Worüber der Weltklimarat nicht spricht

30/11/2023

Wehrmeteorologie heute und gestern

Die Erfassung von Wetterdaten spielt in den Streitkräften eine sehr wichtige Rolle. Dies belegen zahlreiche Aufzeichnungen aus dem Zweiten Weltkrieg, dem Vietnam- und Koreakrieg und den militärischen Auseinandersetzungen im Nahen und Mittleren Osten. Die Kriegsschauplätze reichen von der periglazialen (z. B. Nordnorwegen) bis hin zur tropisch humiden Klimazone (z. B. Guadalcanal).   

Auch in der Zeit des Kalten Krieges und danach wurden Meteorologen in den Streitkräften eingesetzt. Die meteorologischen Aufgaben sind heute im Bereich des Geoinformationsdienstes der Bundeswehr (GeoInfoWBw), mit dem Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr (ZGeoBw) in Euskirchen, angesiedelt. Es gibt eine spezielle Gruppe Meteorologie beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach mit zwei aerologischen Messzügen der Bundeswehr (Kümmersbruck, Bergen). Im Sechsstunden-Zyklus werden mit Radiosonden bis in Höhen von 40 km die Messdaten für das nationale Basismessnetz sowie das internationale Datennetz bereitgestellt. Vor der Reduzierung der Bundeswehr befand sich der meteorologische Vorhersagedienst am Standort Traben-Trarbach.

Militärische Operationen werden ganz entscheidend durch die herrschenden Umweltbedingungen beeinflusst. Zahlreiche Beispiele auch aus der jüngeren Vergangenheit belegen, dass letztendlich günstige oder
ungünstige Geofaktoren über Erfolg oder Misserfolg militärischer Operationen entschieden haben. (Bundeswehr/Jonas Weber)

Kampfeinsatz an der Wetterfront
In einer militärischen Auseinandersetzung wie dem Zweiten Weltkrieg wird aus dieser, in den zivilen Dienststellen ausgeübten, Tätigkeit schnell ein „Kampfeinsatz an der Wetterfront“. Wettertrupps mussten auch in unwirtlichen Regionen der Arktis ihre Aufgaben erfüllen; denn die kriegführenden Parteien waren gezwungen, die Datenerhebung selbst in die Hand zu nehmen, da mit Beginn des Krieges der internationale Datenaustausch zwischen den meteorologischen Diensten eingestellt wurde. Anders als bei der Bundeswehr, wurde die Wehrmeteorologie damals teilstreitkraftgebunden durchgeführt. Im Zweiten Weltkrieg sind bis zum 6. April 1944, 158 Soldaten des meteorologischen Fachdienstes gefallen, eine Zahl, die sich bis Kriegsende noch auf über 200 erhöhte.

Die Flugzeuge der Wettererkundungsstaffeln (Wekusta) der deutschen Luftwaffe drangen bis weit in den Bereich der nördlichen Polarzone vor, wo die „Wetterküche“ für Europa liegt. Hierfür kamen nur langstreckentaugliche, mehrmotorige Maschinen der Typen Junkers Ju 88 D1 bis D5 und T-1, die Junkers Ju 188 F-1 und die Focke Wulf Fw 200 C-3 „Condor“ in Frage. Die Wekustas entwickelten sich aus den Fernaufklärer-Gruppen, die bis Kriegsende die Basiseinheit waren, wie das Beispiel der Fernaufklärer-Gruppe 122 mit Friedensstandort Goslar beweist. Die 6.(F)/122 war identisch mit der Westa 26. Eine Ausnahme stellte die I./KG 40 (Kampfgeschwader 40) dar, die mit ihren Fw 200 von Bordeaux-Mérignac zusätzlich zur bewaffneten Seeaufklärung für die Uboot-Flottillen auch für die Wettererkundung in der Biskaya und den Nordwest-Atlantik zuständig war. Im Nordwesten bis hin nach Labrador kamen auch automatische Wetterbojen zum Einsatz, die ihre Daten verschlüsselt an die Luftwaffendienststellen (Wetterstation „Kurt“) bzw. Marinedienststellen (Wetterstation „Kröte“) übermittelten. Die Marine verfügte über eigene Wetterschiffe (z. B. Wuppertal, München) und unterhielt zahlreiche geheime Wetterstationen auf Grönland, Spitzbergen, der Bäreninsel und Franz-Josefs-Land, die immer der Gefahr ausgesetzt waren, aufgebracht bzw. ausgehoben zu werden.

