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Helsing und OHB schmieden Allianz für militärische KI-Satelliten

Europäische Industriepartner bauen System zur Echtzeit-Zielerfassung aus dem Orbit

Bremen/München. Der Rüstungs- und KI-Spezialist Helsing und der Raumfahrtkonzern OHB bündeln ihre Aktivitäten im Bereich militärischer Weltraumsysteme. Beide Unternehmen gründen ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Arbeitstitel „KIRK“ („Künstliche Intelligenz und Raumfahrt-Kompetenz“) und übernehmen zugleich die Führung eines erweiterten Industriekonsortiums zur Entwicklung eines weltraumgestützten Aufklärungs- und Zielerfassungssystems.

Dem Konsortium gehören neben Helsing und OHB auch Kongsberg Defence & Aerospace sowie HENSOLDT an. Ziel ist der Aufbau eines europäischen Systems zur taktischen Überwachung, Aufklärung und Zielerfassung aus dem Orbit. Die Unternehmen reagieren damit auf den steigenden militärischen Stellenwert des Weltraums in modernen Konflikten.

Satellitendaten sollen nahezu in Echtzeit ausgewertet werden

Nach Angaben der Partner soll das System Satellitendaten nahezu in Echtzeit auswerten und für militärische Entscheidungs- und Wirkungsketten nutzbar machen. Kern des Projekts ist eine KI-basierte Datenverarbeitung, die Sensorinformationen automatisiert analysiert und Zielerkennung beschleunigt. Damit wollen die Unternehmen die Zeitspanne zwischen Datenerfassung und Zielbekämpfung deutlich verkürzen.

Das Vorhaben baut auf einer bereits Ende 2025 geschlossenen Kooperation von Helsing, Kongsberg und HENSOLDT auf. Mit dem Einstieg von OHB wird das Konsortium nun um Raumfahrtkompetenz für Entwicklung, Betrieb und Integration kompletter Satellitensysteme erweitert.

Softwarezentrierter Ansatz für moderne Gefechtsführung

Technologisch setzen die Partner auf einen softwarezentrierten Ansatz. Die Satelliten sollen „software-defined“ ausgelegt werden und sich damit flexibel an neue Bedrohungsszenarien anpassen lassen. KI-Anwendungen sollen sowohl an Bord der Satelliten als auch in den Bodensystemen eingesetzt werden, um Datenströme schneller auszuwerten und operative Entscheidungen zu unterstützen.

Die Aufgaben im Konsortium sind klar verteilt: Helsing liefert KI-Software für Echtzeit-Datenverarbeitung, Multisensorfusion und automatisierte Zielerkennung. OHB übernimmt Entwicklung und Betrieb der Raumfahrtsysteme. HENSOLDT steuert weltraumtaugliche Sensorik und mobile Bodenstationen bei, während Kongsberg Kleinsatelliten, sichere Kommunikationslösungen sowie die Einbindung in bestehende C4ISR-Strukturen bereitstellt.

Mittelstand und Start-ups sollen eingebunden werden

Darüber hinaus planen die Unternehmen die Einbindung von mittelständischen Zulieferern und Start-ups. Damit soll zugleich die deutsche und europäische Raumfahrtindustrie gestärkt werden.

„Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie wichtig weltraumbasierte Zielerfassung geworden ist“, sagte Helsing-Co-CEO Gundbert Scherf. Europa müsse seine technologische Souveränität im Orbit sichern. OHB-Chef Marco Fuchs betonte die Bedeutung KI-gestützter Raumfahrtsysteme für eine modernisierte Bundeswehr und verwies auf den steigenden Bedarf an schnell verfügbaren und präzisen Aufklärungsdaten.

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