Ein Meilenstein für die Ausbildung

apf

11/03/2021

Wie das Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg heute vermeldet, fand erstmals auf dem Truppenübungsplatz in Wildflecken ein Schießen mit dem Mehrrollenfähigen Leichten Lenkflugkörpersystem (MELLS) statt. Die Verantwortlichen sind sich einig: „Ein Meilenstein für die Ausbildungsdrehscheibe Hammelburg – Wildflecken“.

Im Moment des Abschusses verlässt der Flugkörper die Waffenanlage. (Alle Fotos: Bundeswehr/Andrea Rippstein)

Die Einführung von MELLS in die Bundeswehr ist eine Erfolgsgeschichte, so das Ausbildungszentrum. Das in Israel unter dem Namen „Spike“ entwickelte Lenkflugkörpersystem von Rafael durchschlägt alle derzeit bekannten Panzerungen und ist das Beste, was der internationale Markt zu bieten hat, so das Ausbildungszentrum weiter. In Deutschland und Europa wird das Waffensystem durch die EuroSpike GmbH mit Sitz in Röthenbach an der Pegnitz vertrieben.

Der Flugkörper kann auch Hubschrauber oder Ziele hinter Deckungen bekämpfen. Mit einer Kampfentfernung von 200 bis 4.000 Metern deckt MELLS die Distanzen ab, die für eine Panzerfaust zu lang, für die Artillerie jedoch zu kurz sind.

Oberstabsfeldwebel Jörg Michael Pollentzke (links) weist den General der Infanterie und Kommandeur Infanterieschule, Brigadegeneral Michael Matz, in das Gelände ein.

Ein erfolgreicher Beschaffungsprozess

Die Bundeswehr setzt bereits seit mehreren Jahren auf MELLS. Erstnutzer in der Bundeswehr und dem Deutschen Heer war das Kommando Spezialkräfte. Seit diesem Jahr wird MELLS auch breit in der Infanterie ausgerollt. Zudem wird das System auf dem Schützenpanzer Marder (als Ersatz für die MILAN) sowie den Waffenträger WIESEL (als Ersatz für TOW) integriert.

 „Begleitend dazu hält die Bundeswehr MELLS durch regelmäßige Updates und Einführung neuer Komponenten stets auf dem modernsten Stand der Entwicklung.“, erklärt Oberstabsfeldwebel Jörg Michael Pollentzke. Er führt als Hörsaalleiter in der II. Inspektion des Ausbildungszentrums Infanterie im unterfränkischen Hammelburg die Ausbildung der Schießlehrer und Truppführer für MELLS durch. Er berichtet: „MELLS erfreut sich einer großen Beliebtheit bei der Truppe, weil das System zuverlässig ist und sich als kriegstauglich bewährt hat.“

Der MELLS-Trupp besteht aus einem Truppführer (rechts) sowie einem Waffenbediener. Als dritter Soldat ist ein Kraftfahrer eingesetzt.

Viel Platz benötigt

Die Ausbildung erfolgt überwiegend Simulator-gestützt, so das Ausbildungszentrum. Dazu Pollentzke: „Die Simulation schafft beim Soldaten Bedienungssicherheit vor dem ersten scharfen Schuss.“ Im Flugkörper sind eine fest verbaute Kamera, GPS und Glasfaserkabel enthalten, welche während des Fluges Daten des Gefechtskopfes an den Schützen übertragen und den Flugkörper bis zum Einschlag lenkbar machen. Aufgrund der hohen Kampfdistanz braucht man für einen scharfen Schuss sehr viel Platz, um Sicherheitsbereiche einzuhalten. Dies ist auf dem im Bundeswehr-Vergleich kleinen Hammelburger Truppenübungsplatz nicht möglich. „Bisher fuhren wir zum Truppenübungsplatz nach Klietz, was ein bis zwei Tage Ausbildungszeit kostete.“, berichtet Oberstabsfeldwebel Pollentzke. Daraufhin nahm Oberstabsfeldwebel Pollentzke mit dem unweit von Hammelburg gelegenen Truppenübungsplatz Wildflecken Verbindung auf, um Möglichkeiten zum Verschuss von MELLS zu prüfen. Nach einigen Ortsterminen und fachlichen Abstimmungen, meldete sich Hauptmann Enrico Langhärig von der Truppenübungsplatzkommandantur in Wildflecken. Er hatte durch eine zeitweise Sperrung von Straßen sowie Ausnahmegenehmigungen einen Weg gefunden, ein MELLS-Schießen durchzuführen. „Dies wäre eine großartige Entwicklung für unsere Ausbildung.“, war sich Hörsaalleiter Pollentzke schon damals über den Mehrwert sicher. Die beiden planten ein erstes Erprobungsschießen.

Dienstaufsicht in Zeiten der Digitalisierung: Selbst auf der Schießbahn ist ein Bildschirm inzwischen nichts Außergewöhnliches.

Informationen gesammelt – Erprobungsschießen erfolgreich!

Nachdem der Termin für das Erprobungsschießen feststand, traf das Vorhaben auf reges Interesse. So kündigten sich der General der Infanterie und Kommandeur Infanterieschule, Brigadegeneral Michael Matz, sowie der Kommandeur des Bereich Truppenübungsplatzkommandantur Süd, Oberstleutnant Ralf Stachowiak, zur Dienstaufsicht an. Vor Ort wurden sie Zeuge, wie wertvolle Erfahrungen zum Einsatz von MELLS in Wildflecken gesammelt wurden: In rund 3,5 Kilometern Entfernung wurde ein geeigneter Raum für künftige Übungsziele ermittelt. Sobald dort der Zielaufbau steht, können die scharfen Abschlussschießen der MELLS-Lehrgänge künftig in Wildflecken stattfinden und es braucht keine langen Reisen mehr. In der Auswertung waren sich Brigadegeneral Matz und Hauptmann Langhärig einig: „Dieser Tag ist ein Meilenstein für die Ausbildungsdrehscheibe Hammelburg – Wildflecken.“

Und MELLS hat eine lange und erfolgreiche Zukunft vor Augen. Durch die Integration auch neuer Waffensysteme wie dem Luftbeweglichen Waffenträger (LuWA) als WIESEL Nachfolger ist die Waffe praktisch für einen langen Nutzungszeitraum schon gesetzt. Mit neuen Versionen der Spike kann sie auch als weitreichende Bewaffnung von Hubschraubern aus eingesetzt werden. So wurde die Spike LR-II schon auf bis zu 10.000 m, die Spike ER-II auf 16.000 m oder die Spike NLOS auf bis zu 30.000 m verschossen. Hier zeigt sich die Einsatzmöglichkeit neben Infanteriekräften und Landfahrzeugen auch für Hubschrauber und als mögliche Option für einen Einsatz auf dem Kampfhubschrauber Tiger MkIII.

Hier werden Dinge möglich gemacht: Die Truppenübungsplatzkommandantur Wildflecken und das Ausbildungszentrum Infanterie aus Hammelburg werten das Erprobungsschießen gemeinsam aus.

apf

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