„Die Bundeswehr hat sich ambitionierte Ziele gesetzt und arbeitet mit voller Kraft auf diese hin“

apf

05/06/2022

Gespräch mit Sven Trusch, Geschäftsführer der Systematic GmbH

Der Name Systematic steht für eine im globalen Maßstab führende Ressource für Führungsinformationssysteme und Lösungen für die militärische Nachrichtenübermittlung und Elektronische Kampfführung. Die Dimensionen Land, See und Luft profitieren hierbei von einer sich ständig weiterentwickelnden Software-Suite, die die Streitkräfte zukunftsfähig macht und insgesamt digitaler werden lässt. Das tut Not, denn die Bundeswehr wird ihre Landstreitkräfte auf ihrem Weg zum Heer 4.0 in die Lage versetzen, jedes Gerät, jedes Fahrzeug mit jedem anderen zu verknüpfen. Das Ergebnis ist ein noch besseres Lagebild für alle. Angepeilt ist das für das Jahr 2032. Die Rolle von datenzentrischen Führungsinformationssystemen gilt hierbei als herausfordernd, denn die Integration der Software erfolgt zunächst auf vorhandene Funkgeräte- und Führungsausstattungen. Geschäftsführer Sven Trusch zeigt sich im Dialog mit wt optimistisch, dass die Landstreitkräfte damit fit gemacht werden für ein Mehr an Dominanz auf dem Gefechtsfeld der Zukunft.

Sven Trusch, Geschäftsführer der Systematic GmbH

wt: Herr Trusch, wie ist der Sachstand der SitaWare-Produkte bei der Bundeswehr? Wie verbreitet ist die Nutzung bisher und welche Ihrer Lösungen werden in der Bundewehr genutzt?

Sven Trusch: Die Einführung der Produkte unserer SitaWare-Produktfamilie geht aktuell mit großen Schritten voran. Die Bundeswehr hat sich ambitionierte Ziele gesetzt und arbeitet mit voller Kraft auf diese hin. Das ist wirklich bemerkenswert und im Vergleich zu anderen europäischen Nationen auch in vielerlei Hinsicht beispielgebend. Blickt man gerade mal rund zehn Jahre zurück, gab es in 2011 die Anfänge im Zuge der deutschen Teilhabe am Afghan Mission Network [AMN], welche im späteren Verlauf auf die HaFIS IT-Plattform migriert wurde. Von diesem spezifischen Anwendungsfall aus wurden die SitaWare-Produkte mehr und mehr in die Breite eingeführt. Heute stehen SitaWare Headquarters, als interoperables Führungsinformationssystem, und SitaWare Frontline, als Battle Management System, einer Vielzahl von Nutzern als Mission Enabling Service Bundeswehr [MESBw] zur Verfügung. Ein Ende ist lange nicht in Sicht und so kommen ständig neue Anwendungsfälle und Nutzergruppen hinzu.

wt: Wie kann ich mir als Nutzer die Einführung von SitaWare – etwa auf Brigade-Ebene – vorstellen?

Sven Trusch: Die Einführung eines neues Führungsinformationssystems ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die das Zusammenspiel vieler Akteure erfordert. Insbesondere bei einer serviceorientierten Architektur, die mit dem MESBw seitens der Bundeswehr verfolgt wird. Auf den Gefechtsständen ist das noch relativ einfach, da die eingesetzte Technologie einen solchen Ansatz gut unterstützt. In den Gefechtsfahrzeugen wird es anspruchsvoller. Hier musste zunächst in viele Fahrzeuge eine geeignete Hardwareplattform eingerüstet werden. Neben den Hauptwaffensystemen sprechen wir ja auch über eine Vielzahl von Unterstützungsfahrzeugen, die in der Vergangenheit meist nur über Funkgeräte verfügten. Die Koordination der Umrüstung war und ist für die Bundeswehr eine Mammutaufgabe, die meiner Meinung nach aber bisher mit Bravour gemeistert wurde. In der weiteren Implementierung haben wir insbesondere im Bereich Ausbildung einen großen Beitrag geleistet. So wurden in den vergangenen zwei Jahren viele Ausbildungen in sechs unterschiedlichen Rollen durchgeführt. Die größte Herausforderung sehe ich aktuell noch in der Anpassung der Prozesse. Als Beispiel sei hier das Informationsmanagement genannt, welches sich mit Einführung moderner Führungssysteme grundlegend ändert, um auch einen spürbaren Mehrwert zu erzielen. Digitalisierung sollte schließlich kein Selbstzweck sein. Aber auch hier stehen wir der Bundeswehr beratend zur Seite und erarbeiten gemeinsam neue Konzepte.

