Stefan Nitschke

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Modernisierung = Fähigkeitserhalt

Die Seestreitkräfte weltweit modernisieren ihre Verfahren und Fähigkeiten im Bereich der Minenjagd und -abwehr. Auch in Europa, wo es Unterschiede bei der Ausstattung mit dafür spezialisierten Plattformen –Minenjagdboote – gibt. Die Deutsche Marine steht hierbei gut dar; sie gilt wegen ihrer jahrzehntelangen Erfahrungen bei der Minendetektion und -bekämpfung als Technologieführer und „Anlehnpartner“. Gleichwohl sieht sich die Flotte in den kommenden Jahren mit großen Herausforderungen konfrontiert.

Finnland – seit dem 4. April 2023 offizielles Mitglied der Nato – verfügt über hochmoderne bei der italienischen Werft Intermarine gebaute Minenjagdboote der KATANPÄÄ-Klasse, wie hier das namensgebende Typschiff „Katanpää“ (40) während erster Erprobungen in der Ostsee.
Foto: Finnische Marine
 

Die Bedrohung ist real. Der andauernde Krieg gegen den Iran – und die iranische Drohung, Seeminen in der Straße von Hormus einzusetzen – erinnert uns daran, dass die Seemine eine tödliche Gefahr darstellt. Die Seemine gilt als „ultimative Fire-and-Forget-Waffe“: Sie ist verhältnismäßig kostengünstig, einfach einzusetzen und äußerst effektiv.

Um diese Gefahr besser zu verstehen, ist es wichtig zu erkennen, dass Seeminen und andere Unterwassersprengkörper – die sich in Größe, Form, Wirkungsweise und Letalität unterscheiden – als asymmetrische Bedrohungen eingestuft werden; zudem können sie als asynchrone Waffen gelten, da ihre Wirkung typischerweise erst lange nach ihrer Verlegung eintritt. Sollte der Iran Seeminen – oder gar ganze Minenfelder – in der Straße von Hormus und den angrenzenden Regionen des Arabischen/Persischen Golfs verlegt haben oder dies planen, müssen drei Fragen beantwortet werden: Erstens: Um welche Art von Seeminen handelt es sich? Zweitens: Wie hoch ist die Dichte der Minenverlegung? Drittens: Wo genau verlaufen die äußeren Grenzen der minenverseuchten Gebiete oder Minenfelder?

Norwegen: Der Einsatz von unbemannten Systemen – wie hier die von einem Katamaran-Minensuchboot der norwegischen OKSØY-Klasse zu Wasser gelassene Unterwasserdrohne HUGIN 1000MR – erfolgt im Kontext einer weiterhin steigenden Bedrohung durch Seeminen und andere Unterwassersprengkörper.
Foto: Kongsberg Defence & Aerospace
 

Es bedarf einer robusten Reaktion

Die Seestreitkräfte müssen entsprechend gut ausgerüstet sein, um der Bedrohung durch Seeminen zu begegnen. Das schließt – neben der Sicherung wichtiger Seeschifffahrtswege und Küstengewässer auch den Schutz strategisch bedeutsamer Meerengen, maritimer Engstellen sowie ziviler und militärischer Häfen ein.

Autonome bzw. unbemannte Technologien wirken hier als inhärenter „Force Multiplier“, indem sie die Minenjagdkräfte bei der Detektion, Identifizierung, Klassifizierung und Neutralisierung von Minenbedrohungen ganz entscheidend unterstützen. In einem 2018 veröffentlichten Papier stellen J. C. Rigby et al. [1] fest, dass der Einsatz autonomer und unbemannter Systeme künftig maßgeblich dazu beitragen wird, die Fähigkeiten moderner Minenabwehrfahrzeuge (Mine Countermeasure Vessels; MCMVs) nicht nur zu erhalten, sondern auch spürbar zu erweitern. Hierbei spielen ein Höchstmaß an Modularität und Kommunalität eine herausragende Rolle, so die Bearbeiter. Die Autoren warnen allerdings davor, dass die Leistungseigenschaften derzeitiger Schiffsklassen – insbesondere in Bezug auf Schiffsdesign (Bootskörper, Rumpfform, Größe/Einsatzverdrängung, Antrieb) und Aufwuchspotenzial (growth potential) – angesichts der Anforderungen, die autonome Systeme mit sich bringen, längst nicht mehr ausreichen. Folglich müssten Schiffbauer die Designmerkmale neuer Schiffsklassen überdenken, um mit dem nächsten Entwicklungsschritt bei den Fähigkeiten zur Abwehr der sich wandelnden Seeminenbedrohung gleichzuziehen. Das Suchen und Vernichten von Seeminen bleibt somit auch künftig die Hauptaufgabe moderner Minenabwehrfahrzeuge.

