Enforce Tac: Geschützte Mobilität von ACS

01/03/2022

Die geschützte Fahrzeugtechnik stellt sich in den 2020er Jahren neuen Herausforderungen. Die neuesten geschützten Fahrzeugplattformen der ACS Armoured Car Systems GmbH (Stand: 12-305) sollen die widersprüchlichen Anforderungen in den Bereichen Mobilität, Modularität, Schutz und Nutzlast überbrücken. Wir sprachen mit Sebastian Schaubeck. Er wurde am 1. Januar 2021 zum weiteren Geschäftsführer von ACS ernannt.

wt: Das Flaggschiff der geschützten Missionsfahrzeuge von ACS, die ENOK-Familie, ist in verschiedenen Versionen mit unterschiedlichem integrierten ballistischen und Minenschutz erhältlich und bietet eine ausgewogene Kombination aus Mobilität, Schutz und Nutzlast. Sehen Sie weitere Möglichkeiten für dieses Produkt in Europa?

Schaubeck: Unser ENOK-Portfolio passt zu den Anforderungen der “leichten Landstreitkräfte”. Daher sehen wir auch Potenzial in ganz Europa, nicht nur in Deutschland. Wir sind in Gesprächen mit anderen NATO-Staaten bezüglich unserer ENOKs. Unser Ansatz – OEM-Fahrgestell + kundenspezifischer Aufbau – bietet uns ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis inklusive der Anpassung an die Anforderungen des Kunden.

Sebastian Schubeck.

wt: ACS setzt mit seiner ENOK-Familie Maßstäbe. Was sind einige der größten Herausforderungen für die Ingenieure bei der Auswahl und dem Einbau der neuesten Schutzmaterialien und Schutzkits in die Fahrzeuge?

Schaubeck: Ich denke, die Herausforderungen haben sich nicht so sehr verändert. Schutz ist notwendig, aber er kostet Geld und Nutzlast. Aus unserer Sicht wird der Schutz also immer ein Kompromiss in den Fahrzeugkonzepten sein. Die Anforderungen an die Nutzlast steigen überall. Unsere Antwort auf diese Ausbreitung ist “Modularität”.

wt: Setzen die Kunden vielleicht Standards, die zu schwer zu erfüllen sind?

Schaubeck: Wir haben viel Verständnis für die Verteidigungsministerien. Es ist wirklich eine komplexe Aufgabe, eine Ausschreibung vorzubereiten und dann auszuführen und über alle Möglichkeiten nachzudenken, was passieren kann und wird. Wir sehen eine Menge Ausschreibungen mit unrealistischen Anforderungen. Es gibt ein paar ‘ loose cannons ‘, die auf diese Ausschreibungen antworten können. Aber die meisten dieser Projekte scheitern. Entweder steigen die Kosten massiv an, die Zeit läuft davon oder der Nutzer bekommt nicht das, was er zu bekommen glaubt. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Projekte mit einem sehr pragmatischen Ansatz. In diesem Fall darf die Industrie den Kunden nicht im Stich lassen. In jedem Fall versuchen wir, so transparent wie möglich zu kommunizieren, um ein klares Erwartungsmanagement zu ermöglichen.

wt: Ganz allgemein: Wie wird sich die Technologie der geschützten Fahrzeuge bis 2028 oder so verändert haben?

Schaubeck: Um ehrlich zu sein, erwarte ich nicht allzu viel Veränderung in unserem Segment. Große Veränderungen sind möglich, aber COVID wird jedes Budget vernünftig gestalten. Ich erwarte also keine großen Veränderungen. Wenn es Projekte mit größeren Mengen gibt, wird der Schutz optimiert, aber wir sehen keine revolutionäre Technologie, die sich durchsetzt.

Das ENOK AB (airborne) entspricht den Anforderungen der modernen Spezialeinheiten. (Alle Fotos: ACS)

wt: Wie sehen denn die nächsten fünf Jahre für ACS aus?

Schaubeck: Wir sind dabei, unser Portfolio zu verbreitern. Wir wollen ein kompetenter Partner für “leichte Landstreitkräfte” werden. Dazu gehören Mobilitätslösungen auf zwei Rädern, aber auch auf vier Rädern. Wir wollen Lösungen von 100 kg bis zu 10.000 kg zulässigem Gesamtgewicht anbieten. Unser hochmodulares ENOK AB (airborne) wurde bereits von drei europäischen Nationen ausgewählt und wir sind in Gesprächen mit weiteren Nationen. Ein geschützter ENOK AB befindet sich derzeit in der Entwicklung und wir planen, den Prototyp noch in diesem Jahr zu testen. Die Fahrzeuge in der 4- bis 9-Tonnen-Klasse werden unser Hauptaugenmerk bleiben.

wt: Ein anderes Segment, die E-Mobilität, wird durch neue Marktteilnehmer immer stärker besetzt. Was halten Sie von dieser Entwicklung und wie läuft die Zusammenarbeit von ACS mit der französischen Firma Electric Motion bei der Vermarktung des EMU E-Bikes?

Schaubeck: Wir sind überzeugt, dass die Preisgestaltung ein wichtiges Thema sein wird, daher brauchen wir eine zivile Basis. Wir sind auch davon überzeugt, dass wir als ACS nicht alles selbst machen können. Electric Motion ist ein absoluter Experte für Trial-Bikes. Sie bauen hervorragende Produkte, ACS übernimmt den Vertrieb für Deutschland, Österreich, die Schweiz und die Niederlande und ‘militarisiert’ die Räder. Das EMU-Bike wird seit Monaten von der Bundeswehr und der Polizei getestet. Das Feedback ist hervorragend. Wir verhandeln derzeit über erste Aufträge.

Interview: Stefan Nitschke

Stefan Nitschke

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