SitaWare Frontline-Anwendung: Hier läuft sie auf einem gehärteten Tablet.

wt: Die SitaWare-Produkte werden ständig weiterentwickelt, aktuell auf SitaWare Frontline and Edge 3.2. Erhält automatisch jeder Nutzer die Updates, oder sind diese nur für Neukunden oder im Rahmen einer größeren Regeneration verfügbar?

Sven Trusch: Der große Vorteil in der Nutzung von Standardsoftware liegt in der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Produkte. Aktuell haben wir mehr als 40 Nutzernationen für unsere SitaWare-Produktfamilie, die gegenseitig von neuen Funktionalitäten oder sogar ganzen Fähigkeiten profitieren. Die Bundeswehr ist für uns eine der zentralen Nutzernationen und trägt damit auch wesentlich zur zukünftigen Ausrichtung der Produkte bei. Auch wenn wir den Streitkräften regelmäßig neue Versionen der Produkte bereitstellen, können diese nicht immer sofort übernommen werden. Im Rahmen des IT-Service Managements werden stets Abhängigkeiten zu anderen Komponenten und natürlich auch zu operationellen Erfordernissen geprüft, bevor diese in das Produktivsystem genommen werden. Wir unterstützen das unter anderem durch ein Beta-Test Programm, bei dem unsere Nutzernationen noch vor einem offiziellen Release die Möglichkeit zum Systemtest bekommen. Zusammenfassend kann man aber sagen, dass die Bundeswehr zurzeit mit aktuellen Versionen arbeitet und auch zukünftig nicht hinterher sein wird.

wt: Neu bieten Sie die SitaWare Aspire eTraining Lösung an. Was verbirgt sich dahinter und steht diese allen aktuellen Nutzern automatisch zur Verfügung?

Sven Trusch: Wie bereits erwähnt ist Ausbildung einer der wesentlichen Faktoren für eine erfolgreiche Implementierung von Führungssystemen. Heutzutage ist die Ausbildung der Nutzer noch personal-, zeit- und damit auch kostenintensiv. Wir haben uns überlegt, wie wir das verbessern können. Mit eLearning, in der Bundeswehr als Computerunterstütze Ausbildung [CUA] bekannt, gibt es hier schon seit vielen Jahren positive Erfahrungen. Für unsere Produkte existieren in der Bundeswehr auch bereits seit 2019 entsprechende eLearning Lektionen. SitaWare Aspire ist im Vergleich dazu aber nochmal ein wesentlicher Fortschritt. Es verschmelzt eLearning mit den realen Produkten und der Nutzer interagiert sowohl mit der Lernplattform als auch mit der Applikation zur gleichen Zeit. Damit wird die Effizienz der Ausbildung um ein Vielfaches gesteigert und die Nutzer können so in Ihrem eigenen Tempo an jedem Ort die Ausbildung durchlaufen. Trotz des großen Potenzials wird es die Präsenzausbildung nicht vollständig ersetzen können, aber in vielen Bereichen eine maßgebliche Ergänzung darstellen.

wt: Welche Neuheiten und Weiteentwicklungen können Sie uns schon heute verraten? Was können Ihre Kunden kurz- und mittelfristig erwarten?

Sven Trusch: Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung kommen fortlaufend neue oder verbesserte Funktionalitäten in die Produkte und wir stellen sicher, dass stets die neusten Standards, z. B. im Bereich der Interoperabilität, unterstützt werden. Blickt man zurück, so konnten wir beispielsweise SitaWare Headquarters um ein Maritime Add-On ergänzen, welches spezifische Funktionalitäten für die Dimension See bereitstellt. Damit wächst die Möglichkeit zur Herstellung eines durchgängigen Informationsverbundes erheblich. Mittelfristig orientieren wir uns zum einen an den Megatrends der IT aber auch an der Weiterentwicklung der IT-Plattformen unserer Nutzernationen. So ist es keine Überraschung, dass Themen wie künstliche Intelligenz, Big Data und Cloud Computing sehr hoch auf unserer Agenda stehen. Diese Technologien ermöglichen die Ergänzung unserer heutigen kartenzentrischen Führungsinformationssysteme um datenzentrische Systeme. Spezifische Nutzergruppen, wie zum Bespiel das militärische Nachrichtenwesen, werden im besonderen Maße von diesen Entwicklungen profitieren. Es bleibt also spannendend und wir werden auch zukünftig die Streitkräfte mit modernsten Führungssystemen versorgen können.

André Forkert

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