Es ist wieder einmal „spektakulär“, nur noch schlimmer: US-Präsident Donald Trumps jüngste Intervention bei der FIFA und seine erneuten Drohungen gerichtet an Kopenhagen bezüglich einer Übernahme oder besser gesagt Annexion Grönlands. Hinzu kommt seine Teilnahme am jüngsten Nato-Gipfel in Ankara – eine zweitägige Veranstaltung, die reichlich Stoff für Überlegungen zur Zukunft der Nato liefert.
Der Präsident der größten Volkswirtschaft und Militärmacht der Welt, der in einem von Katar geschenkten Jumbo-Jet zum Nato-Gipfel in Ankara anreiste, setzte auf seine altbekannten Parolen und Anschuldigungen: Er beklagte, dass Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien nicht genug zur Unterstützung der USA in deren Krieg gegen den Iran täten. Er forderte ein stärkeres Engagement der europäischen Verbündeten – und drängte sie dazu, für ihre Sicherheit zu sorgen – und zu zahlen. Zudem äußerte er sich während eines bilateralen Treffens mit dem türkischen Präsidenten und Staatschef Recep Tayyip Erdoğan in dessen Präsidentenpalast dahingehend, dass „die USA nicht eilig zur Verteidigung von Nato-Staaten schreiten werden, wenn diese nicht mehr für das Militär ausgeben“. Trump betonte wiederholt seine Freundschaft zu Erdoğan und bekräftigte seine Überzeugung, er sei einzig aus diesem Grund nach Ankara gekommen.
Auch wenn die Europäer versuchten, ihn mit vielversprechenden Zahlen zu steigenden Verteidigungsausgaben zu beschwichtigen, wobei die europäischen Nato-Staaten planen, erheblich mehr Geld in Langstreckenwaffen und Systeme zur Drohnenabwehr zu investieren als je zuvor (allein Deutschland plant für dieses Jahr Investitionen in Höhe von 124,7 Milliarden Euro), bleibt abzuwarten, ob die Argumente von Nato-Generalsekretär Mark Rutte Früchte tragen werden.
Die mediale Berichterstattung ist unerbittlich: Quellen in einigen Ländern des „alten Nato-Europas“ spekulieren über dramatische Veränderungen, die sehr bald eintreten könnten oder werden. Obwohl Trump eigentlich von Kanadas milliardenschwerer Investition in den Erwerb deutscher Uboote gehört oder darüber gelesen haben müsste, blieb er bei der Rhetorik, die wir bereits aus seiner ersten Amtszeit (2017–2021) kennen. Und gab es da nicht auch den Wunsch Deutschlands, für viel Geld Langstreckenwaffen aus den USA zu erwerben – ein Vorhaben, das er, oder vielmehr seine Regierung, prompt ablehnte? Der ehemalige Präsident Joe Biden hatte einem solchen Geschäft mit Berlin längst zugestimmt. Nun will Trump davon nichts mehr wissen und mahnt Deutschland erneut, mehr für seine Sicherheit auszugeben. Eine verkehrte Welt der Diplomatie unter Freunden. Oder etwa nicht?
Stefan Nitschke, Chefredakteur
