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Paul Schwichtenberg

Hightech-Schutzschirm aus Europa: Thales stellt Luft- und Raketenabwehrsystem „SkyDefender“ vor

Der französische Technologiekonzern Thales hat ein neues integriertes Luft- und Raketenabwehrsystem vorgestellt. Unter dem Namen „SkyDefender“ soll ein mehrschichtiger Schutzschirm entstehen, der Bedrohungen aus der Luft – von Drohnen bis zu Hyperschallraketen – erkennen, verfolgen und abwehren kann. Das System setzt dabei stark auf künstliche Intelligenz und vernetzte Sensorik.

Reaktion auf neue Bedrohungen

Moderne Luftangriffe werden zunehmend komplexer. Militärs sehen sich nicht mehr nur mit einzelnen Flugkörpern konfrontiert, sondern mit koordinierten Angriffen aus verschiedenen Richtungen und Höhen: Schwärme kleiner Drohnen, Marschflugkörper und hochmoderne Hyperschallwaffen können gleichzeitig eingesetzt werden. Genau auf solche Szenarien zielt SkyDefender ab.

Das System kombiniert unterschiedliche Sensoren, Radare und Abwehrsysteme zu einem gemeinsamen Netzwerk. Herzstück ist eine zentrale Kommando- und Kontrollplattform, die alle Informationen zusammenführt und Einsatzentscheidungen unterstützt. Thales setzt dabei auf künstliche Intelligenz aus seinem KI-Programm „cortAIx“, die große Datenmengen auswertet und Bedrohungen schneller identifizieren soll.

Drei Verteidigungsschichten

SkyDefender arbeitet nach dem Prinzip einer mehrstufigen Verteidigung.Die unterste Ebene dient dem Schutz von Truppen, Infrastruktur und kritischen Anlagen gegen kurzfristige Bedrohungen wie Drohnen oder kleine Flugkörper. Das System „ForceShield“ bildet dabei eine Art Schutzblase im Nahbereich.

Für mittlere Distanzen kommt das Luftabwehrsystem SAMP-T NG zum Einsatz, das Ziele in Entfernungen von bis zu 150 Kilometern bekämpfen kann. Unterstützt wird es von leistungsfähigen Radaren mit einer Reichweite von rund 350 Kilometern.

Auf der obersten Ebene geht es um die frühzeitige Erkennung weit entfernter Bedrohungen. Spezielle Radarsysteme sollen Flugkörper und Kampfflugzeuge noch in mehreren tausend Kilometern Entfernung aufspüren. Ergänzt wird dies durch Satelliten mit Infrarotsensoren, die Raketenstarts aus dem All erkennen können, noch bevor sie in den Erfassungsbereich bodengestützter Radare gelangen.

Offene Architektur und NATO-Kompatibilität

Alle Komponenten werden über das Kommando- und Kontrollsystem „SkyView“ gesteuert. Laut Thales ist die Architektur bewusst offen und modular aufgebaut, sodass bestehende Luftverteidigungssysteme verschiedener Hersteller integriert werden können. Auch die Zusammenarbeit mit NATO-Systemen soll problemlos möglich sein.

Damit positioniert der Konzern SkyDefender als flexible Plattform für nationale oder multinationale Verteidigungsnetze. Das System könne weltweit sofort ausgeliefert werden, betont das Unternehmen.

Europa setzt auf eigene Fähigkeiten

Die Vorstellung des Systems kommt zu einer Zeit, in der viele europäische Staaten ihre Luftverteidigung massiv ausbauen. Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, wie entscheidend moderne Abwehrsysteme gegen Drohnen, Raketen und Marschflugkörper geworden sind.

Mit SkyDefender will Thales nicht nur eine technische Lösung anbieten, sondern auch Europas strategische Unabhängigkeit stärken. „Wir tragen zur Souveränität unserer Nationen bei“, erklärte Hervé Dammann, bei Thales zuständig für Land- und Luftsysteme. Das System sei kampferprobt, leicht integrierbar und sofort verfügbar.

Ob SkyDefender tatsächlich zu einem europäischen Standard wird, dürfte sich in den kommenden Jahren entscheiden – auf einem Markt, der angesichts neuer Bedrohungen so stark wächst wie lange nicht.

Wehrtechnik

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