Fliegende Banane, die NORA und der Kraftkarren oder – von der NORATLAS zum STH

14/04/2022

Mit Blick auf die anstehende Entscheidung für den Schweren Transporthubschrauber (STH), Nachfolger der CH53G-Familie lässt der Autor die Epochen der Mobilität der Luftlandekräfte der Bundeswehr in einer knappen Übersicht Revue passieren.

In diesem Artikel ist die Zeit beginnend mit der Gründung der Bundeswehr in drei Epochen unterteilt. Diese Zeiträume und Daten sind als circa Werte formuliert. Der Übergang der Systeme war fließend, zeitweise wurden die jeweiligen Vorgänger- und Nachfolgemodelle parallel betrieben, wie im Nebeneinander der H-21 und der CH53 gezeigt wird.

Die fliegende “Banane” H-21 und der damals “neue” CH53. (Foto: Bundeswehr)

Transporthubschrauber im Kontext der Hubschraubergeschichte

Der erste Hubschrauber, der- zumindest aus heutiger Sicht – den Anspruch erheben kann ein Transporthubschrauber zu sein war die Focke-Achgelis Fa 223, ein Doppelrotorhubschrauber mit transversaler Rotoranordnung und einer Nutzlast von circa 1.100 kg.

Der erste Tandemhubschrauber jedoch war der PIASECKI HRP (Bild) aus welchem die H 21 entwickelt wurde, welche als „Fliegende Banane“ in die Geschichte der Hubschrauber eingegangen ist.

Der erste „Hubschrauberkrieg“ war entgegen der allgemeinen Wahrnehmung nicht der Vietnam- sondern der französische Algerienkrieg in den Jahren 1954 -62. Insgesamt 132 H-21 wurden von Frankreich für Heer und Marine beschafft, 108 der Hubschrauber in Algerien eingesetzt.

Schon damals war der Außenlast-Transport ein wichtiges Thema. (Foto: Bundeswehr)

Gründung der Bundeswehr bis Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre

Die neu gegründete Bundeswehr beschaffte für die damaligen Heeresfliegerbataillone ab 1957 32 der „Fliegenden Bananen“ und hielt diese bis 1972 in Nutzung. Der 1,425 PS/1,063 kW starke 9 Zylinder Kolbenmotor hat die beiden gegenläufigen Rotoren über Kardanwellen angetrieben und eine Nutzlast von circa 2.800 kg ermöglicht und konnte so 20 ausgerüstete Fallschirmjäger mit einer Spitzengeschwindigkeit von ca. 170 km über eine Distanz von circa 400 km transportieren.

Die Luftwaffe nutzte für Transportaufgaben die französische NORATLAS. Im Zeitraum von 1958 – 1971 waren 186 Maschinen in Nutzung. Die NORA mit 6-Mann Besatzung hatte eine Nutzlast von circa 7.500 kg und konnte bei einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 400 km/h bis zu 3.000 km zurücklegen.

Von Beginn an Bestand die Notwendigkeit die Fallschirmjägertruppe nach der Landung ein taktisch notwendiges Maß an Mobilität zu verleihen. Die Wahl viel auf den LKW 0,25t MUNGA. Die gezeigte Variante mit der Rückstoßfreien Kanone 106 mm M40 konnte – je nach Munitionssorte gegen gepanzerte- oder gegen Weichziele eingesetzt werden.

Die NORATLAS an der  Luftlande-/Lufttransportschule in Altenstadt. (Foto: Bundeswehr)
LKW 0,25t MUNGA mit der rückstoßfreien Kanone 106 mm M40. (Foto: Bundeswehr9

Anfang der 70er bis zum Beginn des 21. Jahrhundert

Der Zulauf der 110 bestellten TRANSALL Maschinen hat 1968 begonnen. Die Besatzung konnte mit dem neuen Muster auf fünf Besatzungsmitglieder reduziert, die Nutzlast im Vergleich zur NORATLAS auf 16.000 kg mehr als verdoppelt werden. Konzipiert als Gefechtsfeldtransport war die Reichweite gegenüber der Vorgängerin drastisch, auf 1.200 km reduziert worden.

Die TRANSALL war für Jahrzehnte das Rückgrat der Bundeswehr beim Lufttransport. (Foto: Bundeswehr9

Im Juli 1972 begann die Einführung der CH53G. Von den damals bestellten 112 Maschinen fliegen nach einer Vielzahl von Kampfwertsteigerungen heute noch etwa 70 Maschinen. Eine klare Verbesserung war die Heckrampe. Schnelleres Ein- und Aussteigen der Infanteristen sowie Innenlastfähigkeit für Fahrzeuge und palettierte Lasten waren damit möglich. Mit der CH53 können bis zu 36 Soldaten transportiert werden, nahezu doppelt so viele wie in der H-21.

Dieser Zuwachs an Leistungsfähigkeit war durch den Ersatz des Kolbentriebwerks durch zwei Turbinen möglich. Jetzt standen 7860 PS / 5780 Kw zur Verfügung.

Mit dem Zulauf des Urvaters aller Quads, dem KraKa (Kraftkarren) erhielt die Fallschirmjägertruppe das erste nur für deren Belange entwickelte Fahrzeug. Insgesamt wurde 862 KraKa geliefert und als Waffenträger MK20 und TOW, Träger Fernmelderüstsatz und zum Material- und Verwundetentransport eingesetzt. Anfang der 90er Jahre war der Nutzungszeitraum des KraKa beendet.

Die MK20 und TOW Varianten wurden durch den WIESEL 1 ersetzt. Später wurde der Verwundetentransport durch die San-Variante des WIESEL 2 übernommen. Um die Jägerzüge mobil zu machen wurden diese Anfang der 2000er Jahre mit dem ESK MUNGO (Einsatzfahrzeug spezialisierte Kräfte) ausgestattet.

