>>Ein fahrender 3D Drucker wäre ein innovativer Instandsetzungstrupp<<

apf

12/12/2022

Gerade im Bereich der Fahrzeuge tut sich bei den Streitkräften aktuell sehr viel. Es gilt Nachfolger für den Luftlande-Wolf, den MUNGO, den Waffenträger Wiesel und viele weitere Mobilitätsplattformen zu finden. Gleichzeitig schwenkt der Fokus von den friedenserhaltenden oder friedensschaffenden Einsätzen hin zurück zur Landes- und Bündnisverteidigung. Zumindest im Zivilen werden die Weichen für neue Technologien bei den Fahrzeugen gestellt. Das Aus für den Verbrenner ist beschlossene Sache. Aber welche Auswirkungen hat das auf militärische Fahrzeuge? Wir sprachen mit Sebastian Schaubeck, Geschäftsführer bei der ACS Armoured Car Systems GmbH.

Der ENOK Airborne (AB), wie er bei Tschechien, Ungarn und Zypern schon in Nutzung ist. Dort vor allem bei den Spezial- und Luftlandekräften. (Foto: ACS)

Q: Die ACS Armoured Car Systems GmbH hat den Luftbeweglichen Waffenträger (LuWa) entwickelt, wie ist hier der Sachstand?

Schaubeck: Der LuWa wurde an die Bundeswehr übergeben und hat bei der WTD seine Erprobung absolviert. Der öAG hat eine Vielzahl von Erkenntnissen gewonnen, die er für die mögliche Ausschreibung eines Serienfahrzeuges verwenden kann. Die Industrie macht sich unabhängig vom öAG und der Bundeswehr Gedanken, wie ein möglicher Serien-LuWa aussehen könnte. Dabei meine ich nicht das äußere Aussehen, sondern mehr die Technik im Fahrzeug. Antrieb, Bewaffnung, Gewicht und die Verfügbarkeit von Komponenten werden für die mögliche Serie herausfordernd.

Gesamtdemonstrator LuWa. (Foto: IABG)

Q:Der LuWa hat einen Diesel-elektrischen Antrieb. Wird sich der Elektroantrieb auch bei Militärfahrzeugen durchsetzen?

Schaubeck: Jein. 100% Batterieelektrische Fahrzeuge spielen unserer Meinung nach keine Rolle. Das wird sich in den kommenden Dekaden nicht durchsetzen. Die Energiedichte der Batterien ist einfach zu gering. Selbst mit neuen Batterietechnologien lässt sich diese physikalische Eigenschutz nicht signifikant ändern. Elektrische Komponenten dagegen werden sich unserer Meinung nach durchsetzen. Der elektrische drive-by-wire Antrieb des LuWa funktioniert für einen Demonstrator sehr gut. Neben der Funktion der Komponenten wird in der Zukunft die Verfügbarkeit von Komponenten immer wichtiger. Die zivile „Massenelektrifizierung“ wird die Verfügbarkeit von solchen Komponenten, wie Elektromotoren oder Wechselrichtern, erhöhen.

Das vollelektrische EMU Bike von ACS. (Foto: AF)

Q: ACS hat aus dem ENOK eine Familie entwickelt, bis 14.5, wo liegen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei den Fahrzeugen? Welche Vorteile bringt das mit sich?

Schaubeck: Die Fahrzeuge unterscheiden sich im Wesentlichen von dem zulässigen Gesamtgewicht. Das grundsätzliche Konzept ist dabei immer gleich. All unsere Lösungen basieren auf einem OEM Chassis. Nur große OEMs können qualitativ hochwertig, nachhaltig, abgesichert und preiswert Chassis bzw. Grundfahrzeuge bauen. Der Mehrwert für den Nutzer wird über den Aufbau abgebildet. Daher sind wir bestrebt alle Plattformen modular zu gestalten. Unser modularer Spaceframe funktioniert auch auf größeren Plattformen. Durch die Rückbesinnung auf die Landes- und Bündnisverteidigung werden typische IKM (Anm. d. Red.: Internationales Krisenmanagement) Fahrzeuge an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig entwickeln wir uns hin zum multi-domain Kampf im Systemverbund. Wir möchten dafür Mobilitätslösungen anbieten, die modular Fähigkeiten abbilden und einbringen können.

Andere Fähigkeitsforderungen sind mit der ENOK-Familie problemlos umzusetzen. (Foto: ACS)

Q: Was können wir an Innovativen von ACS in nächster Zeit erwarten?

Schaubeck: Gute Frage. Wir haben keine fest definierte F&E Roadmap. Grundsätzlich wollen wir unsere Schwerpunkte vertiefen. Im Bereich Modularität stehen wir unserer Meinung nach erst am Anfang. Modularität kann man noch viel konsequenter denken und umsetzen. In diesem Bereich haben wir insbesondere für Luftlandekräfte noch viele Ideen: Generell erscheint uns die Trennung Mobilität und Funktionalität als geeigneter Denkansatz. Im Detail stellen wir uns dezentrale Energieversorgung, Sensorverbund, fahrende Informationsknoten sowie die Integration von UGVs vor. Auch möchten wir weiter an elektrischen sowie hybriden Antriebslösungen für das Militär arbeiten. Abschließend schauen wir aktuell sehr genau in Richtung 3D Druck. Das ist eine faszinierende Technologie, bei der unser Land weltweit führend ist. Schon heute passt eine mobile 3D Druckanlage in eine G Klasse. Ein fahrender 3D Drucker wäre ein innovativer Instandsetzungstrupp.

Kommt die nächste Generation des Fahrzeugaufbaus aus dem 3D-Drucker? (Foto: ACS)

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