Stefan Nitschke

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Deutsch-israelische Rüstungskooperation

Was die beiden Partner vereint

Internationale Rüstungskooperationen gelten schon seit Jahrzenten als ein wichtiger Baustein der industriellen Zusammenarbeit in der deutschen wehrtechnischen Industrie. Diese Kooperationen haben einen hohen sicherheitspolitischen Stellenwert, weil damit langfristig Absatzmärkte gesichert werden können.

Eine besondere Bedeutung hat die deutsch-israelische Rüstungszusammenarbeit, die schon seit dem Jahr 1955 besteht. Die Zusammenarbeit beider Staaten im Verteidigungsbereich wurde auf verschiedenen Gebieten energisch vorangetrieben. Der Technologietransfer spielte hier von Anfang an eine herausragende Rolle. Ziel war es immer, die deutsch-israelischen Beziehungen zu einer tiefgreifenden industriellen Zusammenarbeit auszubauen.

Wie wichtig den Regierungen der beiden Länder die Rüstungskooperation ist, zeigen die Lieferungen deutscher Uboote an Israel seit Mitte der 1990er Jahre. Mit der Bereitstellung der ersten fünf Uboote (DOLPHIN-Klasse) erfolgte nicht nur eine Weiterentwicklung der israelischen Verteidigungsindustrie selbst, sondern auch eine Stärkung der nationalen Verteidigungsfähigkeit. Bei der israelischen wehrtechnischen Industrie kam es dank dieser politisch gewollten Zusammenarbeit zum Erhalt und weiteren Aufwuchs von industriellen Kernfähigkeiten in Israel, insbesondere in den Bereichen Sensorik, Navigation, Kommunikation und Bewaffnung. Die Uboot-Kooperation mit Israel, die ein drittes Baulos im Umfang von drei Ubooten (DAKAR-Klasse) umfasst, gilt weithin als eine wehrtechnische Industriepartnerschaft, die in der Zusammenarbeit mit Deutschland ihresgleichen sucht.

Israel erhält drei weitere konventionell angetriebene Uboote (DAKAR-Klasse) aus Deutschland, die speziell auf die Anforderungen der Israelischen Marine zugeschnitten sind.
Foto: TKMS

So wie die deutsche Rüstungsindustrie seit dem Beginn des Ukrainekriegs stark wächst und politisch sowie wirtschaftlich an Bedeutung gewinnt, verhält es sich mit der israelischen wehrtechnischen Industrie. Sie hat sich zu einer berechenbaren Größe von globaler Bedeutung entwickelt und gilt im Zuge des aktuellen Konfliktgeschehens in der Region als Garant dafür, dass die Verteidigungsbereitschaft des Staates Israel mit den sich ständig verändernden Bedrohungen gleichzieht.

Die deutsch-israelische Rüstungszusammenarbeit bedeutet also nicht nur eine Stärkung der israelischen Verteidigungsfähigkeit selbst, sondern auch eine Stärkung der nationalen Industriebasis. Das zieht zunehmend eine Präsenz israelischer Unternehmen in den internationalen Märkten – insbesondere in Europa – nach sich.

Auf dem Gebiet der Heeresrüstung tun sich hier weitere Chancen auf. Das spiegelt sich in einem aktuellen Projekt: die Ausstattung des deutschen Kampfpanzers Leopard 2 in den Konfiguration A7A1 und A8 mit dem abstandsaktiven Schutzsystem Trophy. Das aktive Schutzsystem befindet sich bei den israelischen Verteidigungsstreitkräften bereits seit Jahren in der Nutzung. Jetzt profitiert auch die Bundeswehr von den einzigartigen Systemeigenschaften dieses Schutzsystems.

Ein zweites Beispiel ist der nicht nur in Deutschland gestiegene Bedarf an Systemen für die reichweitengesteigerte Raketenartillerie. Im September 2023 hatte der israelische Technologiekonzern Elbit Systems Ltd. mit dem deutschen Panzerbauer KNDS eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die eine strategische Zusammenarbeit bei dem als EuroPULS bekannten Raketenartilleriesystem der nächsten Generation vorsieht. Elbit Systems hat inzwischen einen Auftrag zur Lieferung seiner EuroPULS-Raketenwerfer-Artilleriesysteme an die Bundeswehr erhalten und erweitert damit sein Engagement auf dem europäischen Markt.

Der Krieg in der Ukraine befördert weitere Ansätze für eine intensive Zusammenarbeit Israels mit Deutschland – insbesondere auf dem Gebiet der bodengebundenen Luftverteidigung. Aufgrund der Bedrohung durch Mittel- und Langstreckenraketen hat Deutschland erste Anteile des israelischen Abwehrsystems Arrow 3 erhalten und inzwischen auch an einem der drei dafür vorgesehenen Standorte stationiert.

Eine immer wichtiger werdende Säule der deutsch-israelischen Zusammenarbeit ist die gemeinsame Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Rüstungsgütern. So hat das israelische Unternehmen UVision eine strategische Partnerschaft mit dem Konzern Rheinmetall Defence vereinbart, die gemeinsame Aktivitäten im stark wachsenden Marktsegment der Loitering Munition zum Ziel hat. Das Partnerschaftsabkommen sieht in einer ersten Phase die Vermarktung der Loitering Munitionsfamilie HERO in Europa vor. In einem zweiten Schritt sind dann gemeinsame Entwicklungsaktivitäten vorgesehen. Kurzum: Die deutsch-israelische Rüstungszusammenarbeit lebt von einer starken Vertrauensbasis. Sie ist seit Jahrzehnten Garant dafür, dass die Streitkräfte der beiden Länder von hoch entwickelten und im internationalen Maßstab einzigartigen Technologien profitieren, ohne dass es in der Rückschau zu langwierigen Zeitverschiebungen oder gar Projektabbrüchen gekommen wäre. Diese Zusammenarbeit ist eine Säule der Sicherheitspartnerschaft mit dem Staat Israel. Sie ist im Logbuch der deutschen Politik festgeschrieben und trägt ein klares Bekenntnis auf Langfristigkeit.

Das Raketenartilleriesystem EuroPULS wird bei der Bundeswehr eingeführt und als Nachbeschaffung für an die Ukraine abgegebene MARS-Werfer Modernisierungsimpulse bei der Reichweitensteigerung der deutschen Raketenartillerie setzen. Die Aufnahme zeigt das MARS 3-Raketenartillerie-Werfersystem (EuroPULS) beim Verschuss der neuen 122-mm-Trainingsrakete von Diehl Defence und Elbit Systems auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow (Sachsen-Anhalt).
Foto: Diehl Defence
 
 
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