Division Schnelle Kräfte führt neuste HF-Funkgerätegeneration ein

04/09/2023

Aktuelle Konflikte zeigen, dass gegnerisches Jamming durch sogenannte „near-peer adversaries“ zur Einsatzrealität gehört. Die westlichen Streitkräfte versuchen ihre Kommunikationsfähigkeit durch modernste und gehärtete Funkgeräte aufrechtzuhalten. Daher hat die Bundeswehr das Kurzwellenradio AN/PRC-160(V)DE-1 Wideband HF/VHF Manpack (Tornistergerät) der Firma L3Harris beschafft. Um dieses flächendeckend in die Truppe einzuführen und damit nutzbar zu machen, führte die Division Schnelle Kräfte (DSK) jetzt zwei Ausbildungsdurchgänge für Konfiguratoren an den Standorten Stadtallendorf und Füssen durch.

Bedienfeld des PRC-160. (Foto: Bundeswehr/Engler)

Das Funkgerät

Das Software Defined Radio (SDR) Kurzwellenradio PRC-160 verändert mit bis zu 120kb/s die bekannten Möglichkeiten, die Funk mit Überhorizontreichweiten (BLOS) bietet. Mit der Einführung der Wideband ALE4G Wellenform sind in Zukunft noch höhere Datenraten verfügbar. Kognitive Wellenformen sollen gegnerischeren Störung automatisch ausweichen oder machen Übertragungen durch entsprechende Maßnahmen kaum aufklärbar (LPI/LPD). Dies muss unter anderem durch die Einsatzprüfung nachgewiesen werden. Die VHF-Multibandfähigkeit oder der Anschluss über die Netzwerkschnittstelle macht das Funkgerät zudem voll interoperabel mit PRC-117G, das ebenfalls bei der Bundeswehr in Nutzung ist. Das AN/PRC-160(V)DE-1 kann durch die direkte Kopplung über die Netzwerkschnittstelle mit dem AN/PRC-117G um eine erweiterte Funkstelle ausgebaut werden.

Ein Vorteil, der sich durch die große Verbreitung dieser Geräte bei NATO und assoziierten Staaten multipliziert. Das heißt, dieses Gerät ist ein wichtiger Beitrag zur multinationalen Interoperabilität und bindet die deutschen Soldaten an die Bündnispartner an.

Das Breitbandsystem entspricht den Verschlüsselungsmodernisierungsstandards der US National Security Agency (NSA) und bietet eine softwaredefinierte Architektur, die Verschlüsselungsupdates unterstützt, um kritische Informationen zu schützen.

Das AN/PRC-160(V) bietet 10-mal schnellere Datengeschwindigkeiten als die bisher vorhandenen HF-Funkgeräte der Bundeswehr und verfügt über eine softwareprogrammierbare L3Harris Sierra II-Verschlüsselung, der eine sichere Interoperabilität bis zum Verschlüsselungsniveau NSA-Type-1 zwischen den Vereinigten Staaten und den alliierten Streitkräften bietet. Es kann Sprache, Daten und Texte übertragen.

Außerdem kann es „Blue Force Tracking“ (Freund-Feind-Erkennung) per Knopfdruck in SitaWare ermöglichen. SitaWare von Systematic ist das neue Führungsinformationssystem der Bundeswehr.

Das PRC-160 kann plattformgebunden oder als Manpack abgesessen genutzt werden. Es wiegt rund 4,1 kg ohne Batterien. (Foto: Bundeswehr/Engler)

Einführung in die Truppe

Bisher sind erste Geräte des Kurzwellenradio PRC-160 innerhalb der DSK zur Einsatzprüfung vorhanden. Die Masse der Bestellungen Kurzwellenradio PRC-160 sollen der Truppe im Jahr 2024 zulaufen. Dies ist eine erste, sehr konkrete Auswirkung, des 100-Mrd-Sondervermögens der Bundeswehr und eine echte Leistungssteigerung der Führungsfähigkeit und damit mittelbar der Kampfkraft.

Zunächst erhalten die abgesessenen Truppenteile das Funkgerät als Manpack. Danach sollen die Funkgeräte vor allem auf Fahrzeugen vom Typ BV206, CAT-V HUSKY und der Luftlandeplattform installiert werden. Die Luftlandeplattform CARACAL wird in Zukunft die derzeit in Nutzung befindlichen Luftlandefahrzeuge WOLF und MUNGO ersetzen. Außerdem können alle im Fahrzeug verbauten Funkgerät per Schnellkupplung entnommen sowie abgesetzt oder abgesessen mitgeführt und genutzt werden. Das Funkgerät hat ein Gewicht von rund 10 kg.

Die DSK wird innerhalb der Bundeswehr das PRC-160 als erster Großverband für die Einsatzprüfung erhalten.

Aufbau eines Behelfsmastes als Antennenträger. (Foto: Bundeswehr/Engler)

Ausbildung als Voraussetzung

Die Ausbildung der Konfiguratoren ist die Grundvoraussetzung für die Einführung in die Truppe. Zudem war es die erste eigenständige Ausbildung innerhalb der Bundeswehr durch einen Truppenteil, die gleichwohl durch das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), das Amt für Heereseinwicklung (AHEntwg) und Personal der BWI GmbH unterstützt und begleitet wurde.

Insgesamt wurden zwei Lehrgänge mit je 12 Konfiguratoren an den Standorten Stadtallendorf und Füssen durchgeführt. Am Standort des Divisionsstabes kamen die Soldaten und Soldatinnen der Fernmeldekompanie DSK sowie der Luftlandebrigade 1 zusammen. In Füssen wurden die Soldaten und Soldatinnen der Gebirgsjägerbrigade 23 geschult. Die Ausbildungsgruppen brachten alle bereits Erfahrungen im Umgang und der Nutzung mit dem PRC-117 mit. Hierdurch konnten auch ein direkter Vergleich der eingesetzten Schlüssel und Antennen der beiden Funkgeräte durchgeführt und Synergien im Betrieb der Funkgeräte miteinander hergestellt werden.

Als nächster Schritt folgt im September die Einsatzprüfung. Dabei erfolgt die Überprüfung anhand realer und diverser Einsatzfällen auf kurzer, mittlerer und hoher Reichweite sowie in schwierigem Gelände. Hier muss das PRC-160 dann zeigen, was es wirklich zu leisten in der Lage ist. Im Rahmen der jetzigen Ausbildung wurden erste Prüffälle vorbereitet.


Soldaten der Fernmeldekompanie DSK bauen den flexiblen Antennenmast Rolatube auf. Bei dem System handelt es sich um einen innovativen Rollmast mit geringem Gewicht, geringem Packmaß und einer sehr schnell hergestellten Einsatzbereitschaft. (Foto: Bundeswehr/Engler)

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