Auf der multinationalen Übung REPMUS (Robotic Experimentation and Prototyping augmented by Maritime Unmanned Systems) hat die Flensburg Technology Systems GmbH (FTS) ihr neues unbemanntes Überwasserfahrzeug – mit dem Namen JOKER – im Rahmen einer hoch dynamischen Leistungsschau präsentiert. Die FTS ist ein deutsch-israelisches Joint Venture zwischen der FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH (FFG) und der IAI/ELTA Systems Ltd. (IAI/ELTA) mit Sitz in Flensburg.

Interoperabilität und Modularität entscheiden über den Erfolg: Dank seiner modularen Konfiguration lässt sich das autonom agierende unbemannte Überwasserfahrzeug JOKER an unterschiedliche operative Anforderungen anpassen.
Foto: Flensburg Technology Systems GmbH
REPMUS 2026: Debüt des Joker USV
JOKER wurde für ein anspruchsvolles Anforderungsprofil konzipiert und ist ausrüstungstechnisch in der Lage, im maritimen Umfeld zu patrouillieren, Ziele zu erkennen und zu identifizieren und diese mit hoher Präzision zu bekämpfen. Hierbei umfasst der Zielkatalog sowohl bewegte Überwasserziele als auch stationäre maritime Ziele.
Das vor der Halbinsel Tróia an der Atlantikküste des Alentejo (Südportugal) bei der multinationalen REPMUS-Übung gezeigte USV ist für Verteidigungs- und maritime Aufklärungsmissionen sowie Präzisionsangriffe (precision strike) konzipiert. Die Plattform kombiniert die kinetische Durchschlagskraft von Lenkmunition mit der operativen Flexibilität eines autonomen USV und bietet den Seestreitkräften eine agile, kosteneffiziente Fähigkeit sowohl für maritime Verteidigungs- und Angriffsmissionen. Der JOKER wurde im maritimen Einsatzbereich operativ validiert und habe dabei seine Fähigkeiten zur Zielerfassung und -bekämpfung unter Beweis gestellt, soweit eine Verlautbarung der FTS von heute Vormittag.
Das jährliche REPMUS-Übungsformat der Portugiesischen Marine (Marinha Portuguesa) zählt zu den bedeutendsten Aktivitäten auf nationaler Ebene und auf Ebene der Nato zur Entwicklung von Fähigkeiten im Bereich unbemannter maritimer Systeme (Maritime Unmanned Systems; MUS). Angesichts aufkommender Bedrohungen und anhaltender Instabilität im euro-atlantischen Raum gewinnt sie weiter an Bedeutung. Die Übung REPMUS gilt somit als ein zentraler Bestandteil bei der Entwicklung gemeinsamer Bündnisfähigkeiten im Bereich autonomer bzw. unbemannter maritimer Systeme.
Die durch die russische Vollinvasion in der Ukraine eingeleitete strategische Wende in der euro-atlantischen Sicherheit führt zu einer konsequenten Weiterentwicklung unbemannter Einsatzsysteme im maritimen Bereich. Die Einbindung neuartiger Plattformen und Systeme wie JOKER in maritime Operationen spiegelt das Bestreben der Nato wider, ihre maritimen Fähigkeiten quantitativ und qualitativ auszubauen, um Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit zu stärken.
JOKER ist laut FTS darauf ausgelegt, einer breiten Palette maritimer Bedrohungen zu begegnen, darunter Überwasserfahrzeuge wie Sprengstoff-tragende Speedboats (Sprengboote oder im modernen Kontext „Kamikaze“-Seedrohnen), die Häfen sowie Seestreitkräfte bedrohen. Die JOKER-Plattform bietet gleichzeitig operative Fähigkeiten gegen strategische maritime Infrastruktur sowie Hochwertziele auf See (bspw. Korvetten).
Die modulare Architektur ermöglicht die Anpassung an vielfältige Missionsszenarien und die Integration in eine Architektur, die neben bemannten Plattformen auch weitere unbemannte Systeme (z. B. autonome Unterwasserfahrzeuge) sowie bedarfsgerecht einsetzbare Angriffs- und Aufklärungsmittel umfasst. Jede Mission kann (geografisch) von verschiedenen Standorten aus über ein Command-and-Control (C2)-System geführt werden. Eine Einbindung der C2-Komponenten auf Überwasserschiffen, an vorgeschobenen Stützpunkten (Forward Operating Bases, FOBs) oder im Marinehauptquartier selbst ist möglich.
Dank der Nutzung von Satellitenkommunikation kann jede Mission über große Distanzen hinweg geführt werden. Hierzu ist JOKER mit einer integrierten Navigations- und Steuerungssuite ausgestattet, einschließlich einer störsicheren INS/GPS-Einheit mit Kompass- und Kurssteuerungskomponenten, einem fortschrittlichen Missionscomputer sowie Echtzeit-Video- und Telemetrieübertragung an den Bediener.
Für FTS war es wichtig, JOKER – je nach Missionsanforderungen – autonom oder ferngesteuert einsetzen zu können, etwa im Kontext eines koordiniert agierenden unbemannten Kräftedispositivs. Mehrere JOKER-Plattformen können so gemeinsam operieren. Das Überwinden stark verteidigter Bereiche (also ‚No-go‘-Zonen des Gegners, um den Zugang eigener konventioneller Kräfte zu unterbinden) findet sich genauso im Fähigkeitskatalog wie das Vereiteln von feindlichen Aufklärungsmissionen.
Stefan Nitschke
Chefredakteur

Foto: Flensburg Technology Systems GmbH (FTS)