Dabei schrieb einer dieser Wettertrupps mit dem Decknamen „Haudegen“ Militärgeschichte. Am 14. September 1944 nahmen elf Marinesoldaten unter Führung von Leutnant Dr. Dege in Spitzbergen ihren Dienst auf, wo sie, wie ihre zivilen Kollegen, achtmal täglich ihre Wettermeldungen zu den Parametern Luftdruck, Temperatur, relative Luftfeuchte, Sicht, Windrichtung, Bewölkung, Niederschlag, Verdunstung und Bodentemperatur erstellten. Die gewonnen meteorologischen Daten wurden in verschlüsselten Funksprüchen an die Marinefunkstelle Tromsö (Tromsø) und von dort an das Oberkommando der Marine in Berlin per Fernschreiber weitergeleitet. Am 8. Mai 1945 kapitulierte die Wehrmacht bedingungslos, nicht jedoch die Wetterstation „Haudegen“. Sie führte pflichtbewusst ihren Dienstauftrag weiter aus, nur die Empfänger hatten sich geändert. Am 4. September 1945 kapitulierte auch diese Wehrmachtseinheit der Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg, zwei Tage nach der Kapitulation des japanischen Kaiserreichs.

Wenn das Wetter den Kriegsverlauf diktiert
Ob eine Bodenoffensive ein Erfolg wird oder im Schlamm stecken bleibt, hängt zu einem großen Teil von den Wetterbedingungen ab. Die „Rasputiza“ bspw. ist ein Wetterphänomen, das periodisch im Frühjahr und im Herbst in Osteuropa auftritt. Im Verein mit den tiefgründigen Schwarzerde-Böden schränk(t)e sie in den weiten Ebenen der Ukraine und Russlands die Beweglichkeit von Truppen im Zweiten Weltkrieg ein und spielt auch gegenwärtig im russisch-ukrainischen Krieg eine Rolle. Die Luftwaffe kennt nur zwei Wettertypen. Fliegerwetter bedeutete, dass man die Sache entspannt sehen kann, Flugwetter bedeutet jedoch immer Arbeit für die Besatzungen. Am schlimmsten jedoch kann es die Marine treffen, wenn ihre schwimmenden Einheiten in einen unvorhergesehenen Sturm kommen. Das traf vor allem im Zweiten Weltkrieg für den pazifischen Raum zu, wo die US Navy durch meteorologische Fehlinterpretation höhere Verluste durch Stürme als bei manchen Seegefechten verzeichnete. Diese Wetterphänomene traten besonders 1944 und 1945 in der Endphase des „Inselspringens“ auf. Im Taifun „Cobra“ am 18. Dezember 1944 wurden mehrere Flugzeugträger schwer beschädigt, drei Zerstörer sanken und durch auslaufendes Flugzeugbenzin gingen in den Trägergruppen bei den sich ausbreitenden Bränden 150 Flugzeuge verloren. Das ist weit mehr als das, was die US Navy gegen die japanischen Luftstreitkräfte im Luftkampf und durch Flak in der vorangegangene See-Luftschlacht verlor. Noch heftiger kam es für die Pazifikflotte am 4. Juni 1945. Dem 17.000-Tonnen-Kreuzer USS Pittsburgh wurde auf einer Länge von 35 m das Vorschiff abgerissen, vier Flugzeugträger, fünf Schlachtschiffe, fünf Kreuzer, elf Zerstörer wurden schwer beschädigt. Noch viel stärker aber wütete „Harvey“, als er in Texas auf Land traf.

