Militärische Schlüsseltechnologie „Made in Germany“ – TKMS als bevorzugter Lieferant für das Canadian Patrol Submarine Project (CPSP) ausgewählt
Für das kanadische Uboot-Programm der 2030er Jahre – CPSP – hat die kanadische Regierung am Montag den deutschen Werftenkonzern TKMS als Lieferant des von Deutschland und Norwegen gemeinsam bestellten Uboot-Designs 212CD (Common Design) ausgewählt. Die Auswahlentscheidung erfolgte kurz vor dem Beginn des Nato-Gipfeltreffens in Ankara (7. und 8. Juli). Kanada will bis zu zwölf dieser konventionell angetriebenen Uboote beschaffen. Damit erhält TKMS seinen größten Einzelauftrag in seiner Unternehmensgeschichte.
Die Partnerschaft wird dem Vernehmen nach die nationale Sicherheit, die Interoperabilität innerhalb der Nato und die langfristige industrielle Zusammenarbeit stärken und dauerhafte wirtschaftliche Vorteile für Kanada schaffen. Ein zwischenstaatlicher Rahmenvertrag soll den Aufbau moderner Uboot-Kapazitäten im Land unterstützen und eigenständige kanadische Instandhaltungsstrukturen etablieren.
Kanada plant bereits seit langem, seine Flotte von diesel-elektrischen Ubooten der UPHOLDER-Klasse durch eine neue Klasse von außenluftunabhängigen Ubooten zu ersetzen. Die vier zwischen 1983 und 1992 ursprünglich für die britische Royal Navy gebauten und 2002 an die Königlich Kanadische Marine (Royal Canadian Navy; RCN) abgegebenen Boote sind von Obsoleszenzen betroffen. In den zurückliegenden Jahren wurden die Boote im Rahmen umfangreicher Modernisierungsmaßnahmen mit neuer Hard- und Software ausgerüstet.
TKMS hatte seine Uboot-Klasse 212CD mit außenluftunabhängigem Antrieb (Air Independent Propulsion; AIP) in einem scharfen Wettbewerb mit der südkoreanischen Werft Hanwha Ocean angeboten. Die bis Mai 2023 unter dem Namen Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering (DSME) bekannte Werft offerierte mit dem KSS-III CPS (Canadian Patrol Submarine) ein vergleichsweise kostengünstiges Uboot.
Auf diese neue Fähigkeit kommt es an
Das nicht-nuklear angetriebene Uboot hat nichts von seiner Bedeutung verloren. Es stellt eine markante Fähigkeitsergänzung moderner Seestreitkräfte dar. Mit der Auswahlentscheidung Kanadas für 212CD entsteht das Fundament einer strategisch bedeutsamen und auf Langfristigkeit angelegten Kooperation zwischen Norwegen, Kanada und Deutschland. Die kanadischen Seestreitkräfte versprechen sich hiervon eine grundlegende Neujustierung ihrer Fähigkeit zur Unterwasserkriegführung insbesondere in Gewässern der Nato-Nordflanke und in der Arktis. Mit dem für das kommende Jahr erwarteten Vertragsabschluss wird Kanada Teil einer strategischen Partnerschaft, mit der sich eine Stärkung der über viele Jahre zwischen den drei Nato-Partnern gelebten Marinekooperation verbindet.
Kanada betrachtet die Zusammenarbeit mit Deutschland und Norwegen als grundlegende Voraussetzung dafür, dass die drei Bündnispartner – gemeinsam mit weiteren Nato-Partnern wie Großbritannien – in die Lage versetzt werden, mehr Präsenz (“presence”) und Abschreckung (“deterrence”) insbesondere entlang der Nordflanke der Nato und in der Arktis zu zeigen. Dies erfolgt im Kontext weiter zunehmender Bedrohungen in der Region.
Mit der deutsch-norwegisch-kanadischen Ubootkooperation könnten nicht nur neue Fähigkeiten auf dem Gebiet der Unterwasserkriegführung erreicht werden. Auch im Bereich der weiträumigen Seeraumüberwachung erfolgt zwischen den drei Nato-Partnern eine enge Zusammenarbeit, die mit der gemeinsam erfolgten Anschaffung des aus US-amerikanischer Produktion stammenden Seefernaufklärungsflugzeugs P-8A Poseidon verwirklicht werden wird.
Als Mehrzweckplattformen entworfen und kontinuierlich an die Einsatzanforderungen angepasst, verfügt die HDW-Klasse 212CD über Technologien, die es ihr erlaubt, vernetzte Operationen zu unterstützen, vielseitige Überwachungs-, Erkundungs- und Aufklärungsaufgaben durchzuführen und als vollständig integrierter Bestandteil einer Kampfgruppe zu agieren. Dank der sich rasch fortentwickelnden Technologien im Unterwasserbereich werden diesem Uboot-Typ künftig zusätzliche und neue Aufgaben – etwa auf dem Gebiet der Bekämpfung von See-, Land- und Luftzielen – zukommen. Mit dem gemeinsam von Deutschland und Norwegen entwickelten Combat System ORCCA wird eine Vernetzung sämtlicher Sensoren und Waffensysteme bei maximaler IT-Sicherheit verwirklicht.
Die mit modernster konventioneller Antriebstechnik (Brennstoffzelle) angetriebene HDW-Klasse 212CD besitzt inhärente Fähigkeiten, die von keiner anderen Waffenplattform leistbar sind. Die Uboote dieser Klasse gelten als unsichtbar, verfügen über eine große Überlebensfähigkeit und bieten eine hohe Seefestigkeit (unbeeinflusst vom Wetter) und eine langanhaltende Ausdauer. Die Kanadische Marine betrachtet die zukünftige Nutzung der neuen Uboote in sowohl arktischen wie auch warmen Gewässern (Pazifik) als Grundvoraussetzung dafür, dass damit eine glaubwürdige Abschreckung und Präsenz geschaffen werden kann.
Für die drei Nato-Partner Deutschland, Norwegen und Kanada werden die Uboote der HDW-Klasse 212CD eine grundlegende Erweiterung ihrer Fähigkeiten im Unterwasserbereich mit sich bringen. Mit Blick auf die technologischen Potenziale der neuen Boote ist klar erkennbar, dass mit einem erweiterten Waffenmix (Torpedo/Lenkflugkörper) eine Verbesserung der Wirksamkeit einhergehen wird.
Stefan Nitschke