Polen: Der Entschluss der polnischen Seestreitkräfte (Marynarka Wojenna Rzeczypospolitej Polskiej), ihre Minenjagdkräfte zu modernisieren, zahlt sich aus: Sechs Einheiten der KORMORAN II-Klasse – auch als Projekt 258 bekannt – bilden einen Fähigkeitspool, der auf die Sicherheit im Ostseeraum maßgeblichen Einfluss hat. Die Boote (hier die am 28. November 2017 in Dienst gestellte „Kormoran“) sind aus korrosionsbeständigem und entmagnetisierten austenitischem Stahl hergestellt.
Foto: Kriegsmarine der Republik Polen
 

Zu den entscheidenden Konstruktionsmerkmalen zukünftiger Plattformen gehören daher neuartige (unkonventionelle) Rumpfformen (die das Aussetzen und Einholen großer unbemannter Systeme ermöglichen), eine hinreichende Aufnahmekapazität für modulare Missionsnutzlasten, eine Decksausrüstung, die die Handhabung großer unbemannter Systeme – UxVs – und den schnellen Fahrzeugwechsel an Bord sicherstellen, ein verbessertes Lagebewusstsein und eine optimierte Führungsfähigkeit (integrierte Navigations- und Brückensysteme, Führungs- und Waffeneinsatzsysteme), reduzierte Signaturen (Überlebensfähigkeit) und flexible Antriebsanlagen (Geräuschsignatur).

Das von den Niederlanden und Belgien gemeinsam betriebene rMCM-Programm – zwölf Minenjagdeinheiten mit umfassender Ausstattung an unbemannten, autonomen und ferngesteuerten Systemen – bietet ein Höchstmaß an Modularität und Kommunalität. Insgesamt sollen so einhundert Drohnen in einem gemeinsamen Pool – der so genannten „Toolbox“ – vorgehalten werden. Diese operieren vernetzt und offerieren für die Nato-weit geforderte „Stand-off-Minenabwehr“ ein völlig neues Fähigkeitsdispositiv. Zum Vergleich: Die neue Schiffsklasse (CITY- bzw. VLISSINGEN-Klasse) ist viermal größer als die Minenjäger der TRIPARTITE-Klasse, die jetzt sukzessive abgelöst werden können.

Das belgisch-niederländische Projekt rMCM fußt auf der Entwicklung eines neuen Typs von großen Minenabwehrschiffen, ausgestattet mit einer Vielzahl an unbemannt bzw. autonom operierenden Systemen zur Ortung, Klassifizierung und Räumung von Seeminen.
Foto: Naval Group

Schlussfolgerung

Der Bedarf der Seestreitkräfte an modernen Minenabwehrfahrzeugen ist signifikant. Ein Beispiel hierfür findet sich in Südostasien: Das indonesische Verteidigungsministerium hat sich für einen 62 Meter langen Entwurf der Werft Abeking & Rasmussen (A&R) entschieden, der auf dem bewährten Design der FRANKENTHAL-Klasse der Deutschen Marine basiert. Im August 2023 wurden zwei Einheiten (FANI-Klasse) in Dienst gestellt; sie ersetzen zwei Minenabwehrfahrzeuge des Typs TRIPARTITE (PULAU-RENGAT-Klasse), die im Jahr 1988 in Dienst gestellt worden waren.

Schiffbauer weltweit präsentieren weiterhin ihre Konzepte für neue Klassen leistungsstarker und hochmobiler Minenabwehrfahrzeuge, die eine robustere Minenabwehrfähigkeit bieten als der Großteil der derzeitigen Bestände an Plattformen aus den 1990er-Jahren.

Exkurs Südostasien: Die für die Indonesische Marine gebauten zwei Minenjagdboote – KRI Pulau Fani (731) und KRI Pulau Fanildo (732) – wurden am 14. August 2023 in Dienst gestellt.
Foto: Abeking & Rasmussen
 

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