Auf japanischer Seite wurde 1945 die Idee der Selbstmordfliegergeschwader geboren, die mit ihren einmotorigen Jagdbombern und der bemannten Kugisho MXY-7 Ohka, die als Unterrumpftraglast von Bombern möglichst nahe an die feindlichen Schiffe gebracht wurden, wo sie die US Navy am Vordringen hindern sollten. Das deutsche Analogon zur japanischen Version, „Reichenberg“ genannt, kam glücklicherweise nicht mehr zum Einsatz. Die Japaner nannten diese Selbstmordflieger „göttlicher Wind“. Dieser hatte 1274 und 1281 die gesamte Mongolen-Flotte von der Meeresoberfläche gefegt und so das Kaiserreich vor einer Invasion gerettet. Am 2. September 1945 – kurz nach der Kapitulation auf dem Schlachtschiff USS Missouri – kam dieser „göttliche Wind“ für Japan in Gestalt des Taifuns „Louisa“ zu spät. Mit 120 Knoten Windgeschwindigkeit trieb er die US-Flotte, die die GIs in die Heimat zurückbringen sollte, ins Verderben. Zwölf Schiffe sanken, mehrere wurden stark beschädigt. Der US Army und der amerikanischen Industrie war, als diese in den Zweiten Weltkrieg eingriffen, kein Gegner gewachsen. Die USA bauten von 1941 bis 1945 2.710 bewaffnete Liberty-Frachter und in vier Kriegsjahren 24 Großträger und 120 Geleitflugzeugträger. Nur bei einem Gegner haben die USA im Krieg immer den Kürzeren gezogen. Die extremen Wetterbedingungen zeigten den US-Streitkräften auf, wer das Sagen damals hatte und auch heute. Das sollte auch Nichtmilitärs zu denken geben. Mit unseren geradezu lächerlichen Möglichkeiten werden wir dem Klima unseren Willen nicht aufzwingen können. Die Ausfälle bei den Seestreitkräften in der Vergangenheit zeigen, dass bereits früher Stürme wüteten (Extremwetterlagen), die alle gegenwärtigen Extremwetterlagen in den Schatten stellen.

Die Atombombe im Kalten Krieg und ihr Wetterimpakt
Die schlimmsten militärischen Eingriffe in das Wetter erfolgten im beginnenden Kalten Krieg, als ein Mehrfaches der Bomben auf Hiroshima und Nagasaki zur Explosion gebracht wurde. Die Atombombentestgebiete kannte in den 1950er und 1960er Jahren nahezu jedes Kind, wobei besonders die Testgebiete im Pazifik durch ihre exotischen Namen, wie z. B. Eniwetok, Amchitka, das  Bikini-Atoll, Johnston-Atoll, Kwajalein-Atoll („Seemannsgrab“ des  deutschen schweren Kreuzers USS Prinz Eugen), Kiritimati (Großbritannien) sowie Mururoa-Atoll und Fangataufa (Französisch-Polynesien) hervorstachen. Heute sind viele Testsites bereits geräumt und einige werden teilweise wieder bewohnt. Der Fallout im Nachgang zu den einzelnen Nukleartests hat sich damals über den gesamten Globus verteilt und man kann in den obersten Schichten der Lithosphäre bereits eine Art „Nuklear-Stratigrafie“ betreiben, wobei man präzise sogar den Nachweis einzelner Kernwaffentests erbringen kann. Es ist vor allem der Radio-Karbon-Methode, die bis maximal 40.000 Jahre sicher zu Datierzwecken anwendbar ist, zu verdanken, dass dieser anthropogene Anteil an der Erdgeschichte nachgewiesen werden kann. Diese militärischen Aktivitäten hatten einen starken Einfluss auf das Wettergeschehen. Es sind die Radionuklide und die ionisierende Strahlung in der Luft, die ihre Spuren durch den Fallout überall, wenn auch in unterschiedlicher Intensität, hinterlassen haben. Sie verursachten eine um 24 Prozent erhöhte Niederschlagsmenge bspw. in Großbritannien.

Polarlichter treten normalerweise nahe dem magnetischen Nord- und Südpol auf. Ihre Leuchterscheinung verdanken sie angeregten Stickstoff- und Sauerstoffatomen in der oberen Atmosphäre durch energiereiche ionisierende Teilchen. Im Nachgang zu den Atombombentests konnte jedoch bedingt durch eine Art „Strahlungsgürtel“ dieses Phänomen selbst in den Tropen nachgewiesen werden. Durch die Auswaschung des radioaktiven Fallouts im Verlauf der Jahre verschwand jedoch dieses äquatornahe Leucht-Phänomen ebenso schnell wie die anormal hohen Niederschläge. Elektrische Ladungen in der Luft haben demnach einen Einfluss auf die Wolkenbildung und die Niederschläge und könnten im K-Fall durchaus auch weit ab vom „ground zero“ zu nicht-saisonalen Pluvialphasen führen. Das Wetter kann sehr deutlich auf solche anthropogenen Einflüsse reagieren. Diese Folgen sind reversibel.

