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Paul Schwichtenberg

Wenn Sekunden entscheiden

Die Leak Stop Gun: Ein innovatives System für die schnelle Leckabwehr

Ein harter Aufprall, ein struktureller Riss im Rumpf und plötzlich dringt Wasser mit enormem Druck in das Schiff ein. Für Besatzungen gehört der Wassereinbruch zu den gefährlichsten Szenarien überhaupt. In solchen Momenten entscheidet nicht nur Erfahrung, sondern vor allem eines: Zeit. Sekunden können darüber bestimmen, ob ein Leck beherrschbar bleibt oder sich zu einer schweren Havarie entwickelt.

Mit der Leak Stop Gun (LSG) steht Einsatzkräften heute ein Werkzeug zur Verfügung, das genau in diesen kritischen Momenten den Unterschied machen kann.

LSG 150 Foto: WT

Wenn klassische Leckabwehr an ihre Grenzen stößt

Die maritime Schadensabwehr basiert seit Jahrzehnten auf bewährten Methoden. Holzkeile, Leckstopfen, Lecksegel, Textilien oder Balkenkonstruktionen gehören zur Standardausrüstung an Bord. Diese Verfahren sind zuverlässig und haben sich vielfach bewährt.Doch sie haben auch ihre Grenzen: Unregelmäßige Leckformen, scharfkantige Öffnungen oder starker Wasserdruck erschweren häufig eine schnelle Abdichtung. Zudem erfordern viele klassische Maßnahmen mehrere Einsatzkräfte und Zeit – beides Ressourcen, die in einer akuten Notlage knapp sein können.Hier setzt die Leak Stop Gun mit einem völlig neuen Ansatz an.

Die Idee: Flexible Abdichtung statt starre Stopfen

Das Herzstück der Leak Stop Gun ist ein aufblasbarer Spezialballon aus synthetischem Kautschuk mit robustem Gewebemantel. Anders als starre Dichtkörper passt sich dieser flexibel an die Geometrie eines Lecks an.Der Ballon wird direkt in die Lecköffnung eingebracht und anschließend über eine CO₂-Kartusche aufgeblasen. Innerhalb weniger Sekunden dehnt er sich aus und presst sich formschlüssig gegen die Innenkanten der Öffnung.Der entstehende Innendruck sorgt dafür, dass das Leck zuverlässig verschlossen wird – selbst bei starkem Wasserdruck oder hohem Mediumfluss.

Innovation aus der Praxis

Die Entstehung der Leak Stop Gun ist ein klassisches Beispiel dafür, wie praktische Probleme zu innovativen Lösungen führen können.Ausgangspunkt war ein Tankleck in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Münsterland. Große Mengen Gülle traten unkontrolliert aus, und selbst die alarmierte Feuerwehr konnte den Ausfluss nicht stoppen.Der Agraringenieur Dipl.-Ing. Bernd-Josef Wenning entwickelte daraufhin ein mobiles System zur schnellen Abdichtung von Leckagen. Seine Idee: ein flexibel einsetzbarer, aufblasbarer Dichtkörper, der innerhalb weniger Sekunden eingesetzt werden kann.Aus dieser Entwicklung entstand die Leak Stop Gun – ein System, das heute weit über seinen ursprünglichen Anwendungsbereich hinaus eingesetzt wird.

In Sekunden einsatzbereit

Die Bedienung der Leak Stop Gun ist bewusst einfach gehalten. Das Gerät erinnert in seiner Form an ein Unterwasserharpunengewehr. Am Ende befindet sich der Ballon, der in die beschädigte Öffnung eingeführt wird.Durch das Auslösen der CO₂-Kartusche bläst sich der Ballon innerhalb weniger Sekunden auf seine maximale Größe auf. Dabei passt er sich exakt an die Form des Lecks an – egal ob rund, eckig oder unregelmäßig.Das Ergebnis ist eine schnelle, stabile Erstabdichtung, die wertvolle Zeit verschafft, um weitere Maßnahmen einzuleiten.

Bewährt auf See und an Land

Die Leak Stop Gun hat sich inzwischen in zahlreichen Einsatzbereichen etabliert. Besonders in der Schifffahrt wird sie als Ergänzung zur klassischen Schadensabwehr eingesetzt.Auch die Deutsche Marine nutzt das System auf ihren Schiffen. In Ausbildungseinrichtungen für Schadensabwehr wird regelmäßig trainiert, wie schnell sich ein Wassereinbruch zu einer kritischen Lage entwickeln kann. In solchen Situationen ermöglicht die Leak Stop Gun eine schnelle Stabilisierung der Lage.Darüber hinaus wird das System auch von Feuerwehren und Katastrophenschutzorganisationen eingesetzt – etwa um Lecks an Tanks oder Behältern abzudichten und so das Austreten gefährlicher Stoffe zu verhindern.

Vielseitige Einsatzmöglichkeiten

Neben der Schifffahrt hat sich die Leak Stop Gun auch in zahlreichen industriellen Bereichen bewährt, darunter:

• Chemie- und Prozessindustrie

• Stahlwerke

• Öl- und Gasindustrie

• Biogasanlagen

• Rohrleitungsbau

• Unterwasserarbeiten

Dank der chemischen Beständigkeit der Ballons können auch aggressive Medien wie Säuren oder Laugen sicher abgedichtet werden.

Gesamtpaket der LSG 150 Foto: WT

Drei Varianten für unterschiedliche Leckgrößen

Die Leak Stop Gun ist in drei Systemgrößen erhältlich, um unterschiedliche Einsatzszenarien abzudecken.

LSG 150

Abdichtung von Lecköffnungen zwischen etwa 50 und 120 Millimetern

LSG 400

Abdichtung größerer Öffnungen bis etwa 35 Zentimeter

LSG S

Das kleine Gerät ist Flexibel mit dem großen oder kleinen Abdichtballon für Situationen mit geringem Wasserwiderstand

Die Ballons besitzen einen zweischichtigen Aufbau:

Eine innere Schicht übernimmt die Abdichtungsfunktion, während eine äußere Schicht zusätzlichen Schutz bietet.

Ein Werkzeug, das Zeit gewinnt

Die Leak Stop Gun ersetzt die klassischen Methoden der Leckabwehr nicht – sie ergänzt sie auf intelligente Weise. Ihr entscheidender Vorteil liegt darin, innerhalb weniger Sekunden eine effektive Erstabdichtung zu schaffen.

Damit verschafft sie Einsatzkräften und Besatzungen genau das, was im Ernstfall am wertvollsten ist: Zeit.

Zeit, um Pumpen zu starten.

Zeit, um weitere Abdichtmaßnahmen vorzubereiten.

Zeit, um Menschen, Umwelt und Material zu schützen.

Und genau diese Sekunden können im Ernstfall den entscheidenden Unterschied machen.

Wehrtechnik

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