Der staatliche Schweizer Rüstungskonzern RUAG International stellt seine Führung neu auf. Für die Wahl in den Verwaltungsrat bei der Generalversammlung am 20. April 2026 wurden drei neue Mitglieder nominiert: die Finanzexpertin Astrid Schnidrig, der Luft- und Raumfahrtmanager Lutz Bertling sowie der Airbus-Manager Michael Menking. Mit der Neubesetzung reagiert das Unternehmen auf den bevorstehenden Abgang mehrerer langjähriger Verwaltungsratsmitglieder – und auf den strategischen Umbau des Konzerns.
Bereits im Oktober 2025 hatten Verwaltungsratspräsident Rainer G. Schulz sowie die Mitglieder Jürg Oleas und Andreas S. Spreiter angekündigt, bei der kommenden Generalversammlung nicht mehr zur Wiederwahl anzutreten. Damit endet eine Phase personeller Kontinuität an der Spitze des Unternehmens.
Der Bundesrat, als Vertreter des Eigentümers Schweiz, hat den Vorschlag für die neuen Kandidaten inzwischen gebilligt. Sollte die Generalversammlung zustimmen, wird der Verwaltungsrat künftig aus fünf Personen bestehen: Daniel Frutig-Meier als Präsident, Déborah Carlson-Burkart als Vizepräsidentin sowie den drei neuen Mitgliedern Schnidrig, Bertling und Menking.
Fokus auf Raumfahrt und Technologie
Die Auswahl der Kandidaten folgt einer klaren strategischen Logik. RUAG International befindet sich seit einigen Jahren in einer grundlegenden Neuausrichtung. Das Unternehmen konzentriert sich zunehmend auf sein Raumfahrtgeschäft, das unter der Marke „Beyond Gravity“ firmiert und Komponenten für Trägerraketen und Satelliten liefert.
Vor diesem Hintergrund suchte man gezielt Persönlichkeiten mit Erfahrung in Technologie, Innovation und der internationalen Raumfahrtindustrie. Gleichzeitig sollten klassische Kompetenzen eines Verwaltungsrats – etwa Finanzkontrolle, Risikomanagement und industrielle Produktion – weiterhin abgedeckt werden.
Astrid Schnidrig bringt vor allem finanzielle Expertise ein. Die ehemalige Finanzchefin des Bahnunternehmens BLS verfügt über langjährige Erfahrung in Controlling, Governance und Risikomanagement. Zudem sitzt sie bereits in mehreren Verwaltungsräten, darunter beim Stromnetzbetreiber Swissgrid und beim Basler Verkehrsunternehmen BVB.
Der deutsche Manager Lutz Bertling gilt als Schwergewicht der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie. In seiner Karriere war er unter anderem Vorstand beim Satellitenhersteller OHB sowie Präsident und COO des Zugherstellers Bombardier Transportation. Zuvor leitete er als CEO den Hubschrauberhersteller Eurocopter – heute Teil von Airbus – und gehörte dem erweiterten Führungskreis des Airbus-Konzerns an.
Mit Michael Menking kommt ein weiterer Manager mit Airbus-Vergangenheit ins Gremium. Der Ingenieur verantwortete dort unter anderem Programme rund um die A320-Familie und leitete zuvor das Militärflugzeugprogramm A400M. Später war er im Raumfahrtbereich für verschiedene Programme verantwortlich, darunter Projekte für die europäische Raumfahrtagentur ESA und die NASA sowie Beiträge zur Internationalen Raumstation ISS.
Politisch sensibler Konzern
Die personellen Veränderungen stehen auch im Kontext der besonderen Eigentümerstruktur des Unternehmens. RUAG International gehört vollständig dem Schweizer Staat. Entsprechend spielen neben wirtschaftlichen auch politische Interessen eine Rolle – etwa bei Fragen der Industrieförderung, der Sicherheitspolitik oder der Zusammenarbeit mit internationalen Raumfahrtprogrammen.
Mit der neuen Besetzung soll der Verwaltungsrat künftig stärker auf technologische Entwicklung und industrielle Umsetzung ausgerichtet werden. Für RUAG International ist das entscheidend: Der globale Wettbewerb im Raumfahrtsektor verschärft sich, während gleichzeitig neue private Anbieter und staatliche Programme entstehen.
Ob der Umbau gelingt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Fest steht: Mit der geplanten Neuaufstellung setzt RUAG International auf Erfahrung aus der internationalen Luft- und Raumfahrtindustrie – und auf ein Verwaltungsratsgremium, das den Konzern stärker in Richtung Raumfahrttechnologie führen soll.