In Nordbayern, in Nähe des „Eisernen Vorhangs“ konnte man in den frühen 1950er Jahren sehr starke Gewitterstürme beobachten. Mit Ausweisung der Air Defense and Identification Zone (ADIZ) nahmen drei Luftraumüberwachungsradarstellungen (Abgesetzter Technischer Zug 234) ihren Betrieb auf. Es waren Radargeräte der Typen AN/FPS-67C und AN/FPS-89, die im Mai 1989 auf ein Gerät (3D-Puls- Doppler-Radarsystem RRP 117 der Firma Lockheed Martin mit einer Reichweite bis 463 km) umgerüstet wurden. Die geschilderte Gewitterintensität ließ mit Aufnahme der radargestützten Luftraumüberwachung in dieser Region schlagartig nach. Elektromagnetische hubschraubergestützte und oberflächengebundene Messungen im Umkreis dieser Radarstellungen zum Zweck der Rohstofferkundung erwiesen sich praktisch auch in der Vergangenheit als unmöglich wegen der hohen Störeinflüsse dieser militärischen Einrichtungen.

Vom Wetter-Phänomen zur Klima-Zonierung
Die in den vorhergehenden Kapiteln geschilderten Phänomene in der Atmosphäre sind Wetterphänomene, die seit rund 80 Jahren in unterschiedlicher Intensität wirksam sind. Es sind noch keine Klimaänderungen, auch wenn Gletscher sich zurückziehen und Flüsse niedrige Pegelstände aufweisen, was auch in den so genannten Interstadialen der Fall ist. Was sich jedoch heute sehr geändert hat, ist die z. T. reißerische Beschreibung von Wetterphänomenen mit Begriffen wie „Frostpeitsche“ und „tropischen Nächten“. Wer nicht permanent mit Superlativen, wie etwa der trockenste Sommer seit der Wetteraufzeichnung“ aufwartet, ist „out“. Wer jedoch in „Bayerisch Sibirien“ aufgewachsen ist, sagt „es ist saukalt“. Von Extrem-Wettersituationen spricht man dann, wenn in der zentralasiatischen Klimazone, im Sommer die Temperatur auf + 40°C steigt und im Winter unter -40°C fällt. Die nomadisierenden Hirten treiben dann ihr Vieh in die Stadt, z. B. in Ulan Bator in der Mongolei. Diese meteorologische Herangehensweise liegt im Trend. Es wird zu vieles heute zu emotional und übertrieben dargestellt. Da können die „Wetterfrösche“ offensichtlich nicht außen vor bleiben und man hebt das Wetter auf die nächst höhere Betrachtungsebene, das Klima, ohne dass es dafür stichhaltige Argumente gibt.

Viele Menschen sehen die Unbilden des Wetters, welches seit Generationen durch das Adjektiv wetterwendisch am besten gekennzeichnet wird und nennen es den Klimawandel, ohne zu wissen, was Klima ist. Das Klima ist ein Bestandteil der Evolution der Erde. Die exogenen Kräfte sind maßgebend am Aufbau der Landschaft beteiligt. Um eine allgemeine Grundlage für eine sachliche Diskussion zu haben, muss man wohl die Definitionen für Klima und Wetter nochmals ins Gedächtnis zurückrufen. 

Das Klima wird durch die Mittelwerte aller Niederschläge (Regen, Schnee, Hagel) und den Mittelwert der Temperatur in der Atmosphäre, gemessen über einen signifikant langen Zeitraum an einem bestimmten Punkt der Erdoberfläche, gekennzeichnet. Das Wetter dagegen gibt den physikalischen Zustand der Atmosphäre zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem kürzeren Zeitraum an einem bestimmten Ort wieder. Die Parametrierung erfolgt seit den Tagen der Wetterstation „Haudegen“ in gleicher Weise, nur die Mess- und Auswerte-Methoden haben sich verfeinert. Was ein „kürzerer Zeitraum“ ist, kann jeder bei einem Ist-Soll-Vergleich für sich selbst bestimmen, wenn er die Wettervorhersage betrachtet. Treten wetterbedingte Umweltkatastrophen auf, sind die Meteorologen meist genauso überrascht wie der Rest der Bevölkerung. Einige Eckpunkte mögen verdeutlichen, was das Wort „signifikant lang“ in Relation zu den geologischen, humanbiologischen und sozialwissenschaftlichen Zeiträumen bedeuten kann:

