erhöht Fire Weaver die Sicherheit für die eigene Truppe und für Unbeteiligte, ohne dass der Mensch die Kontrolle aus der Hand gibt.

wt: DND Digital gehört zur israelischen Mutter Rafael. Welche Fähigkeiten und Kapazitäten werden in Deutschland konkret geboten?

Lay: Ganz im Sinne der digitalen Konvergenz entwickelt und fertigt DND-Digital in Deutschland. Verbunden mit starken europäischen Partnerunternehmen beabsichtigt DND-Digital, sich als technologischer Pionier für vernetzte, taktische Gefechtsführung unter Einbindung unbemannter Plattformen auf dem deutschen und europäischen Markt zu etablieren.
Die Roadmap zur Erreichung dieses Ziels steht und befindet sich in der Umsetzung:

Die Fire Weaver Software wird an unserem Standort Leipzig für den europäischen Markt weiterentwickelt. Mit der Wellenformentwicklung an unserem Standort Berlin passen wir die BNET SDR für den europäischen Markt an. Demnächst werden wir unser Center of Excellence für MIMO Architekturen in Berlin eröffnen, während parallel die Produktionslinie kurz davorsteht, mit der Produktion der ersten BNET Geräte für europäische Kunden zu beginnen.

Einbindung von taktischen UAVs in ein digitales Gesamtsystem.

wt: Sie sind auch im Bereich Unbemannte Systeme aktiv, was bieten Sie hier und welche Kombination mit der Digitalisierung gibt es hier?

Lay: Im Rahmen des aktuellen Vergabeverfahrens zur Regeneration von MIKADO bieten wir Mikro-UAS gemeinsam mit dem Partner an, der jüngst vom israelischen Heer mit der Lieferung ihrer taktischen Mikro-UAS beauftragt worden ist. Das modulare Konzept und die offene Architektur zur Nutzung unterschiedlicher Payloads und Datenlinks dieser Mikro-UAS ermöglichen die Vernetzung in Sensor-und Wirkungsverbünden. Dadurch erfüllen die von uns angebotenen Mikro-UAS nicht nur aktuelle MIKADO-Anforderungen, sondern verhelfen dem System MIKADO zu einer aussichtsreichen Zukunftsperspektive.

Hinter unserem Engagement im Bereich unbemannter Systeme steckt die Erkenntnis, dass landbasierte Operationen zukünftig noch viel stärker als heute UAV-basiert sein werden. Diese Entwicklung lässt sich in allen aktuellen Konflikten von der Ost-Ukraine über Bergkarabach und Syrien bis nach Libyen und die Auseinandersetzungen im südchinesischen Meer feststellen. Die Vernetzung von luftgestützten Sensoren und bodengebundenen Effektoren ist auf besonders resiliente MANET Kommunikation in contested environments angewiesen. Mit unserem BNET in der Nano Variante bieten wir dafür das passende SDR, das sämtliche Vorteile der BNET SDR für die Verwendung in unbemannten Systemen nutzbar macht.

Link zum BNET Video: https://dn-defence.com/wp-content/uploads/2021/09/BNET_01HD720p.mp4

apf

Ähnliche Artikel

Nordkoreanische Hacker attackieren Ziele in der EU

Nordkoreanische Hacker attackieren Ziele in der EU

Sicherheitsforscher von Securonix haben eine neue Hacking-Kampagne entdeckt, die sich gegen Ziele in mehreren EU-Ländern richtet und offenbar auf nordkoreanische Hacker zurückzuführen ist. Forscher des Cybersicherheitsunternehmens Securonix haben eine neue...

$( document ).ready(function() { $('input.et_pb_searchsubmit').val('Suche'); });