Stefan Nitschke

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Marinewerften kooperieren

TKMS und Navantia unterzeichnen Absichtserklärung zur Kooperation bei

Marineprojekten

TKMS AG & Co. KGaA (TKMS), einer der weltweit führenden Anbieter von maritimen Verteidigungslösungen, darunter konventionelle Uboote, Marineschiffe und innovative Elektroniklösungen, und das spanische Unternehmen Navantia S.A., SME (Navantia), einer der europäischen Marktführer in den Bereichen Entwurf, Bau und Lebenszyklusunterstützung von Marineschiffen und Ubooten sowie als Integrator von Kampfsystemen, haben eine Absichtserklärung zur Prüfung einer strategischen Zusammenarbeit bei Marineprojekten in Europa und weltweit unterzeichnet. 

Im Fokus steht dabei die mögliche Fertigung von TKMS-Konstruktionen, insbesondere von Ubooten, in den Werften von Navantia in Spanien.

Die geopolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre haben die Nachfrage nach modernen Marineprodukten deutlich gesteigert. Gleichzeitig bestehen in Europa erhebliche Engpässe bei Werftkapazitäten und technologischen Ressourcen. Vor diesem Hintergrund wollen TKMS und Navantia prüfen, inwiefern eine engere industrielle Kooperation dazu beitragen kann, Projekteeffizienter, schneller und wirtschaftlicher umzusetzen. Die Parteien haben vereinbart, auf Managementebene Gespräche aufzunehmen – und zwar in gegenseitigem Vertrauen und in vollständiger Übereinstimmung mit allen Wettbewerbs- und Exportkontrollvorschriften.

Oliver Burkhard, CEO von TKMS, erklärte: „Die Unterzeichnung dieser Absichtserklärung ist ein wichtiges Signal für die europäische Verteidigung auf See. In einer Zeit, in der die Sicherheitsanforderungen unserer Kunden wachsen und die verfügbaren Fertigungskapazitäten begrenzt sind, ist es entscheidend, dass europäische Industrieunternehmen enger zusammenarbeiten. TKMS und Navantia verfügen über das Know-how, die Infrastruktur und die Erfahrung, um diese gemeinsamen Herausforderungen zu meistern und die Lieferfähigkeit für die Streitkräfte unserer Partnerländer zu stärken.“

Volkmar Dinstuhl, Vorsitzender des Aufsichtsrats von TKMS, ergänzte: „TKMS ist

seit Jahrzehnten ein globaler Marktführer für nicht-nukleare Uboote. Mit Navantia verbindet uns eine Ausrichtung auf höchste Qualitätsstandards sowie das klare Ziel, unsere Kunden schnell und zuverlässig zu beliefern. Diese Absichtserklärung eröffnet uns die Möglichkeit, Synergien zwischen unseren Werftkapazitäten zu nutzen und gemeinsam als starker europäischer Partner aufzutreten.“

Miguel López, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats von TKMS und

Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG, erläuterte: „Als Mehrheitsanteilseigner von TKMS trägt die thyssenkrupp AG Verantwortung für die strategische Ausrichtung eines der bedeutendsten Marineunternehmen Europas. Es ist unsere Aufgabe, TKMS in die Lage zu versetzen, die wachsende internationale Nachfrage nach modernen Marinesystemen bedienen zu können. Eine Zusammenarbeit mit Navantia ist dafür ein vielversprechender Ansatz.“

Ricardo Domínguez, Vorstandsvorsitzender von Navantia, erklärte: „Heute machen wir einen bedeutenden Schritt in Richtung unseres gemeinsamen Ziels, die strategische Autonomie und Souveränität Europas im Verteidigungsbereich zu stärken. Diese Zusammenarbeit wird unseren Streitkräften modernste Fähigkeiten verschaffen und gleichzeitig das volle Potenzial europäischer Verteidigungsinvestitionen ausschöpfen. Als führende Akteure im Marine- und Verteidigungsbereich sind Navantia und TKMS entschlossen, aktiv zu diesen gemeinsamen europäischen Bemühungen beizutragen.“

Gonzalo Mateo-Guerrero, Chief Operating Officer von Navantia, fügte hinzu: „Europäische Verteidigungsunternehmen tragen gemeinsam die Verantwortung, entschlossen auf die Herausforderungen von heute zu reagieren. Europa braucht eine Industrie, die nicht nur modernste Technologien liefern kann, sondern auch schnelle, zuverlässige Lieferung und langfristige Instandhaltung gewährleistet, während sie gleichzeitig das europäische

industrielle Ökosystem stärkt und dessen KMU unterstützt.“

Kommentar (Stefan Nitschke): Der Schaffung von europäischer Souveränität – insbesondere im Marineschiffbau – kommt allergrößte Bedeutung zu. Die europaweite Zusammenarbeit von Unternehmen in diesem Bereich ist Programm – und zu begrüßen. Es gilt aber auch die nationalen sicherheits- und verteidigungsindustriellen Schlüsseltechnologien zu schützen. Zur Erinnerung: Bereits im Februar 2020 hatte diese Forderung in den Beschlüssen der Bundesregierung zur Neufassung des „Strategiepapiers zur Stärkung der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie“ ihren Niederschlag gefunden. Darin wurde u. a. auf die Notwendigkeit einer Zuordnung des gesamten Marineschiffbaus als nationale Schlüsseltechnologie hingewiesen.

Somit gilt: Innovationen besonders beim Marineschiffbau müssen rasch und ohne unnötige Kostensteigerungen in den Markt gelangen, um Exportchancen wahrzunehmen. Die im Marineschiffbau tätigen Großwerften in Europa – Fincantieri (Italien), Navantia (Spanien), Damen (Niederlande) und Naval Group (Frankreich) – tun das seit langem.

Nochmal: Der in Deutschland existierende Marineschiffbau ist wegen seiner hohen Innovationskraft weltweit geschätzt. Wenn er im internationalen Wettbewerb vor allem gegenüber den staatlich unterstützten Werften anderer Länder bestehen will, dann müssen alle „Hebel in Gang“ gesetzt werden, um die Exportfähigkeit der Branche in den vor uns liegenden schwierigen Jahre zumindest zu erhalten, wenn nicht sogar weiter zu steigern. Brechen Exporte ein oder aber finden bewährte Plattform- und Systemkonzepte des deutschen Marineschiffbaus keine Abnehmer auf dem Weltmarkt, dann ist es höchste Zeit, dass alle Beteiligten nachsteuern – auch die Politik. Ein „Kreislaufversagen“ führt hier zu den Problemen, die sich unsere Marineschiffbauindustrie zurzeit nicht leisten kann.

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