  • Alter der Erde: 4.530.000.000 Jahre
  • Homo erectus: 1.800.000 Jahre
  • Homo sapiens: 300.000 Jahre
  • Beginn des Industriezeitalters: 1.769 Jahre n. Chr.

Man wird zwar täglich mit Wetterkarten konfrontiert, die durchziehende Wetterfronten wiedergeben. In den Medien werden Klimakarten (Veränderung in Raum und Zeit) und x-y-Plots (Ereignis vs. Zeit) selten oder gar nicht thematisiert. Man könnte dadurch gut den Klimawandel veranschaulichen. Will man das vielleicht gar nicht in dieser Genauigkeit?

Anhand zweier Karten aus dem Scotese-(Paläo)-Klimaprojekt, welches das Klima der Erde von den frühesten Entwicklungsstadien bis zur Jetztzeit darstellt, sind exemplarisch zwei Zeitscheiben für die Zeit <2 Millionen (Quartär) und <20 Millionen Jahren (Neogen) herausgegriffen und mit ihren Klimazonen dargestellt. Man kann demonstrieren, wie Klimawandel sich bildlich und nicht nur gefühlsmäßig äußert. Ein darstellender Punkt mit den Koordinaten 40°N/100°E liegt heute in der Trans-Altai-Gobi-Wüste mit Niederschlägen <100 mm/a. Die Wüste Gobi ist in diesem Teil eine Randwüste (Wüste ist kein meteorologischer, sondern ein vegetationsgeografischer Begriff) mit trocken kaltem kontinentalem Steppenklima. Betrachten wir uns den Ort 20 Mio. vor unserer Zeitrechnung, so zeigt die Klimakarte eine tropisch aride Klimazone im Grenzbereich zur semiariden Klimazone, wie man sie heute im mediterranen Raum Richtung Sahara annehmen kann. Arid bedeutet, dass im mehrjährigen Mittel der Niederschlag geringer ist als die Verdunstung. Bei semiarid bedeutet dies präzise, dass im mehrjährigen Mittel der Niederschlag die mittlere Verdunstung im gleichen Zeitraum während höchstens fünf Monaten übertrifft. Dieser Zeitraum (Neogen/Miozän) lässt sich mit Hilfe von Pflanzengesellschaften und den sich daraus entwickelnden Braunkohleflözen faziell-palynologisch und paläoklimatologisch sehr gut charakterisieren. (Anm. d. Red.: „faziell“ bedeutet die verschiedenartige Ausbildung gleichaltriger Gesteinsschichten; „Palynologie“ ist die wissenschaftliche Bezeichnung der Pollenanalyse; Forschungsgegenstand der „Paläoklimatologie“ ist die Klimavergangenheit der Erde. Meteorologen, Geologen, Physiker, Biologen, Historiker arbeiten interdisziplinär zusammen, um anhand verschiedener Klimaarchive die Klimageschichte der Erde zu rekonstruieren.)

