Frankreich und Spanien starten das Programm Tiger MkIII

apf

02/03/2022

Wie Airbus am 2. März in einer Pressemeldung mitteilte, hat die OCCAR (Organisation for Joint Armament Cooperation) im Auftrag der französischen und spanischen Rüstungsgeneraldirektion, der DGA (Direction Générale de l’Armement) und der DGAM (Dirección General de Armamento y Material) einen Vertrag mit Airbus Helicopters über die Entwicklung, Produktion und anfängliche Unterstützung bei der Inbetriebnahme des Programms zur Aufrüstung des Kampfhubschraubers Tiger MkIII geschlossen.

Der Vertrag umfasst die Aufrüstung von 42 Maschinen für Frankreich (mit der Möglichkeit, weitere 25 Hubschrauber hinzuzufügen) und 18 für Spanien. Darüber hinaus sieht der Vertrag die Möglichkeit vor, dass sich Deutschland zu einem späteren Zeitpunkt dem Tiger MkIII-Programm anschließt. Der Erstflug des ersten Prototyps ist für das Jahr 2025 geplant. Die Erstauslieferung an die französische Generaldirektion für Rüstung (DGA) wird Ende 2029 erfolgen, gefolgt von einer Erstauslieferung an Spanien im Jahr 2030. Die Entwicklungs- und Aufrüstungsarbeiten werden in den Werken von Airbus Helicopters in Albacete (Spanien), Marignane (Frankreich) und Donauwörth (Deutschland) durchgeführt.

TIGER MkIII. (Graphik: Airbus)

„Das Programm Tiger MkIII wird eine europäische Antwort auf den Bedarf an einem hochmodernen Kampfhubschrauber für die kommenden Jahrzehnte sein. Mit dieser Aufrüstung bleibt der Tiger ein unverzichtbares und modernes Instrument für die europäischen Armeen und stärkt die Verteidigungszusammenarbeit in Europa“, sagte Bruno Even, CEO von Airbus Helicopters. Er fügte hinzu: „Der Tiger MkIII wird für Einsätze mit hoher Intensität weltweit seinesgleichen suchen und die Konnektivität, Präzision und Feuerkraft des aktuellen Tigers weiter verbessern.“

„Der Tiger MkIII ist ein umfassendes Upgrade der Systeme des europäischen Kampfhubschraubers. Der Tiger hat sich im Gefecht bewährt und ist schwer zu entdecken, äußerst wendig und überlebensfähig – ein Vorteil, von dem die Betreiber mit dem MkIII-Upgrade weiterhin profitieren werden. Der neue Standard ermöglicht die Anbindung der Plattform an das digitale Gefechtsfeld, um bemannte und unbemannte Teamarbeit zu ermöglichen und taktische Informationen in Echtzeit auszutauschen. Darüber hinaus bietet sie ein konkurrenzloses Waffensortiment (Turmgeschütz, lasergesteuerte Raketen und Flugkörper) sowie neue Erkennungs- und Zielerfassungsfähigkeiten. Durch die Integration modernster Avionik wird die Arbeitsbelastung der Besatzung verringert, so dass sie sich voll und ganz auf die Durchführung der Mission konzentrieren kann“, so Airbus weiter in seiner Meldung.

Die Standardkonfiguration des Tiger MkIII umfasst die Integration des Safran Strix NG-Zielgeräts, der Thales FlytX-Avioniksuite, des Topowl DD-Helmvisiers, eines Indra IFF-Upgrades, des Thales GNSS und des Trägheitsnavigationssystems von Safran. Die Kommunikationsausrüstung wird mit den Funk- und Datenverbindungen Contact/Synaps von Thales für die Zusammenarbeit zwischen bemannten und unbemannten Flugzeugen aufgerüstet. Außerdem werden für Spanien Link16- und SATCOM-Funktionen eingebaut. Der spanische Tiger MkIII wird mit einem Gefechtsfeldmanagementsystem und Gegenmaßnahmen von Indra ausgestattet, während der französische Tiger MkIII mit einem Gefechtsfeldmanagementsystem von ATOS und Gegenmaßnahmen von Thales ausgestattet wird. Das neue Waffenpaket für Frankreich umfasst den MBDA MAST-F (Future Tactical Air-to-Surface Missile) und den Mistral 3 Luft-Luft-Flugkörper. Für Spanien umfassen die neuen Fähigkeiten 70-mm-Lenkraketen und einen neuen Luft-Boden-Lenkflugkörper.

Die Entscheidung Deutschlands steht noch aus. Parallel wird eine Beschaffung des Boeing AH-64 APACHE über FMS aus den USA geprüft. Laut gut informierten Kreisen aus dem Deutschen Heer dürfte das US-System schneller verfügbar sein und soll zudem auch kosteneffektiver sein. Zudem handelt es sich um eine marktverfügbare Lösung, bei dem es dadurch kein Beschaffungsrisiko gibt, im Vergleich zu einer Neuentwicklung des TIGER MkIII. Zuletzt war auch Australien aus dem TIGER-Programm ausgestiegen.

Nach dem russischen Angriff in der Ukraine dürfte eine deutsche Entscheidung nun schneller vorangetrieben werden. Die Fähigkeiten eines kriegsfähigen, überlebensfähigen und auch hoch-verfügbaren Kampfhubschrauber ist für die deutsche Sicherheitskonzeption unabdingbar sein.

Harte Kokurrenz – Boeing AH-64 Apache. (Foto: US Army)

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