WIESEL in der Variante SAN, dahinter ein ESK MUNGO. (Foto: Bundeswehr)

Durch den MUNGO haben die Fallschirmjäger einen immensen Fähigkeitsaufwuchs erfahren. Das Gruppenfahrzeug inklusive der kompletten Gruppe und deren Ausrüstung kann mit einem MTH als Innenlast transportiert werden.

Die Gruppe verfügt über ein teilweise gegen Handwaffenbeschuss und Schützenabwehrminen geschütztes Fahrzeug, welches durch den Planenaufbau und die Standheizungen auch als „Mutterschiff“ dienen kann.

Ungefähr 400 MUNGO wurden als Gruppen- und Mehrzweckfahrzeug (Wechselladesystem) beschafft. Der MUNGO3 als luftbewegliches ABC Spürfahrzeug ist in Zulauf. Etwa 400 MUNGO in 3 Varianten wurden beschafft.

Ab 2014 und die Zukunft

Mit der Übergabe des ersten A400M ATLAS im Dezember 2014 begann die Zukunft der Mobilität für die DSK. 37.000 kg Nutzlast, Platz für bis zu 114 Soldaten und eine Reichweite von 6930 km (bei 20t NL) werden den aktuellen sicherheitspolitischen Ambitionen der Bundesregierung gerecht.

Bereits im August 2021 konnte sich der A400M während der Evakuierungsoperation der DSK in Kabul bewähren.

Die Entscheidung ob die CH47F oder CH53K als Nachfolger der CH53 G ausgewählt wird steht noch aus und wird mit Spannung erwartet.

Die CH-53K von Sikorsky ist einer der beiden Kandidaten für das STH Projekt. (Foto: Sikorsky)
Die CH-47F Chinook, hier eine niederländische Maschine bei der DSK-Übung GREEN GRIFFIN, der andere Kandidat. (Foto: DSK)

Ähnliches gilt für den Nachfolger des Waffenträger WIESEL. Der Prototyp des LUWA (Luftbeweglicher   Waffenträger) befindet sich in der Erprobung. Die Entscheidung, ob und in welcher Konfiguration der LUWA den WIESEL ersetzen wird, steht noch aus.

Damit auch die Entscheidung ob die 20 mm Kanone beibehalten wird oder das für das Heer ungewohnte Kaliber 27 mm ausgewählt werden wird. Der in der Erprobung befindliche Turm des slowenischen Turmspezialisten VALHALLA ist so konfiguriert, dass die unterschiedlichsten Maschinenkanonen integriert werden können.

Im Zuge der Einführung des MUNGO war bereits Anfang des Jahrtausends eine Variantenvielfalt vorgesehen. Ob im Programm LLP (Luftlandeplattform) die geforderte Anzahl der Varianten zur Einführung kommt gilt es abzuwarten.

Links ein Kandidat für die Luftlandeplattform auf Basis des Mercedes-Benz G-Model, rechts der Gesamtdemonstrator als möglicher WIESEL-Nachfolger. (Foto: IABG/ACS/BAAINBw)

Luftlandelogistik

Die im Zuge des Angriffes auf die Ukraine erkannten eklatanten Fähigkeitslücken in der russischen Logistik im Zuge macht die Wichtigkeit der Versorgung deutlich, so dass ein spezielles Augenmerk auf die Entwicklung der Luftlandelogistik geworfen werden soll.

Während des Nutzungszeitraums der H-21 war nur das manuelle Beladen durch die beiden Seitentüren möglich. Wurden Außenlasten geflogen so standen in der Landezone keine Umschlagsysteme zur Verfügung.

Be- bzw- Umladung per Hand. (Foto: Bundeswehr)

Die Kombination des MUNGO2 Mehrzweck und der CH53 ermöglichen erstmals mit dem fahrzeuggebundenen Absetzkipper das Aufnehmen und Verbringen von palettierten Gütern ohne diese zu brechen. Die Nutzlast des MUNGO wird durch das Gewicht des Umschlagsystems von circa 2.000kg auf 1.300 kg reduziert.

Der vermehrte Einsatz des FLG CRAYLER von PALFINGER erhöht die Transport- und Umschlagleistung der LL-Versorgungskompanien, da der CRAYLER nicht an das Fahrzeug gebunden ist und deshalb genau dort eingesetzt werden kann wo er gebraucht wird.

Die Verfügbarkeit eines Systems wir z.B. dem CRAYLER reduziert sich nicht nur auf schnelleren Materialumschlag. Ein solch vielseitiges System ist zudem mit Hubschraubern wie NH90, PUMA, BLACKHAWK etc. als Außenlast zu fliegen. Es reduziert den Personalbedarf, ermöglicht den Betrieb eines FARPS oder kann bei Wartung- und Instandsetzung wertvolle Dienste leisten. Als Beispiel sei das Ziehen des WIESEL Triebwerkes genannt.

Der Palfinger CRAYLER beim Beladen eines Luftfahrzeuges. Dieses Hilfsmittel kam unter anderem bei der MilEvacOp in Kabul zum Einsatz. (Foto: Bundeswehr)

Den Stellenwert, welche die US-Streitkräfte der Luftlandelogistik einräumen lässt sich aus der Gliederung der 101. Airborne Division ableiten, welche mit der 101 Sustainment Brigade über eine Logistikkomponente in Brigadestärke verfügt.

Zusammengefasst darf gesagt werden, dass die Mobilität der Fallschirmtruppe ob in der Luft oder am Boden im Laufe der letzten 60 Jahre immense Fortschritte gemacht hat.

Ein MUNGO bei der Beladung einer CH-53. (Foto: Bundeswehr)

Autor: RL

Stefan Nitschke

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