Die jährlichen Durchschnittstemperaturen in den Gebieten mit Kohlesümpfen liegen bei ca. 17°C. Auch während dieser Zeit gab es unterschiedlich intensiv vereiste Polkappen. Das Beispiel aus Innerasien vermittelt einen Einblick in den horizontalen Klimawandel, dessen Klimazonen in ihrer Form und Lage sich verändern. Die Überschneidung der vertikalen mit der horizontalen Klima-Zonierungen lässt sich an einer bei Touristen sehr beliebten Region verdeutlichen, dem Vulkan-Archipel der Kanarischen Inseln. Die vertikale und horizontale Klimazonierungen kann man auf kurze Distanz sehr gut mit der weltweit am häufigsten verwendeten effektiven „Köppen-Geiger Klima-Klassifikation“ beschreiben. Die dem afrikanischen Kontinent am nächsten befindlichen Inseln Fuerteventura und Lanzarote haben Wüsten- oder Arid-Klima. Die Landschaft ist wegen ihres Alters flach und tief erodiert, ähnlich der benachbarten Sahara. Auf Fuerteventura gibt es zahlreiche kleine Aschvulkane, jedoch keinen alles überragenden Zentralvulkan wie auf Teneriffa, Gran Canaria oder La Gomera. Die westlichen Inseln La Palma und El Hierro zeigen eine graduelle Zunahme des warm gemäßigten C-Klimatyps (die Temperatur des kältesten Monats liegt zwischen +18°C und -3°C). Auf Teneriffa mit dem höchsten Berg auf spanischem Staatsgebiet, dem Teide (3.715m NN), wird auch der boreale Klimatyp D erreicht. Deutschland zeigt eine Zweiteilung hinsichtlich der Klimazonierung mit zwei annähernd Nord-Süd-streichenden Achsen, eine ozeanisch geprägte westlich Zone mit der Achse Düsseldorf-Frankfurt a.M.-Stuttgart (Cfb) und ein feuchtwarmes Kontinentalklima (Dfb) auf der Achse Hamburg-Dresden-München. Diese Klassifikation findet man in den Tele-Medien und der Politik nicht, dafür diskutiert man Kipppunkte. Man will wohl das „Ost-Westklima“ nicht noch stärker belasten.

Andere Klimaklassifikationen nach Flohn und Neef zeichnen zwar kein anderes Bild hinsichtlich der Anordnung der Klimazonen, sie legen jedoch mehr parametrierenden Wert auf die Entstehung der Zonen in Bezug auf Wind und Luftdruck und werden als genetische Klimaklassifikationen bezeichnet. Die Überbetonung von einzelnen herausragenden Wetterereignissen ist vor allem den medialen Auftritten geschuldet. Die in vielen naturwissenschaftlichen Fragen wichtigen Mittelwerte lassen sich schlechter in den Medien verkaufen.

Eine vergleichende Betrachtung im Jahr 2023 ergibt in einem engen Zeitfenster im Mittelmeerraum eine große Hitze, in Mitteleuropa ausgewogene Wetterbedingungen, während es in Südnorwegen aus „Kübeln schüttete“. Wenig später wurde Rhodos, wo vorher noch eine große Hitze geherrscht hatte, von Überschwemmungen heimgesucht.

Der Klimawandel ist ein geowissenschaftliches Faktum. Ob die gegenwärtigen Wetterphänomene aber bereits Ausdruck eines Klimawandels im Sinne der Definition sind, ist mehr als fraglich. Weder die in diesem Teil aufgeführten Daten zu Extrem-Wetterbedingungen, noch die zu diskutierenden Diagramme und Mess-Kurven, lassen eine solche Aussage zu. Beim Rückzug der irakischen Truppen aus Kuwait wurden 75% der 1.000 Ölquellen in Brand gesetzt. Weder ließ sich in der CO2-Kurve ein Peak nachweisen, noch ging damit eine Temperaturerhöhung einher wie es sich für eine gute Korrelation von Temperatur und Treibhausgas gehören würde. Nach den Bränden fiel die Lufttemperatur kurzfristig um 10°C und die Wassertemperatur sank um 7°C. Das Wetter reagiert sehr schnell in positiver und in negativer Richtung auf menschliche Einflüsse. Das Klima reagiert vergleichsweise sehr langsam – von Menschenhand kann man das weder ändern, noch braucht man das Klima zu schützen. Die Umwelt dagegen sollten wir so schützen, wie wir gerne geschützt werden wollen.

