Gestern wurde am Rheinmetall-Standort Blohm+Voss in Hamburg die fünfte und letzte Korvette K130 (2. Los) mit dem Namen „Lübeck“ (F 269) getauft. Das zweite Baulos gilt als eines der wichtigsten Neubauvorhaben für die Deutsche Marine.
Die endausgerüstete Einheit durchläuft nach ihrer Inbetriebnahme nun die erforderlichen Funktionsüberprüfungen und Abnahmen. Tim Wagner, CEO der Rheinmetall-Division Naval Systems, erläuterte, dass mit der Taufe der letzten Einheit aus dem zweiten Baulos eine wichtige Etappe im Gesamtprojekt erreicht werde. In diesem Jahr soll dann noch die Ablieferung der ersten beiden Korvetten des zweiten Bauloses – „Köln“ (F 265) und „Emden“ (F 266) – an die Flotte erfolgen. Der Stapellauf der beiden Einheiten erfolgte am 30. Oktober 2020 bzw. 17. August 2021. Ursprünglich sollten die fünf neuen Korvetten bis 2023 bei der Marine in Dienst gestellt werden.

Fotos: Rheinmetall Naval Systems/Felix Matthies
Worauf es ankommt: Die fünf Korvetten des zweiten Loses werden durch die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) K130 unter Federführung der Rheinmetall-Division Naval Systems in Zusammenarbeit mit TKMS und German Naval Yards Kiel gefertigt. Hierbei zeigt sich, dass der deutsche Marineschiffbau von den Vorteilen des in den 1970er Jahren von Blohm+Voss eingeführten MEKO-Prinzips profitiert. Die seinerzeit entwickelten Baumodule wurden in den letzten Jahren durch Missionsmodule ergänzt, die es dem Nutzer ermöglichen, Einheiten in sehr kurzer Zeit von einer Mission auf eine andere durch die Integration von lageangepassten Bewaffnungs- oder Sensorikmodulen für ein spezielles Einsatzprofil zu optimieren. Ein hoher Grad an Modularisierung ist daher bestimmend für den Bau moderner Überwasserschiffe.
Der Neubau von Überwasserschiffen prägt das Erscheinungsbild der Deutschen Marine nachhaltig. Damit wird dem Erhalt von wichtigen Fähigkeiten und der Schaffung neuer Befähigungen Rechnung getragen. Als „kleinste Marine aller Zeiten“ unlängst durch den amtierenden Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, betitelt, durchlebt sie dennoch eine spürbare Verjüngung ihrer Überwasserflotte und somit eine vor dem Hintergrund des aktuellen Konfliktgeschehens dringende Fähigkeitsanpassung. Das Erreichen der Kriegstüchtigkeit ist damit abhängig von einer termingerechten Ablieferung neuer Einheiten und der Ausstattung mit bedarfsgerechten Sensoren, Waffen sowie Aufklärungs- und Kommunikationsmitteln.
Insbesondere muss sich die Überwasserflotte – und damit die für den Ostseeraum verantwortliche Einsatzflottille 1 (EinsFltl 1) – stringent an den Nato-Vorgaben, aber auch entlang dem von der Marine dem Bündnis zugesagten Fähigkeitsoptimum orientieren und materiell wie personell weiter aufwachsen. So erfolgt der Zulauf der ersten Korvetten K130 (2. Los) auch im Fahrwasser einer Obsoleszenzbeseitigung bei den fünf Korvetten des ersten Bauloses. Im Zuge ihrer Indienststellung (2008-2013) wurde wiederholt Kritik an der Ausstattung der Einheiten mit weitreichenden Waffensystemen (RBS 15 Mk3) und unbemannten Systemen (Marinedrohne) geäußert.
Was die neuen Korvetten bieten: Keine Frage – obgleich die Korvetten Klasse 130 und insbesondere die Neubauten aus dem Baulos 2 für wichtige maritime Aufgaben – zusammen mit Bündnispartnern – in der Ostsee prädestiniert sind, können diese auch in anderen Randmeeren wie dem Mittelmeer zum Einsatz kommen. Eine Teilnahme an einer Sicherungsoperation an den Aus- und Zugängen zum Arabischen/Persischen Golf steht hier außer Frage. Die Kombination von Minenjagdbooten und Tender mit einer oder mehreren Korvetten – als Schutzkomponente – ist ein gangbarer Weg. Die Korvetten aus dem ersten Baulos verfügen hierfür inzwischen über ausreichende Kapazitäten – von moderner Sensorik (Radar, Elektro-Optik) bis zu robusten Fähigkeiten auf dem Gebiet der Luftverteidigung im Nah- und Nächstbereich. Damit wird in bedrohten Küstengewässern eine hinreichende Grundbefähigung (presence) erreicht.
Mit der gestern erfolgten Taufe der fünften Einheit aus dem zweiten Baulos verbindet die Marine ihren Anspruch, bei internationalen Einsätzen und Missionen beteiligt zu sein. Das ist und war nicht immer so. Die Engpässe bei den schwimmenden Einheiten – und auch der Personalmangel – sind der Grund dafür, dass die Marine – anders als andere europäische Bündnispartner – eher zurückhaltend agiert, wenn es darum geht, Überwassereinheiten – in einem ausgewogenen Fähigkeitsmix – für Einsätze außerhalb der heimischen Gewässer vorzuhalten. Die Fortführung des Neubauprogramms Korvette K130 2. Los aber bringt der Marine die gewünschten zusätzlichen Fähigkeiten und vor allem solche, die in bedrohten Küstengewässern genutzt werden können. Dazu gehört, dass die neuen Korvetten – wie auch die Einheiten des ersten Bauloses – über glaubhafte Fähigkeiten auf dem Gebiet der Abschreckung (deterrence) verfügen. Dieser Befund findet in weltweit unternommenen Korvettenbauvorhaben Berücksichtigung. Somit unterliegen die Korvetten auch nach ihrer Indienststellung (2026 – x) einem intensiven technischen Wandel, denn Innovationen im schiffbaulichen und Ausrüstungsbereich führen dazu, dass die Einheiten kontinuierlich an das veränderte und künftig erwartete Aufgabenspektrum – und somit an sich ständig verändernde Bedrohungslagen – angepasst werden müssen.