Nicht Klimaschutz – sondern Umweltschutz
Der deutsche Meteorologe, Ozeanograph und Klimaforscher Professor Mojib Latif, Seniorprofessor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR), hat in einem Interview kürzlich zum Thema Klimawandel betont, dass er eine Mission hat: „Ich möchte gerne, dass wir die Umwelt schützen.“ Das will jeder, der eine Erziehung genossen hat. Umweltschutz ist Erziehungssache, aber kein Klimaschutz. Wissenschaftlich betrachtet ist Umweltschutz das unmittelbare Ergebnis des Lehr- und Forschungsgebiets Ökologie, welches sich mit den Wechselwirkungen zwischen belebter und unbelebter Natur beschäftigt. Diese Wechselwirkung betrifft die Atmosphäre, die Biosphäre, die Pedosphäre, die Hydrosphäre, die Lithosphäre und die Asthenosphäre. Geoökologie erfordert immer einen holistischen Ansatz. Klimatologie und Meteorologie sind hilfreich für die Lösung geoökologischer Probleme, beide sind aber niemals die Kerndisziplin der Geoökologie. Betrachten wir den Kenntnisstand zu den genannten Sphären und unsere auf Modellen basierenden Prognosen zu deren Entwicklung in der Zukunft, dann erkennt man sehr schnell, dass der Wissenstand zu den einzelnen Sphären sehr unterschiedlich ist – und nur so erklärt sich der monokausale Ansatz, der sich nahezu ausschließlich auf Kohlendioxid konzentriert. Es kommt einem sehr rasch das alte Bergmannssprichwort in den Sinn: „Vor der Haue ist es duster“. Personen, die nur das eigene Fachgebiet im Fokus haben, neigen meist zu Prognosen, die sehr gewagt und weitreichend sind: „If you have a hammer everything looks like a nail“.

Über die Atmosphäre, die zwischen Troposphäre und Thermosphäre circa 500 km misst, wissen wir relativ gut Bescheid. Über das, was unterhalb der Lithosphäre vor sich geht, d. h. unterhalb von 100 km, haben wir nur geringe Daten, durch geophysikalische Untersuchungen und mineralogisch-petrologische Hinweise durch Xenolithe. (Anm. d. Red.: vom Griechischen Wort xenos, fremd, entlehn, bezieht sich auf den Umstand, dass man die ursprüngliche Lagerstätte des Gesteins oder Minerals nicht kennt; also in Gesteinen eingeschlossene, fremde Gesteine, die unterschiedlicher Zusammensetzung oder zu anderen Zeiten entstanden sind als das eigentliche Wirtsgestein.)

Solange wir nicht wie Professor Lindenbrook uns auf die Reise zum Mittelpunkt der Erde begeben, werden wir uns nur auf Modelle stützen können. Das Kontinentale Tiefbohrprojekt der Bundesrepublik Deutschland (KTB) bei Windischeschenbach (Oberpfalz) hat im Projektzeitraum 1987-1995 mit Müh und Not 9 km geschafft, nach dem in den ersten Projektstudien sogar 15 km (Göttinger-Vorgespräche) angedacht waren. Solange man nicht bohrte, konnte man große Modelle generieren. Man prognostizierte in der Tiefe den „Erbendorfer Störkörper“ in Nordost-Bayern und teufte dort die beiden Bohrungen ab. Alle Daten des Deutschen Kontinentalen Reflexionsseismischen Programms sprachen für diesen Gesteinskörper. Man hat ihn nie in der Bohrung gefunden. Hätte man auf die Tiefbohrung verzichtet, könnte man heute noch mit genialen Aussagen zur oberen Erdkruste leben. Was hat das mit dem Klima zu tun? Wir können nicht in die Zukunft „bohren“ und müssen mit unseren Modellen zuerst sicher das Vergangene zu erklären suchen. Im Ahrtal gab es 70 starke Hochwasser-Ereignisse in 500 Jahren (1859 allein 40 Todesopfer und mehr als eine halbe Million Thaler Sachschaden, das älteste dokumentierte Ereignis datiert auf das Jahr 1348). Anorganische und organische Disziplinen der Erd- und Raumwissenschaften hätten hier einen Beitrag leisten können. Aber auch die klassische Geschichte kann einen Beitrag leisten. Die römischen Legionäre wussten genau, dass man in dieser Region nicht zu nahe an den Gewässern baut. Die Bundeswehr konnte nur noch mit dem TPz Fuchs die abgesoffenen Autos von der Fahrbahn ziehen.

Greifen wir den Missionsgedanken von Professor Latif nochmals auf, der sich den Umweltschutz, was ja nicht gleichbedeutend mit Klimaschutz oder einer globalen Erwärmung ist, auf seine Fahnen geschrieben hat. Umweltschutz beginnt immer vor der eigenen Haustür und jeder kennt die achtlos weggeworfenen abgebrannten Zigarettenkippen. Die „Niktotindüngung“ ist der größte Umweltsünder. Sie nimmt weltweit den Spitzenplatz vor Glyphosat und Dioxin ein. Von den über 5.000 chemischen Stoffen in der Zigarette sind 250 giftig und 90 krebserzeugend. Bei der „Nikotindüngung“ besteht kein Diskussionsbedarf darüber, ob diese Gefahr für die Menschheit Realität oder Fiktion ist oder ob sie geogen oder anthropogen ist, wie dies beim Klimawandel und seinen Treibern der Fall ist. Man muss nicht erst zum Mittelpunkt der Erde mit Jules Verne reisen. Trotz dieser klaren Datenlagen tut man nichts, obwohl es eine Hilfe für das Trinkwasser, die Menschheit und letztendlich eine wirkliche Investition in die Zukunft wäre. Die anthropogenen Klimawandler propagieren einen monokausalen Zusammenhang von Erderwärmung und Kohlendioxide, welches Teil des Kohlenstoffkreislaufs, des wohl komplexesten aller Stoffkreisläufe auf unserem Planeten, ist. Sein Wirkungsbereich betrifft alle Sphären von der Atmosphäre bis zur Asthenosphäre. Vieles davon ist noch unbekannt, besonders die Turbulenzen im Fließstockwerk und an der Mantel-Kern-Grenze. Dieser einseitige Blick auf das CO2 als Klimawandelverursacher ist wohl eher als ein publikumswirksamer einprägsamer Ansatz zu sehen, um den öffentlichen Druck aufrecht zu halten, als eine ernst zu nehmende Lösung des Problems. Man verlagert dies nur in die Zukunft, wenn die Hauptdarsteller schon längst nicht mehr haftbar gemacht werden können. Mit der „Nikotindüngung“ kommt man nicht in die Talkshow und man lässt deshalb keinen der medial-zirzensischen Auftritte aus, wenn es der Selbstdarstellung dient. Auf diese Weise macht man sich die Hände nicht schmutzig und man kann guten Gewissens weiterhin über die eigenen Aktivitäten zur Verhinderung des planetarischen Klimatods schwadronieren. Beim naheliegenden Umweltschutz verfährt man nach dem Motto: „Es gibt viel zu tun, lassen wir es liegen“. Die „Kippe“ ist das beste Beispiel.

Durch einen fachlich nicht untermauerten Umgang mit Wetter, Klima und Umweltschutz entwickelt sich in Deutschland eine Form von Ökopharisäertum mit quasireligiösen Zügen. Wer nicht dem rechten Glauben folgt, sprich Phänomene und Herangehensweise zur Klimatologie hinterfragt, gilt als Häretiker. Professor Mojib Latif sieht sich selbst als Missionar in dem kürzlich erfolgten Interview und hob die Bedeutung der Wissenschaftskommunikation hervor. Letzterem kann man sich nur anschließen und deshalb muss man einige wissenschaftlichen Fakten aus dem „Science Business“, über die der Weltklimarat nicht spricht, kommunizieren.

Dr. Harald G. Dill

Wie wichtig Beratungsleistungen der verschiedenen geowissenschaftlichen Disziplinen für die Truppe und
auch die Nutzung von NATO-weit verfügbaren Geoinformationen sind, zeigt eine hyperspektrale Aufnahme
Afghanistans, die die Oberflächenbeschaffenheit (Topografie, Morphologie, Vegetation, Wasser, Eis, Schnee,
Erosions- bzw. Residualbildungen) des Einsatzlandes zeigt. (Karte: US Geological Survey)

Das Klima der Erde von den frühesten Entwicklungsstadien bis zur Jetztzeit. (Karte: Scotese-(Paläo)-Klimaprojekt)

Die Überschneidung der vertikalen mit der horizontalen Klima-Zonierungen am
Beispiel des Vulkan-Archipels auf den Kanarischen Inseln. (Abbildung: Autor)

Das Fachsystem GGS/NinJo wird zur Visualisierung der meteorologischen Informationen für die Flugwetterberater genutzt. Die Screenshots zeigen eine typische Ansicht (Fenster links nach rechts) von Gitterpunktfeldern, Punktvorhersagen, aktuel-ler Wettersituation und Cross Section. (Foto: Geoinformationszentrums der Luftwaffe)

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